EfI-Englischkurs: Stadtprofil Würzburg (2)

Einführung

Ein vierter Tag mit Efi und Archi steht an, ihr zweiter in Würzburg. Bevor wir uns dem unternehmungslustigen Gespann anschließen, werfen wir einen Blick zurück auf Folge 3 (Stadtprofil Würzburg Nr. 1) bzw. die dort gestellte Frage nach dem Namen des Bürgermeisters, der sich im Bauernkrieg gegen die Obrigkeit erhob. – Es war Tilman Riemenschneider.

Im folgenden Text kursiv geschriebene Begriffe finden sich – wie gewohnt – am Seitenende übersetzt. Impressionen von Würzburg bietet eine Bildergalerie.

Stadtprofil Würzburg (2)

Der kühle Morgen empfing unsere Frühaufsteher mit fahlem Licht. "Während des Sommers wirkt alles viel schöner, ich weiß", neckte Efi angesichts Archis entschuldigender Miene. Er nickte. Sie schlenderten durch erwachende Straßen, über den Marktplatz, durch enge Gassen. Efi atmete hörbar aus, als ihr Blick vom Dom zur Festung wanderte. Zwischen diesen beiden Großbauwerken erhebt sich das Rathaus, der "Grafen Eckart" – ein Paradebau der Übergangszeit zwischen Romanik und Gotik. Davor lädt der 1766 nach Entwürfen von Lukas van der Auvera geschaffene Vierröhrenbrunnen zum Verweilen ein. Gespeist wird er aus den Schnauzen von vier Delphinen. Zu besonderen Anlässen, wie königlichen Gastspielen, soll den Figuren gerüchtehalber Wein entströmt sein.

Efi genoss, was sie sah. Und Archi gefiel, dass sie schön fand, was ihm gefiel. Sie lenkten ihre Schritte der "Alten Mainbrücke" zu. An deren Stelle entstand um 1120 vermutlich Deutschlands erste Steinbrücke. Während der zwei Jahrhunderte nach 1476 nahm die heutige Brücke Gestalt an. 1607 entstanden die acht gemauerten Bögen. Zwölf überlebensgroße Steinfiguren verleihen der 185 m langen Brücke ein besonderes Gepräge.

Efi sah den glitzernden Fluss hinab. Der "Alte Kranen" grüßte im nun brillanten Morgenlicht. Schlanke Schiffe glitten durch eine aus Kalkblöcken gemauerte Schleuse, weißsträhniges Wasser rauschte ein Wehr hinab. Über allem thronte die Festung. Efi und Archi gingen hinauf, gewaltigen Bastionen und Bollwerken entgegen. Der Bau der Festung begann um das Jahr 1200. Auf diese Zeit gehen u. a. der Burggraben und der Bergfried – der mächtige Zentralturm – zurück. Lange vorher, während der Hallstattzeit, befand sich Scherenbergzwingerhier eine keltische Fliehburg. Aus merowingischer Zeit stammt die Marienkirche, ein Rundbau und eines der ältesten Gebäude Deutschlands. Im 16. Jahrhundert wurde die mittelalterliche Festung in ein Renaissanceschloss umgewandelt. Aus dieser Epoche stammt das Brunnenhaus bzw. der Brunnentempel, der einen 105 Meter in den Fels getriebenen Tiefbrunnen birgt. Nach dem "Schwedensturm" unter König Gustav Adolf (1631) erhielt die Festung ihre barocke Anmutung (das Bild rechts zeigt den weithin bekannten Scherenbergzwinger).

Sich angeregt unterhaltend, atmeten Efi und Archi die kalte Winterluft. In ihrer Phantasie bevölkerte sich die historische Kulisse mit Menschen längst vergangener Zeitalter. Lange standen sie schweigend aneinander geschmiegt auf der stadtwärtigen Bastion. Efi erfühlte, weshalb Würzburg mit der "Goldenen Stadt", mit Prag, verglichen wird. Beide Städte kennzeichnet der Dreiklang von Burgbezirk, Fluss und Bürgerstadt. Hier wie dort verbindet eine figurengeschmückte Brücke beide Teilräume.

