EfI-Englischkurs: Stadtprofil Rhodos

Einführung

Der wiederkehrende Leser wird bemerkt haben, dass Efi und Archi reiselustig sind. – Der weibliche Part verständlicherweise ein wenig mehr, da Efi jünger und weniger weit herumgekommen ist. Zwar hört sie gerne von fernen Ländern und Städten, doch wurmt es sie bisweilen, wenn ein "Da-war-ich-schon-Schmunzeln" Archis Züge erhellt. Während solcher Augenblicke nervt seine "Muss-man-nicht-gesehen-haben-Taktik" besonders. Etwa dann, wenn er die Pyramiden von Gizeh als "Steinhaufen" bezeichnet oder in Bezug auf das Rote Fort in Lahore einen erheblichen Instandhaltungsstau erwähnt. Nun, immerhin ist Archi kein Stubenhocker. Er lässt sich zu allerlei motivieren. Diesmal zu einer Reise nach Rhodos.

Bevor wir ägäische Luft schnuppern, lösen wir die Rätselfragen aus dem "Hamburger Frauentreff" auf. Antwort 1: Das Chilehaus zählt stilistisch zum Backsteinimpressionismus. – Starker Tobak, der Begriff. Antwort 2. Im Volksmund heißt Sankt Michaelis schlicht "Michel". Doch nun auf nach Rhodos! Im Bericht kursiv geschriebene Begriffe finden sich – wie gewohnt – am Seitenende übersetzt. Impressionen zur Stadt Rhodos bietet die Bildergalerie.

Stadtprofil Rhodos

Unweit der türkischen Küste gelegen, zählt die Insel Rhodos zu Griechenlands bedeutendsten Touristenzielen. Diesbezüglich erwähnenswert: Rhodos kam erst 1948 zum damaligen Königreich Griechenland. – Tatsache: Bis 1974 war das Land offiziell Monarchie.

Rhodos ist Zentrum der Inselgruppe "Dodekanes". Die annähernd 1.400 qkm große Insel zählt rund 125.000 Einwohner. Die Hälfte davon lebt in der Hauptstadt Rhodos. Nebenbei: Rhodos heißt "Hibiskus". Wappentier ist der Elafos, der "springende Hirsch". Zwei in stehender Pose gemeißelte Hirschstatuen – "Elafos" und "Elafina" – zieren die Hafeneinfahrt. Der Hafen heißt "Mandraki".

Efi und Archi gingen von Bord der sanft eingeschwebten Maschine. Ein Bus fuhr sie über das Rollfeld zum Hauptgebäude des Rhodos Island International Airport (Diagoras). Sie waren zu erfahren, um sich am üblichen Gedrängel um die Gepäckbeförderungsanlage zu beteiligen. Während der Fahrt zum ausnahmsweise vorgebuchten Hotel fielen die vielen im Bau befindlichen Stahlbetongebäude auf. Keine kulturhistorisch bedeutsamen Monumente zu sehen. Efi wusste, die Insel war seit dem Neolithikum besiedelt und seit frühen Zeiten ein Zankapfel einander bekämpfender Reiche gewesen. "Wie alle vermeintlich zivilisierten Gebiete dieser Welt", bemerkte Archi, einmal mehr unausgesprochene Gedanken aufnehmend. Efi lächelte, sah hinaus in eine Stadtlandschaft, die dichter und moderner als erwartet war. Sie dachte an den Koloss von Rhodos, eines der antiken Sieben Weltwunder, das nur ein Menschenalter lang bestand, bevor ein Erdbeben die angeblich mehr als dreißig Meter hohe Bronzestatue zerstörte. Sie stellte Helios dar, den Sonnengott, den GöttervaterRitterstr. Zeus bei der Verteilung der (griechischen) Erde zunächst vergaß und ihm dann die duftende Insel zusprach. Helios wählte sie vor allem einer weiblichen Bewohnerin wegen aus: Er hatte sich in die Nymphe Rhode verliebt. Efi erfuhr das von Archi, der ihr bisweilen wie ein wandelndes Lexikon vorkam. Wohl deshalb hatte sie sich mit der rhodischen Geschichte beschäftigt. Sie wusste, Minoer, Dorer, Genuesen, Byzantiner, Ordensritter und Osmanen hatten sich Rhodos zeitweilig unter den Nagel gerissen. Baulich hinterließen vor allem die Hospitaliter – auch bekannt als Johanniter oder Malteser – und die Osmanen bleibende Spuren. Letztere regierten Rhodos nahezu vier Jahrhunderte hindurch, nachdem Truppen Suleimans des Prächtigen die christliche Ordensfestung 1522 – aus osmanischer Sicht mehr als 600 Jahre früher – zusammengeschossen hatten. Immerhin ließ der kampfgehärtete "Muselmane" die Handvoll überlebender Ritter ziehen, womit er sich weit menschlicher zeigte als viele christliche Herrscher.

