EfI-Englischkurs: Hamburger Frauentreff

Einführung

Erstmals stellt ein "gemischtes Doppel" eine Efi-Folge ins Netz. Inhaltlich beruht diese überwiegend auf Ideen von Barbara Harrer. Somit erhält die von einem Mann erdachte Efi gleichsam einen authentischen weiblichen Hintergrund. Der Titel mag neckend wirken, ist gleichwohl bedachtsam gewählt: Frauen in der Immobilienwirtschaft sind längst eine feste Größe innerhalb dieser einst männlichen Domäne – gleich, ob "Chauvis" das behagt oder nicht. Apropos "Chauvi": Da Archi nicht mitkommen wollte – genau genommen nicht durfte -, schwingen in dieser Efi-Folge machohafte Untertöne mit. Das Autorengespann wünscht viel Vergnügen mit Efi. Doch vorab sei das Rätsel aus Folge 4 (Stadtprofil Würzburg Nr. 2) aufgelöst. Zu finden war die Bezeichnung des Gartens, der an Stelle einer einstigen Batteriestellung der Würzburger Festung entstand. – Er heißt "Fürstengarten".

Kursiv geschriebene Begriffe finden sich – wie gewohnt – am Seitenende übersetzt.

Hamburger Frauentreff

Efi freute sich auf die alljährliche "Mädelsrunde". Diesmal sollte das Ereignis in der Hansestadt Hamburg stattfinden. Efi brach früh auf, nahm die S-Bahnverspätung so gelassen wie die üblichen Prozeduren am Flughafen München hin. Fast erstaunt, dass ihr Lippenstift diesmal als feststofflich durchging und nicht als Flüssigkeit eingestuft wurde. Efi machte es sich auf einer freien Bank im Abflugbereich bequem. Sie wusste, ihre Freundinnen waren pünktlich in Wien abgehoben. Die "Mädels" – Archi schmunzelte bisweilen über die altersverweigernde Bezeichnung der ewiglich 29jährigen (Zusatz A, B, C usw. steht für verheimlichte Jahre) – hatten zwei Doppelzimmer in einem schnieken 4-Sterne-Hotel vorgebucht. Es lag strategisch günstig am Hauptbahnhof. Nach einem einstimmenden Umtrunk im Flughafencafé – der einen raschen Austausch überwiegend belangloser Neuigkeiten begleitete – warteten Reeperbahn, Speicherstadt und andere Sehenswürdigkeiten darauf, erkundet zu werden.

Den Stadtführer in Händen – "ach, so weit seid ihr mit dem Mann", hatte Archi am Handy gewitzelt -, erkundeten Efi und ihre Freundinnen nette kleine Gassen. Von der Kennedy-Brücke eröffneten sich wunderbare Blicke zur Innenalster. Das grandiose Panorama von Türmen, Kirchen und golden schimmernden Dachlandschaften fesselte. Die unternehmungslustige Damenriege bestieg einen "Kahn". Jochen, der humorvolle Alsterschiffer, erzählte Geschichten über Hamburg und die Bewohner der alten Hafenstadt. Wieder Boden unter den Füßen, stand die "Viererbande" nach der Rundfahrt am Jungfernstieg und erblickte die erste Einkaufsstraße. Die aufkeimende Begeisterung litt ein wenig, der aufsteigende Kaufrausch verflüchtigte sich angesichtsFleet geschlossener Läden: Es war Feiertag. Also machten sich die Mädels auf zum nächsten Glanzlicht, dem Chilehaus. Laut Stadtführer, muss man es gesehen haben. Efi und Ihre Freundinnen griffen den wohlmeinenden Rat auf, wegetechnisch aber daneben. Statt Chilehaus ... Speicherstadt. Auch fein. Immerhin handelt es sich um Hamburgs wohl bekanntesten Anziehungspunkt. Efi war begeistert von ragenden Backsteingebäuden, bizarren Giebeln, zierlichen Türmchen und den sich in Fleeten spiegelnden Schuten (das nebenstehende Bild zeigt ein Fleet). Bis heute stellt die Speicherstadt den oder zumindest einen der weltgrößten zusammenhängenden Lagerhauskomplexe dar. Sie entstand während der Gründerzeit. Stilistisch zählen ihre Bauwerke zur Neugotik, die hier an die Backsteingotik angelehnt ist.

Krönender Abschluss des ersten Tages war der Besuch der Reeperbahn mit ihren zahllosen Kneipen, Bordellen und Ehehygienegeschäften – so nannte Beate Uhse ihre ersten, während der prüderen 1950er Jahre eröffneten Sex-Shops. Zwischen Jubel, Trubel und schrillen Leuchtreklamen finden auch Liebhaber seriöser Unterhaltungskultur Freude im bekanntesten Rotlichtbezirk der Republik. Sie locken das Operettenhaus, Schmidt's-Theater oder das Café Keese mit dem 'Quatsch Comedy Club'.

Am nächsten Tag durchbummelte das leicht übernächtigte Damenquartett die Laufmeilen der Stadt. Läden, Warenhäuser und Einkaufspassagen bestachen durch Stil und atmosphärische Dichte. Am Rathaus angekommen, war es Zeit für eine Kaffeepause. Das Rathaus wurde Efi von irgendwem besonders empfohlen, da es asiatisch eingerichtet sein sollte. Efi motivierte ihre Freundinnen, die einmalige Chance zu ergreifen, diese einzigartige Wirkungsstätte weltoffener Stadtväter – "wo bleiben die Mütter", witzelte Archi telefonisch – zu besichtigen. Wo in Deutschland ließ sich ein asiatisch ausgestattetes Rathaus besichtigen? Nirgends! Und so war es auch. Außer orientalischen Touristen fand sich nichts Fernöstliches in den ehrwürdigen Hallen. Vermutlich hatte Efi nicht richtig zugehört. – Wie so oft, behaupten ihre Freundinnen einhellig, schlenderten fröhlich weiter, und Efi wusste, die Geschichte würde umgehen zwischen Graz und Wien.