Irgendwann bemerkte Efi Archis traurige Miene. "Warum bläst du Trübsal angesichts dieses tollen Panoramas?", fragte sie leise. Er wies hinab auf die sonnenbeschienene Stadt und begann zu erzählen. Vom 16. März 1945. An diesem Tag löschte ein grauenhafter Luftangriff mit Spreng- und Brandbomben die Stadt nahezu aus. Im schaurigen Leuchten fallender "Christbäume" fielen 5.000 Menschen blankem Terror alliierter Geschwader zum Opfer, der sinnleeren Bombardierung einer Stadt, deren Lazarette und Krankenhäuser überquollen, die 10.000 Evakuierte beherbergte. Der Feuersturm zerstörte 90 % der Altstadt. Zeitweilig hieß man Würzburg das "Grab am Main". Die mehr als 2,5 Mio. Kubikmeter an Trümmern und Schutt waren erst Mitte der 1960er Jahre (fast) restlos geräumt. Nur dank einer schier unglaublichen Aufbauleistung erstrahlten viele historische Gebäude bzw. deren Nachbildungen in altem Glanz. Efi verstand: Archi sah, was für immer verloren gegangen war. Unvermittelt lächelte er. "Das dort ist der Kiliansdom", sagte er, hinabweisend in die Stadt, die seine war. Irgendwie. Eine geschändete Stadt. Auch von heutigen Stadtpolitikern, denen Efis Gefühl zufolge jeglicher städtebauliche Feinsinn abzugehen schien. Efi hatte stille Wut, mehr noch blankes Entsetzen in Archi erspürt, als er jüngste bauliche "Errungenschaften" wahrgenommen hatte. Sie empfand wie er angesichts einiger nachgerade ungeheuerlicher Bausünden.

Archi fragte wortlos, ob er vom Dom erzählen sollte. Efi nickte aufmunternd und so erfuhr sie, dass mit dem Bau der viertürmigen Kirche um 1040 begonnen wurde, dass sie Deutschlands viertgrößte romanische Kirche war. Ab 1500 hob die spätgotische Umgestaltung der Seitenschiffe an, 1701 begann die barocke Ausstuckierung. Nach dem Einsturz von 1946 – eine Folge der buchstäblich mörderischen Bombardierungen – wurde der Dom bis 1967 wieder aufgebaut; heute verbinden sich überwiegend romanische Elemente mit barocken und modernen. Die Maße beeindrucken: Die dreischiffige Pfeilerbasilika misst von der Vorhalle bis zur Apsis 105 Meter. Die Klais-Orgel gilt als größte Trompeteria landesweit.

Efi und Archi unternahmen noch dies und das an jenem Tag. Wir indes klinken uns hier aus. – Ach ja, das Rätsel wollen wir nicht vergessen. Hier ist es: Wie heißt der an Stelle der vormaligen östlichen Batteriestellung der Festung Marienberg angelegte Garten, dessen Ursprünge auf das frühe 16. Jahrhundert datieren?

Übersetzungen

Altstadt = old town; old part of town ⇔ Apsis = apse ⇔ Bastion = bastion ⇔ Bau (Vorgang) = construction ⇔ Bauernkrieg = peasants' war ⇔ Bausünde = architectural crime; architectural sin; crime against architecture ⇔ Bergfried = donjon, keep ⇔ Bollwerk (Wall, Umwallung) = rampart ⇔ Brandbombe = incendiary bomb; firebomb; fire bomb ⇔ Brunnenhaus = well house ⇔ Brunnentempel = well temple ⇔ Burgbezirk = castle district ⇔ Bürgermeister = city mayor; town mayor ⇔ Bürgerstadt (hier als Gegensatz zum Burgbezirk) = civilian town ⇔ Burggraben = moat ⇔ Christbäume (Leuchtbomben) = flares ⇔ Delphin / Delfin = dolphin ⇔ Dom = cathedral ⇔ Dreischiffig = three-nave; three nave ⇔ Festung = fortess ⇔ Feuersturm = firestorm; fire storm ⇔ Fliehburg = refuge ⇔ Fluss = river ⇔ Gasse = alley, lane ⇔ Gebäude = building ⇔ Gotik = Gothic; Gothic period ⇔ Hallstattzeit = Hallstatt era ⇔ Jahrhundert = century ⇔ Kiliansdom = St. Kilian's cathedral ⇔ Kirche = church ⇔ Krankenhaus = hospital ⇔ Lazarett (militärisch) = military hospital ⇔ Luftangriff = air attack; air campaign; air raid; air srtike ⇔ Marienkirche = Saint Mary's church; St Mary's church; St. Mary's church ⇔ Marktplatz = market place ⇔ Maße = dimensions ⇔ Mittelalterlich = medieval ⇔ Nachbildung = replica ⇔ Orgel = organ ⇔ Panorama = panorama ⇔ Rathaus = city hall; townhall; town hall ⇔ Renaissanceschloss = renaissance palace ⇔ Romanik = Romanesque period ⇔ Rundbau = circular building; rotunda; round building ⇔ Schleuse (Schiffsschleuse) = lock ⇔ Schutt (hier Bauwerks- bzw. Trümmerschutt)= debris; rubbel ⇔ Seitenschiff = aisle; side aisle ⇔ Sommer = summer ⇔ Spätgotisch = late Gothic ⇔ Straße = street (da hier eine reine Innerortsstraße) ⇔ Steinbrücke = stone bridge ⇔ Steinstatue = stone statue ⇔ Tiefbrunnen = deep well ⇔ Trümmer = debris; remains; rubble ⇔ Wehr (Wasserbau) = weir ⇔ Zentralturm = central tower