EfI-Englischkurs: Padua

Einführung

Efis Geburtstag stand an, somit auch der üblich gewordene Ausflug von ihr und Archi. Diesmal fuhr das Paar südwärts, in Gegenden die sich innerhalb weniger Stunden von zu Hause aus erreichen ließen. Bevor wir uns den beiden anschließen, sei die Abschlussfrage aus der letzten Kurzfolge beantwortet: Kaiser Rudolf II. kaufte Český Krumlov bzw. das damalige Böhmisch Krumau dem bis zum Stehkragen verschuldeten Stadtherrn aus dem Hause Rosenberg ab.

Übersetzungen im Bericht gesperrt wiedergegebener Wörter stehen – wie immer – am Seitenende. In den Text eingebundene Fotos nahm der Verfasser auf. Vielfältige Eindrücke von Padua bieten die in diesem Portal zu findende Bildergalerien »Stadtansichten«, »Stadtfacetten« und »Impressionen«. Tipp für Italienliebhaber: 2014 kamen Fotostrecken zu Treviso (Venetien) und Udine (Friaul) hinzu.

Padua

Padua – italienisch »Padova« – liegt am Bacciglione in der norditalienischen Region Venetien (Veneto). Die rund 210.000 Einwohner zählende Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Prato della Valle; Teilausschnitt mit Umgebungsbebauungbefindet sich etwa 40 km westlich von Venedig (ca. 250.000 Einwohner) und knapp 30 km südöstlich von Vicenza (ca. 115.000 Einwohner). Wenngleich sich der einer Sage nach vor rund 3.200 Jahren vom Trojaner Antenor gegründete Ort unter die ältesten Städte auf dem »Stiefel« einreiht und zu den landesweit ansehnlichsten gehört, war Padua Efi und Archi lediglich aus Geschichtsbüchern ein Begriff.

Efi gefiel Padua zunächst nicht sonderlich, weil sie schon eine Weile vor Überfahren der Stadtgrenze hungrig war, den modernen Außenbezirken wenig abgewann und sich anschließend am Rand der Altstadt nirgends eine Unterkunft fand, bei der man über Nacht parken konnte. Der bald in Sicht geratende Prato della Valle ließ sie erstmals staunen: Der neun Hektar einnehmende, im ausgehenden 18. Jahrhundert geschaffene Platz erschien ihr riesig. Tatsächlich hält der Prato – nach Moskaus Rotem Platz und dem Place de la Concorde in Paris – Rang 3 unter Europas größten Innenstadtplätze. Das Herzstück der elliptischen Anlage bildet ein Park, der über vier sanft gewölbte, den umlaufenden (auch mikroklimatisch wirksamen) Zierkanal überspannende Brücken erreichbar ist. Die zentrale Grünfläche fasst ein zweifacher Ring barocker Steinstatuen ein, die berühmte Bürger der Stadt darstellen (Bild 1: Ein perspektivischer Ausschnitt mit Umgebungsbebauung).

Nachdem Efi und Archi ein zweimal vorher übersehenes Hotel entdeckt und ein ansprechendes Zimmer bezogen hatten, machten sie sich auf in die Basilika Il Santokaum fünf Minuten Fußweg entfernte Altstadt. Unterwegs vergaß Efi sogar ihren Hunger: Von Arkaden gesäumte Gassen, kleine Geschäfte und Jasminduft stimmten sie neugierig. Den Verlockungen von Handtaschen-, Schuh- und Klamottenläden erlag sie nur dreimal. – Weil es in der »Einflugschneise« zur Piazza del Santo lediglich drei derartige Ladenlokale gab (und hoffentlich noch lange geben wird). Ein Blick ums Straßeneck beruhigte Archi: auf den nächsten hundert Metern waren keine weibliche Instinkte kitzelnden Verkaufseinrichtungen auszumachen. Was er bald erblickte, war Paduas bekannteste Sehenswürdigkeit: die Basilica di Sant’Antonio, vom Volksmund »Il Santo« genannt. Wie so viele christliche Tempel zieht die päpstlicherseits zum Internationalen Heiligtum erhobene Großkirche massenhaft Wallfahrer an, weil ein als heilig verehrter Mensch (eben Antonius) in ihr seine letzte Ruhestätte fand. Die Grundsteinlegung der Basilika erfolgte 1232, rund achtzig Jahre galten die wesentlichen Bauarbeiten dieses Mehrgenerationenprojekts als abgeschlossen. Das Äußere des hier und da an Istanbuls Hagia Sophia erinnernden Bauwerks stellt sich als Mixtur aus überwiegend romanischen, augenfälligen byzantinischen und gotischen Stilelementen dar. Das prachtvoll ausgestattete Innere der Basilika verdeutlicht den einstigen Reichtum der Stadt zweifach (Bild 2: Frontfassade der Basilica di Sant’Antonio).

