EfI-Englischkurs: Český Krumlov

Einführung

Wie einige vorangegangene Kursfolgen löst die heutige Reportage die zeitliche Abfolge von Efis und Archis Reisen auf. Der Berichterstatter entschloss sich zu einer erzählerischen Rückkehr in europäische Gefilde, um dem womöglich aufkommenden Eindruck der Einseitigkeit entgegenzuwirken, insofern acht der letzten neun Folgen um Städte und Stätten in Indien kreisten. Die Wahl des heutigen Ziels fiel nicht ganz zufällig auf Český Krumlov: Das schmucke Städtchen lässt sich nämlich rasch von Efis und Archis Wohnort aus erreichen. An einem Samstag brach das unternehmungslustige Paar bei strahlendem Sonnenschein dorthin auf. Während der Fahrt fiel Archi ein, dass die Antwort auf die im Bericht über Jaipur gestellte Wissensfrage aussteht: Der Seepalast heißt »Jal Mahal«.

Übersetzungen im Text kursiv geschriebener Wörter finden sich – wie stets – am Seitenende aufgeführt. In den Bericht Krumau: Panoramaeingearbeitete Bilder nahm der Verfasser auf. Weitere Ansichten von Český Krumlov bietet eine in diesem Portal präsentierte Fotostrecke.

Český Krumlov

Český Krumlov liegt im heutigen Tschechien, hier wiederum im südlichen Böhmen. Die Entfernung zur nördlich gelegenen Staatshauptstadt Tschechiens, Prag, beläuft sich auf 170 km, Oberösterreichs Landeshauptstadt, Linz, liegt 70 km südlich. Im Deutschen wird die rund 13.000 Einwohner zählende Stadt »Böhmisch Krumau« oder auch »Krumau an der Moldau« genannt. Der Name leitet sich vom mittelhochdeutschen »Crumbenouwe« ab, was »krumme Au« bedeutet. Tatsächlich liegt die an einer Furt entstandene Altstadt inmitten einer Flussschleife. Furten besaßen früher eine große strategische Bedeutung in Bezug auf die Kontrolle wichtiger Handelswege wie auch der territorialen Absicherung. Vor diesem Hintergrund verwundert es wenig, dass die Witigonen, ein böhmisches Adelsgeschlecht, während der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts auf einem Felsenvorsprung am Prallhang der Moldau eine Burg errichten ließen. Was Efi und Archi jedoch staunen ließ, war die Größe der nach und nach zum Schloss ausgebauten Anlage, die Krumlov: Altstadtgasse – nach dem Hradschin in Prag – das flächenbezogen größte historische Baudenkmal der Tschechischen Republik darstellt (oben rechts ein Panoramabild). Der Burg- bzw. Schlosskomplex setzt sich aus Unter- und Oberburg, fünf Innenhöfen, einem elf Hektar großen Garten und vierzig Einzelgebäuden zusammen. Diese Einzelheiten erfuhren Efi und Archi allerdings erst, nachdem sie Český Krumlovs Altstadtkern besichtigt hatten (links eine Gebäudezeile in der Altstadt).

Das alte Zentrum prägen Bauten der Gotik, der Renaissance und des Barock. Am Ort bestanden jedoch bereits zwei mittelalterliche Siedlungen, deren Ursprünge auf die Zeit vor dem Bau der Witigonen-Burg zurückreichten. Die eine Siedlungen – »Latrán« genannt – entstand auf der Burgseite, die zweite, später zum Mittelpunkt herangewachsene Ortschaft auf der gegenüberliegenden Flussseite. Der mittelalterliche Grundriss blieb Český Krumlov bis heute erhalten.

