EfI-Englischkurs: Jaipurs Perlen

Einführung

Letztes Mal brachen Efi und Archi nach ihrem Besuch von Fatehpur Sikri auf nach Jaipur. Wenngleich Rajasthans Hauptstadt wenig mehr als 200 Kilometer von Fatehpur entfernt liegt, dauerte die Fahrt – eine Essenspause inbegriffen – nahezu fünf Stunden. Bevor wir uns dem Paar anschließen, hier die Antworten auf die Folge 30 abschließende Doppelfrage: Das Observatorium heißt »Jantar Mantar«. Drei weitere derartige Sternwarten bestehen in Delhi, Varanasi (ehemals Benares) und Ujjain; eine fünfte lag einst in Mathura.

Der mittlerweile 31. Bericht über Efis und Archis Ausflüge und Reisen bringt eine kleinere Neuerung mit sich: Ab sofort werden auch ausgewählte Begriffe abseits des Immoblienthemas übersetzt.

Die Übersetzungen im Bericht kursiv geschriebener Begriffe finden sich – wie gewohnt – am Seitenfuß aufgelistet. Eingebundene Fotos stammen vom Reporter. Zu Jaipur bietet der Immobilien-Kosmos drei Bildergalerien, nämlich zu Jantar Mantar, dem Palast der Winde sowie dem Amer Fort.

Jaipurs Juwelen

Unterwegs bekam Efi Hunger. Ihr Fahrer, Vishnu, schlug ein auf Touristen eingestelltes Speiselokal vor, Hawa Mahal: Fassadenausschnittdoch einmal mehr entschied sich Archi für eine von einheimischen Fernfahrern besuchte Gaststätte. Zwei Stunden später fuhren die Reisenden durch eines der fünf zu Nadelöhren gewordenen Stadttore in Jaipurs Altstadt.

Das heute über drei Millionen Einwohner zählende Jaipur gehört zum Kreis neuzeitlicher Planstädte. Gegründet wurde das inmitten einer Halbwüste gelegene Wirtschaftszentrum erst im Jahr 1727 von Maharaja Sawai Jai Singh II (1688 – 1743). Damals verlegte der im zarten Alter von elf Jahren auf den Thron gelangte Rajputenprinz seinen Sitz vom inzwischen eingemeindeten Ort Amer – im Deutschen zumeist mit »Amber« wiedergegeben – hierher. Die Verlagerung beruhte vor allem auf der Absicht, eine erstrangigen Mogul-Städten vergleichbare Metropole zu schaffen, was im gebirgigen Amer unmöglich gewesen wäre. Die ehrgeizige Planung des Herrschers drückt sich in Jaipurs großzügiger Anlage aus. Das Straßennetz prägen 34 m breite Hauptachsen sowie 17 m breiten Straßenzügen zweiter Ordnung, die zusammen zehn Stadtviertel definieren; seinerzeit als revolutionär war der gewählte Schachbrettgrundriss zu bezeichnen. Dank Jai Singhs zukunftsweisender Stadtplanung fließt der Verkehr in Jaipur zwar geordneter als in anderen Großstädten Rajasthans, doch erschien Efi das Gewimmel ähnlich chaotisch wie in Delhi.

Nach einem Abstecher in einen der Basare machten sich Efi und Archi auf zu Jaipurs bekanntester Sehenswürdigkeit, dem Hawa Mahal. Hawa Mahal: InnenhoffassadeDer »Palast der Winde« liegt im Altstadtviertel, dessen einst rosafarbene, heute vielfach eher rötlich-braun anmutende Gebäude Jaipur den Beinamen »Pink City« eintrugen. Die Gastfreundlichkeit ausdrückende Farbgebung stand in Zusammenhang mit einem 1876 erfolgten Besuch des britischen Thronfolgers.