Nach einem geruhsamen Tag am felsigen Hotelstrand, machten sich Efi und Archi auf zu einer Besichtigungstour in die nahe Inselhauptstadt. Wie in bemühten Reiseführern behauptet, erwiesen sich die Busverbindungen prinzipiell als gut (Radio Eriwan lässt grüßen), nur fahren die Gefährte haltlos an Haltestellen durch, sind sie voll. Am Ziel angelangt, sprang Efis Einkaufsgelegenheitenerkundungsinstinkt an. Archi schlenderte voraus. Vor einem palmendurchsetzten Stadtgarten trafen sich beide wieder. Vor ragenden Wällen entfaltete sich eine sinnverwirrende Blütenpracht. Über einige Umwege ging es zum Großmeisterpalast. 1856 ging dort ein vergessenes Pulvermagazin hoch. Die rüttelnden Explosionen legten den aus dem 14. Jahrhundert stammenden Großbau weithin in Schutt und Asche. Nach 1912 begannen italienische Besatzer auf das aufzubauen, was aus der Ritterzeit geblieben war. Während der osmanischen Besetzung um die Schlossfestung herum entstandene Gebäude rissen sie ab, jüdische und türkische Friedhöfe verwandelten sie in Grünzonen. In seiner heutigen Erscheinung ist der Großmeisterpalast zum Gutteil ein Phantasieprodukt.

Die mittelalterliche Altstadt zählt zum UNESCO Weltkulturerbe; sie ist ein architektonisches Kleinod von Rang. Gebäude, Gassen und GärtenGassenansicht aus dem 14. und 15. Jahrhundert blieben flächendeckend erhalten. Das alte Rhodos gliedert sich in zwei, von einer eindrucksvollen Mauer getrennte Bereiche, nämlich das Ritterviertel sowie südliche Wohn- und Gewerbegebiete, deren Herz der offene Basar darstellt. Er bietet allerhand Nippes, Ramsch und Leckereien. Efi schnupperte erst, umschlich alsdann eine erste Futterkrippe, schlug einen Haken und dann zu. Archi ließ sich grinsend auf ihre "Versuche-einmal-Geste" ein.

Die Altstadt bewohnen heute noch rund 6.000 Menschen. Zugänglich ist sie durch teils imposante Tore. Eines davon führt auf die Ritterstraße (griechisch: Odos Ippoton; siehe Bild oben). Hier befanden sich die Herbergen der sieben "Zungen" bzw. Landsmannschaften sowie das Hospital des erwähnten Ordens. Viele Altstadtgassen sind von Bögen überspannt, zahlreich bestehen Torsituationen (siehe Bild links).

Zeugnisse der osmanischen Herrschaft sind allgegenwärtig. Besonders markant ist die 1523 vom Sultan – dem "Prächtigen" – beauftragte und nach ihm benannte Moschee mit ihrem weithin sichtbaren Minarett an der Sokratesstraße. Neben ihr zählt die Stadt ein rundes Dutzend weiterer muslimischer Gotteshäuser. Sehenswert, wenn auch selten zugänglich, ist die 1531 errichtete Ibrahim Pascha-Moschee auf dem Hippokrates-Platz. Gleiches gilt hinsichtlich der 1588 erbauten, byzantinische wie ritterzeitliche Strukturen einbeziehenden Radheb-Pascha-Moschee unweit des Arionos-Platzes. Architekturliebhaber dürften das um 1765 entstandene Hamam (Türkisches Bad) schätzen, zudem die unmittelbar gegenüber der Suleiman-Moschee gelegene, auf das Jahr 1793 zurückgehende Türkische Bibliothek. Sehenswert ist auch der geschäftige Hafen mit seinen drei Windmühlen, der sich zwischen den alten und neuen Stadtbezirken erstreckt.