Auf der Piazza del Santo, neben der Basilika, befindet sich ein Reiterstandbild von Donatello, das einem verschlagenen Kriegshandwerker und Gewaltherrscher gewidmet wurde, nämlich General Erasmo da Narni (Gattamelata). Bemerkenswert ist das 1453 – dem Jahr als Konstantinopel unterging – geschaffene Denkmal vor allem deshalb, weil es den ersten vollplastischen Bronzeguss nachantiker Zeit darstellt.

Efi und Archi schlenderten dem Prato della Valle entgegen und gönnten sich einen Espresso, bevor sie die Basilica di Santa Giustina besichtigten. Mit 122,5 m Länge ist Santa Giustina nicht nur die größte Renaissancekirche der Region Veneto, sondern eine der größten weltweit. Trotz imposanter Maße, mehrerer Heiligengräber und angehäufter Reliquien geht es in ihr gewöhnlich sehr viel ruhiger zu als im überlaufenen Il Santo.

Im Anschluss an die Kirchenbesichtigung besuchten die Reisenden den Mitte des 16. Jahrhunderts angelegten,Gebäudezeile in der Altstadt in Regen ankündigendem Licht. zum Welterbe erhobenen Orto Botanico di Padova; es handelt sich um Europas ältesten erhaltenen universitären Lehrgarten. Der anschließende Weg führte durch lückenlos von geschichsträchtigen Gebäuden eingefasste Laufmeilen, die, wie zahlreiche Gassen, vielfach von Arkaden gesäumt werden (Bild 3: Blick in eine Altstadtstraße; Licht und Wolken kündigten schweren Regen an).

Nach ausgiebigem Bummeln ließen sich Efi und Archi im Freiluftbereich eines Lokals unmittelbar neben dem Palazzo della Ragione – dem ehemaligen Justizpalast – nieder. Das in seinen Grundzügen zwischen 1172 und 1219 errichtete Bauwerk gilt als Paduas heimliches Wahrzeichen. Äußerlich besticht der auch »Salone« genannte Palast durch fein gegliederte Fassaden, die seine eindrucksvollen Maße eher verhüllen als offenbaren: nahezu 82 m Länge, 27 m Breite, 24 m Höhe. Die »Große Halle« (der Salone) im Obergeschoss besitzt angeblich Europas größte stützenfreie Dachkonstruktion. Ursprünglich gliederte sich der Oberstock des Palazzo in drei Säle und besaß drei Dächer, die im Jahr 1306 von der heute zu bewundernden Konstruktion abgelöst wurden. In den gewölbten Gängen des Erdgeschosses befindet sich kleine, dem Ladenhandwerk zuzuordnende Geschäfte (Bild 4: Ablichtung der zur Piazza della Frutta ausgerichteten Fassade des Palazzo della Ragione samt Marktständen). Das prächtige Gebäude ist mit dem Rathaus (Palazzo Moroni) verbunden. Einen besonderen Reiz bezieht der Palazzo aus seiner Lage: er wird zweiseitig von weitläufigen Plätzen eingefasst, nämlich Piazza delle Erbe und Piazza della Frutta,Palazzo della Ragione die über die nur etwa 50 m lange Corte San Clemente wiederum mit der Piazza dei Signori verknüpft ist. Diese Gesamtkonstellation veranschaulicht die maßgeblich von größeren und kleineren Plätzen geprägte Kultur des italienischen Städtebaus mustergültig.

Nachdem heftige Wolkenbrüche abgeklungen waren, gingen Efi und Archi gegen Mitternacht schlafen. Zeitig am nächsten Morgen kehrten sie zurück in Paduas Mitte. Ihr erstes Ziel: die bereits erwähnte Piazza dei Signori. An diesem abseits des Palazzo della Ragione gelegenen Platz residierten lange Zeit Paduas Fremdherrscher. Der aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammende Palazzo del Capitano mit seinem blickbeherrschenden Uhrenturm diente den Venezianern als Sitz, die Loggia del Consiglio bzw. Loggia della Gran Guardia den Österreichern. Nur einen Katzensprung entfernt, an der Piazza Duomo (Domplatz), erhebt sich die Basilica cattedrale di Santa Maria Assunta (Maria-Himmelfahrts-Kathdrale), die – nicht etwa Il Santo oder Santa Giustina – Paduas Bischofskirche ist. Zwischen 1515 und 1582 wurde der Dom nach Plänen Michelangelos umgebaut, heute tritt er uns (überwiegend) in einer stilistischen Mischung aus Renaissance und Barock entgegen. Ungewöhnlich: Die dreischiffige, von einem Tonnengwölbe überspannte Basilika ist gewestet, also entgegen der üblichen Ostung ausgerichtet.