Kulturhistorisch wies die zeitweilig durch Handel und Silberbergbau zu Wohlstand gekommene Stadt über Jahrhunderte hin eine österreichische Prägung auf; so lag das Verhältnis von deutschsprachigen zu Tschechisch sprechenden EinwohnernKrumau: Renaissancegebäude noch gegen Ende des Ersten Weltkriegs bei etwa 6 : 1. Nicht zuletzt aufgrund dessen, dass der historische Kernbereich zur UNESCO-Welterbestätte erklärt wurde, lebt die beschauliche Kleinstadt maßgeblich vom Tourismus; das verrieten Efi unter anderem allgegenwärtige, überwiegend aus Fernost stammende Reisegruppe (rechts ein Foto renaissancezeitlicher Bauten).

Während ihres von wiederholten Ladenbesuchen unterbrochenen Altstadtbummels – Efi erlag einmal mehr ihrem Muss-unbedingt-gucken-Trieb – konnte das Paar an einigen Bauwerken eine Aufeinanderfolge verschiedener Architekturstile ablesen. Augenfällig werden Anpassung an jeweilige Moden beispielsweise an der Sankt-Veit-Kirche, die während der Gotik erbaut, ab 1725 jedoch entsprechend den Vorlieben des Barock umgestaltet wurde. Auch das aus einer Verbindung zweier gotischer Bürgerhäuser hervorgegangene Rathaus liefert ein Beispiel für eine spätere Adaption: es erhielt eine Renaissancefassade. Dort, am belebten Marktplatz, legten Efi und Archi eine Pause ein und gönnten sich ein Bier aus der Mitte des 16. Jahrhunderts am Ort gegründeten Brauerei. Anschließend machte sich das Paar auf den Weg zum Burgberg.

Der weithin sichtbare, das Stadtbild beherrschende Schlosskomplex wird seinerseits wesentlich von zwei Bauwerken geprägt: dem Bergfried und der Mantelbrücke. Efi empfand dieses Krumau: Mantelbrückean ein Aquädukt erinnernde, einen Felseneinschnitt überspannende Brückenbauwerk als äußerst ungewöhnlich: Die Basis bilden drei von Bögen gekennzeichnete Stockwerke; das oberste ist als offener Übergang ausgelegt, der vom Schloss zu den im Stil des Barock, teils auch des Rokoko angelegten Gärten führt. Darüber befinden sich drei umbaute, mit Fenstern versehene Etagen (siehe Bild 4, aufgenommen von der Altstadtseite).

Im Eingangsbereich der Burg, unter einer Brücke, machte Efi ein leicht zu übersehendes Detail aus: einen Bärenzwinger, dessen pelziger Bewohner taiwanesischen Touristen entzückte Ahs und Ohs entlockte. Im ersten Innenhof des Komplexes ging es ruhiger zu. Anschließend herrschten keuchende Geräusche vor – als es die vielen Stufen zur Spitze des Bergfrieds zu nehmen galt. Ein offener, unterhalb des krönenden Daches geschaffener Umlauf bietet großartige Aussichten über die Dachlandschaft der Altstadt. Der mächtige Turm fällt einerseits durch seine stattlichen Maße auf, andererseits durch seine farbenprächtige Ornamentierung und die mehrstufige Gestaltung seines oberen Abschlusses (einen Eindruck vermittelt Bild 1 im Vorspann dieses Berichts). Auch einige andere Bauwerke weisen kunstfertig verzierte, gestalterisch teils auf den Bergfried abgestimmte Fassaden auf (eine Detailansicht bietet Bild 5, links unten). Im fünften Schlosshof befindet sich eine Rarität der besonderen Art: ein barockes Theater mit funktionsfähiger Bühne.Krumau: Fassadendetails eines Burggebäudes

Abends besuchten Efi und Archi ein äußerlich unscheinbares, von Handwerkern und Händlern bevölkertes Lokal, um sich einen Happen einzuverleiben. Bald begann eine Gruppe, zu Musizieren, das Bier schmeckte, die Stimmung stieg. Wie so oft vorher, wenn Efi und Archi einen ereignisreichen Tag ausklingen ließen, ist es für uns Zeit, Abschied zu nehmen. Hier noch die gewohnte Abschlussfrage: Auf welchem Weg erlangte Kaiser Rudolf II. die Herrschaft über das damalige Krumau?