Nach spannenden Stunden gönnten sich Efi und Archi ein gemeinsames Bier. Sinnend sah Efi dem regen Treiben zu. Wie die Hauptburg der Hospitaliter während der Kreuzzüge hieß und in welchem heutigen Land sie liegt, wollte sie unvermittelt wissen. Archi kannte die Antworten. – Kennt sie der Leser auch?

Übersetzungen

Altstadt = old town ⇔ Architektonisches Kleinod = architectural pearl ⇔ Architekturliebhaber = architecture enthusiast; architectural enthusiast ⇔ Backsteinimpressionismus = brick impressionism ⇔ Basar = bazaar ⇔ Besetzung / Besatzung = occupation ⇔ Besichtigungstour = sightseeing tour ⇔ Bibliothek = library ⇔ Bogen = arch ⇔ Bronzestatue = bronze statue ⇔ Einwohner = inhabitant; citizen (im rechtlichen Sinne) ⇔ Erdbeben = earthquake ⇔ Festung = fortress ⇔ Friedhof = cemetery ⇔ Gasse = alley; lane ⇔ Gebäude = building ⇔ Grünzone = green zone ⇔ Gepäckbeförderungsanlage = baggage conveyor system; luggage conveyor system ⇔ Geschichte = history ⇔ Gewerbegebiet = commercial area ⇔ Großmeisterpalast = grand master's palace; grandmaster's palace ⇔ Grünzone = green zone ⇔ Hafeneinfahrt = harbor entrance (US); harbour entrance (UK); port entrance ⇔ Hauptgebäude = main building ⇔ Hauptstadt = capital; capital city ⇔ Herberge = hostel ⇔ Hirschstatue = deer statue ⇔ Hospitaliter = Knights Hospitaller; Sovereign Military Hospitaller Order of St. John of Jerusalem of Rhodes and of Malta (eine sperrige, doch korrekte Bezeichnung), Order of St. John; Knights of Malta; Chevaliers of Malta ⇔ Hotelstrand = hotel beach ⇔ Im Bau (befindlich) = under construction ⇔ Insel = island (Hinweis: der Staat Island heißt Iceland) ⇔ Inselgruppe = archipelago; group of island; island group ⇔ Inselhauptstadt = island capital ⇔ Instandhaltungsstau = deferred maintenance ⇔ Jahrhundert = century ⇔ Königreich = kingdom ⇔ Kreuzzug = crusade ⇔ Land (Staat) = country ⇔ Lexikon = encyclopaedia ⇔ Mauer = wall ⇔ Minarett = minaret ⇔ Mittelalterlich = medieval ⇔ Monument = monument ⇔ Moschee = mosque ⇔ Neolithikum / Jungsteinzeit = Neolithic period ⇔ Ordensritter = knight of order ⇔ Osmanen = Ottomans ⇔ Pyramiden von Gizeh = pyramids of Giza; Giza pyramid complex ⇔ Reiseführer = travel guide ⇔ Reiselustig = fond of traveling (US); fond of travelling (UK) ⇔ Ritterzeit = knights era; knights' era: knight's era ⇔ Ritterviertel = knights quarter; knights' quarter ⇔ Rollfeld (zur Start- und Landebahn) = taxiway (bezogen auf die Startbahn selbst ist "runway" korrekt) ⇔ Rotes Fort = Red Fort ⇔ Sieben Weltwunder = Seven Wonders of the World ⇔ Stadt = city (Großstadt); town (Klein- und Mittelstadt) ⇔ Stadtbezirk = city district; town district ⇔ Stadtgarten = city garden; town garden ⇔ Stadtlandschaft = cityscape; townscape ⇔ Stahlbetongebäude = reinforced concrete building ⇔ Stubenhocker = couch potato; stay-at-home ⇔ Tor = gate ⇔ Touristenziel = tourist destination ⇔ Türkisch = Turk (sprachlich, ethnisch); Turkish (moderner, stark staatsbezogener Begriff) ⇔ Türkisches Bad = hamam; Turkish bath ⇔ Wall / Wälle (Befestigungswerke) = rampart ⇔ Weltkulturebe = World Heritage ⇔ Wiederaufbau (sowohl Vorgang als auch Gebäude) = reconstruction; Wiederaufbau(Gebäude) = reconstructed building ⇔ Windmühle = windmill ⇔ Zankapfel = bone of contention; apple of discord (insbesondere bezogen auf den sagenhaften Goldenen Apfel der Eris) ⇔ Zunge = tongue