Nachdem sich Efi vorläufig dagegen entschieden hatte, ihr erworbenes, hellfarbiges Doppeltaschenmodell auch in Schwarz zu erstehen, setzten sie und Archi ihre Erkundungen fort. Sie ließen sich treiben, spazierten kreuz und quer durch die Stadt. Zum 1831 in klassizistischem Stil erbauten, ägyptisch angehauchten Caffé Pedrocchi, weiter zur Cappella degli Scrovegni. Das auch »Arena-Kapelle« genannte, äußerlich unscheinbare Kleinod stufen Kunsthistoriker als Paduas bedeutendstes Gebäude ein. Der Grund verbirgt sich im Inneren: 1305 von Giotto vollendete Freskenzyklen. Der Innenraum ist nur über Luftschleusen zugänglich, die es gestatten, ein erhaltungsförderliches Mikroklima aufrechtzuerhalten. Paudas mutmaßlich ältestes Kirchenbauwerk ist übrigens Santa Sofia, deren Krypta auf das ausklingende 10. Jahrhundert zurückgeht; die Apsis stammt aus dem 12. Jahrhundert. Nach einem neuerlichen Abstecher zum Palazzo del Bò, der alten Universität, ließen sich Efi und Archi zum dritten Mal an diesem Tag in dem am Vortag zweimal aufgesuchten Lokal am Palazzo della Ragione nieder. Im Verlauf ihrer Exkursion hatten sie viel, sehr viel gesehen, darunter Teile der 11 km langen renaissancezeitlichen Stadtmauern Paduas. Archi schmunzelte: Efi hatte sich in Padua verguckt. Wie er. Die Stadt war allemal eine zweite Reise wert.

Für uns, für Sie und mich, ist es einmal mehr an der Zeit, Efi und Archi ihrer Zweisamkeit zu überlassen. Bevor auch wir uns voneinander verabschieden, gebe ich Ihnen, wie üblich, eine Abschlussfrage mit auf den Weg: Woher rührt der Name »Palazzo del Bo«. – Wir reden vom Universitätsgebäude, Sie erinnern sich? Und, weil (mich) Rätselspiele vergnügen, heute Rätselbildetwas Neues: Wo in Padua könnte Bild 5 (links) aufgenommen worden sein?

Übersetzungen

Apsis = apse ⇔ Altstadt = old town; old part of town; historic downtown (US); historic city / town center (US); historic city / town centre (UK) ⇔ Außenbezirke = outskirts ⇔ Barock = baroque; baroque period / era (Zeit) ⇔ Basilika = basilica ⇔ Bauarbeiten = construction work ⇔ Bauwerk = building; structure (konstruktiv) ⇔ Breite = width; breadth ⇔ Bronzeguss = bronze cast ⇔ Brücke = bridge ⇔ Byzantinisch = Byzantine ⇔ Dach = roof ⇔ Dachkonstruktion = roof structure ⇔ Denkmal = monument ⇔ Einwohner = inhabitant; citizen (rechtlich) ⇔ Erdgeschoss = first floor (US); ground floor (UK) ⇔ Fassade = facade; façade ⇔ Gasse = alley; lane ⇔ Gebäude = building ⇔ Geschäft (Laden) = shop (UK); store (US) ⇔ Gotisch = Gothic ⇔ Grundsteinlegung = groundbreaking (US); groundbreaking ceremony (sofern Feierlichkeit betont wird); laying of the foundation stone ⇔ Grünfläche = green ⇔ Hauptstadt = capital; capital city ⇔ Höhe = height ⇔ Innere (Innenraum) = interior ⇔ Internationales Heiligtum = international shrine ⇔ Jahrhundert = century ⇔ Justizpalast = Palace of Justice (oder Kleinschreibung, falls nicht als Eigenname verwendet) ⇔ Kapelle = chapel; oratory (im Sinne von »Gebetshaus«) ⇔ Katzensprung (bildhaft) = stone's throw; short hop ⇔ Klassizistischer Stil = neoclassical style; neo-classical styple ⇔ Konstruktion (gegenständlich) = structure ⇔ Krypta = crypt ⇔ Lage = location ⇔ Länge = length ⇔ Luftschleuse airlock; air lock ⇔ Maße (Abmessungen) = dimensions ⇔ Obergeschoss = upper floor (zu beachten: in den USA wird das Ergeschoss als 1. Stock gewertet) ⇔ Ostung = east alignment ⇔ Platz = square ⇔ Provinz = province ⇔ Rand = (hier) fringe ⇔ Rathaus = city hall; town hall (bei Klein- und Mittelstädten) ⇔ Reiterstandbild = equestrian statue ⇔ Romanisch = Romanesque ⇔ Saal = hall; (hier auch) saloon ⇔ Stadt = city (hier zutreffend, da Padua Großstadt ist); town ⇔ Stadtbild = cityscape (hier zutreffend); townscape ⇔ Stadtgrenze = city boundary; city limit (insbesondere US) ⇔ Städtebau = urban design; urban planning ⇔ Tonnengewölbe = barrel vault ⇔ Uhrenturm = clock tower ⇔ Universität = university ⇔ Unterkunft = accommodation ⇔ Wahrzeichen = landmark (building) ⇔ Zimmer = room; key (hotelsprachlich)