Übersetzungen

Aquädukt = aqueduct ⇔ Altstadt = old town; old part of town; historic downtown (US); historic town center (US); historic town centre (UK) ⇔ Altstadtkern = core of the old town ⇔ Architekturstil = architectural style ⇔ Au / Aue = floodplain; flood plain ⇔ Anlage (im Sinne eines baulichen Zusammenhangs) = complex ⇔ Aufeinanderfolge = succession ⇔ Bärenzwinger = bear-pit; bear pit ⇔ Barock (der /das) = baroque; baroque period ⇔ Bau (Vorgang) = construction ⇔ Baudenkmal = (hier) monument ⇔ Bauwerk = building; structure (konstruktiv) ⇔ Bergfried = keep; donjon (beide Übersetzungen sind unscharf, insofern keep und dojon einer Wohnnutzung unterlagen, der Bergfried hingegen als letzte Rückzugsinsel diente) ⇔ Böhmen = Bohemia ⇔ Brauerei = brewery ⇔ Brückenbauwerk = bridge structure ⇔ Burg = castle ⇔ Burgberg = castle hill (eher ein Hügel); castle mount (vergleichsweise selten verwendet, aber treffend); castle rock (bei Anlage auf felsigem Grund) ⇔ Bürgerhaus = burgher house ⇔ Dachlandschaft = roofscape ⇔ Eingangsbereich = entrance area; entry area ⇔ Einwohner = inhabitant; citizen (rechtlich) ⇔ Einzelgebäude = individual building ⇔ Entfernung = distance ⇔ Fassade = facade; façade ⇔ Felsenvorsprung (Felsenausläufer) = (rock) promontory ⇔ Fenster = window ⇔ Flussschleife = horseshoe bend (of a river / stream); river loop; meander ⇔ Furt = ford (eine seichte, gangbare Stelle in einem Fluss) ⇔ Gebäude = building ⇔ Gebäudezeile = row of buildings ⇔ Gotik = Gothic period (da die Epoche angesprochen ist) ⇔ Grundriss = (hier) layout ⇔ Handelsweg(e) = trade route(s); trade road(s) ⇔ Händler = merchant; retailer (Einzelhändler); salesman ⇔ Handwerker (Singular) = craftsman; handyman ⇔ Hektar = hectare ⇔ Hradschin = Hradčany (im Englischen wird die tschechische Schreibweise verwendet) ⇔ Innenhof = inner courtyard; internal courtyard ⇔ Jahrhundert = century ⇔ Kleinstadt = small town ⇔ Landeshauptstadt = state capital ⇔ Marktplatz = market place; market square ⇔ Maße (Abmessungen) = dimensions ⇔ Mittelalterlich = medieval ⇔ Prag = Prague (tschechisch »Praha«) ⇔ Prallhang = cut bank; river cliff; river-cut cliff ⇔ Rathaus = town hall ⇔ Renaissancefassade = Renaissance facade ⇔ Rokoko = rococo ⇔ Sankt-Veits-Kirche = Saint Vitus Church ⇔ Schloss = palace ⇔ Schlosshof = palace yard; palace courtyard ⇔ Siedlung = settlement ⇔ Staatshauptstadt (Hauptstadt eines souveränen Staates) = national capital; a country's capital (city) ⇔ Stadt = town (hier zutreffend, da eine Kleinstadt angesprochen ist); city ⇔ Stadtbild = townscape (hier zutreffend); view of a / the town; cityscape ⇔ Stockwerk = storey (UK); story (US); level; floor (hier nicht zu empfehlen) ⇔ Stufe = step ⇔ Tschechien = Czechia ⇔ Tschechische Republik = Czech Republic ⇔ Turm = tower ⇔ Übergang = passage ⇔ Ursprung / Ursprünge = origin(s); roots (Wurzeln) ⇔ Welterbestätte = World Heritage Site ⇔ Wohnort = place of residence ⇔  Ziel = (hier) destination