Direkt hinter dem Rathaus ist die Hamburger Börse ansässig. Laut städtischer Eigenwerbung ist sie Nordeuropas ältester Handelsplatz seiner Art. – Von Efi darüber unterrichtet, fand Archi interessant, dass sich die Hamburger um eines Rekördchens willen als Skandinavier ausweisen. Elegant fanden beide den Zusatz "seiner Art", den auch das Vorwort des weltweit größten Immobilienwörterbuchs online ziert. Die Damen besichtigten Nikolaikirche und Sankt Pauls. Neuerlich suchen sie das Chilehaus, und wieder finden sie das zehngeschossige Kontorhaus nicht.

Erschöpft von langen Spaziergänge, zahllosen Eindrücken der schönen Stadt und getrieben von der Verlockung, den Fischmarkt zu nachtschlafener Zeit zu besuchen, beschließen die Frauen früh ins Hotel zurückzukehren. Vorher geht es jedoch auf einen Absacker in eine Cocktailbar. Das sprichwörtliche Ende vom Lied: Der Fischmarktbesuch fiel ins Wasser. Kein Beinbruch, fand Archi nach Efis Rückkehr. Weshalb er grinste, wollte sie wissen. Amüsiert deutete er auf ihre im Bildschirm prangenden Fotos. "Seit du Hamburg beehrt hast, fließt die Elbe landauf", bemerkte er heiter, "und die See hat mächtig Schlagseite." Sie murmelte etwas von Erdkrümmung, legte sich auf die Couch und schlief ein. Sie träumte von Hamburg. Von einer bezaubernden und freundlichen Stadt. Efi wird bald wiederkehren. – Vielleicht mit Archi.

Hier nun, wie inzwischen gewohnt, die abschließende Rätselfrage: In welchem architektonischen Stil wurde das Chilehaus errichtet? Für besondere rätselfreudige Zeitgenossen eine zweite Frage (von Barbara): Wie nennt der Volksmund die größte der fünf Hamburger Hauptkirchen?

Übersetzungen

4-Sterne-Hotel = 4 star hotel; 4 Star hotel; 4 stars hotel; 4 Stars hotel ⇔ Abflugbereich = departure area ⇔ Anziehungspunkt = attraction ⇔ Backsteinarchitektur = brick architecture ⇔ Backsteingebäude = brick building ⇔ Bank (Sitzbank) = bench ⇔ Bauwerk = building; structure ⇔ Bewohner = inhabitants; population (Bürger im rechtlichen Sinne = citizens) ⇔ Bordell / Freudenhaus (etwas altertümlich)= brothel; house of ill repute; house of pleasure; bawdyhouse (veraltet) ⇔ Dachlandschaft = roofscape ⇔ Doppelzimmer = double room ⇔ Ehehygienegeschäft (verschämte Bezeichnung für "Sex-Shop") = sex shop ⇔ Einkaufspassage (Galerie)= shopping arcade ⇔ Einkaufsstraße = shopping street; retail street (vom Einzelhandel dominierte Straße) ⇔ Fischmarkt = fish market ⇔ Fleet = canal; waterway ⇔ Flughafencafé = airport cafe; airport café ⇔ Flughafen München = Munich airport ⇔ Gasse = alley; lane ⇔ Giebel = gable ⇔ Gründerzeit = Wilhelminian era; Wilhelminian period ⇔ Glanzlicht = highlight ⇔ Hafenstadt = harbor city (US); harbour city (UK); port city; bei kleinen Städten angebracht = harbor town (US); harbour town (UK) ⇔ Halle / Hallen = hall / halls ⇔ Handy (bezogen auf ein Fernsprechgerät ein rein deutscher Begriff!) = cell phone; mobile phone ⇔ Hansestadt = Hanseatic town; Hanseatic city (hier zutreffend, da Hamburg Großstadt ist) ⇔ Hauptbahnhof = main station; main train station (hier präzise, da der Eisenbahnhof angesprochen wird) ⇔ Immobilienwirtschaft = real estate business; real estate industry ⇔ Kirche / Kirchen = church / churches ⇔ Kneipe (Schankwirtschaft) = pub (UK); public house (UK); saloon (US); tavern ⇔ Laden = shop (UK); store (US) ⇔ Lagerhausbezirk = warehouse district ⇔ Lagerhauskomplex = warehouse complex ⇔ Laufmeile (Lauflage; Konsumlage) = highly frequented location; shopping mile ⇔ Neugotik = Gothic revival ⇔ Operettenhaus = musical house ⇔ Rathaus = city hall; town hall (insbesondere bezogen auf Klein- und Mittelstädte) ⇔ Rotlichtbezirk = red-light district ⇔ Sehenswürdigkeit = place of interest ⇔ Speicherstadt = storage city; storage town – so die wörtliche Übersetzung; sinnvoll ist diese nur bedingt. Mit Blick auf die Funktion und Historie des Gebietes lautet eine gute Übersetzung "old warehouse district" ⇔ Stadtführer = city guide ⇔ Turm / Türme = tower / towers ⇔ Türmchen = turret (bezeichnet auch "Panzertürme") ⇔ Warenhaus = department store ⇔ Wien = Vienna