Der 1799 unter Maharaja Sawai Pratap Singh aus Sandstein errichtete Hawa Mahal ist Teil eines größeren Palastkomplexes (links oben ein Fassadenausschnitt). Von außen betrachtet wirkt das fünfgeschossige Repräsentationsgebäude weit größer, als es ist. Das hinter seiner Gestaltung stehende Leitmotiv lässt sich auf einen kurzen Nenner bringen: Mehr Schein als Sein. Tatsächlich verbirgt sich hinter der Schaufassade, deren Form wohl auf die Krone der hinduistischen Gottheit Krishna anspielt, ein Palästchen. Die Fassade hat es freilich in sich. Insgesamt besitzt sie 953 Fenster und Fensterchen, die mehrheitlich kunstvolle Steingitter füllen. Die auf eine Durchgangsstraße ausgerichteten Öffnungen gestatteten es den Haremsdamen, das Geschehen außerhalb ihres goldenen Käfigs ungesehen zu beobachten, zum Innenhof orientierte Fenster Jantar Mantar: Teilpanoramaließen sie mittelbar an dort stattfindenden Ereignissen teilhaben (rechts oben ein Bild der Innenhoffassade). Seinen Namen erhielt der Palast aufgrund einer Besonderheit: die bauliche Gestaltung sorgt für eine konstante Belüftung bzw. eine stete Brise in den höchstens acht Meter tiefen Innenräumen. Trotz dieses Vorzugs und einer ansprechenden Innenarchitektur schauderte Efi bei der Vorstellung an das Leben der einstigen Bewohnerinnen, für die dieses Gebäude im Grunde ein Gefängnis war.

Nach der Besichtigung des Hawa Mahal genehmigten sich Efi und Archi einen Becher Tee an einem umlagerten Straßenstand. Anschließend besuchten sie Jantar Mantar, eine hypermodern wirkende Sternwarte, mit deren Bau unmittelbar nach Jaipurs Gründung begonnen wurde (links ein Teilpanorama der Anlage). Wer die Zweckbestimmung des Komplexes nicht kennt, könnte ihn beim ersten Hinsehen für ein Freilichtmuseum für eigenwillige Skulpturen oder einen futuristischen Spielplatz halten. Mit 27 m Höhe stellt die Sonnenuhr bzw. der Sonnenhöhenanzeiger (Samrat Yantra) das Jantar Mantar: Sonnenuhrauffälligste Bauwerk auf dem Gelände dar (siehe nächstes Bild rechts). Das von einem zierlichen Pavillon gekrönte Instrument lässt Zeitbestimmungen zu, die lediglich um ein bis zwei Sekunden vom tatsächlichen Wert abweichen. Im Jahr 2010 nahm die UNESCO Jantar Mantar in die Liste der Welterbestätten auf.

Nach einem Essen in einem abseits der touristischen »Trampelpfade« gelegenen Stadtviertel kehrten Efi und Archi in die Altstadt zurück, um die Fassade des Hawa Mahal in ihrer nächtlichen Illuminierung zu bewundern. Als sich die Reisenden später auf der Dachterrasse ihrer Unterkunft niederließen, um den Tag bei einem Bier ausklingen zu lassen, stiegen Feuerwerksraketen über Jaipurs Stadtlandschaft auf. Dichte und Dauer der Lichtspiele verrieten Efi und Archi, wo wohlhabende, wo weniger begüterte Paare Hochzeit feierten.

Am folgenden Morgen besuchten Efi und Archi das auf einer Bergzunge über dem Maotasee thronende Amer Fort. Der alte Herrschersitz wird auch »Amber Fort« genannt, hieß ursprünglich jedoch »Amer Palace«, da die Residenzfunktion, weniger der Festungscharakter im Vordergrund stand.

Als die Schlossfestung in Efis Sichtweite geriet, stach ihr sofort ein Unterschied zu den während der Vortage besuchten Mogulpalästen ins Auge: Die Bollwerke der Festung schimmerten sandfarben, nicht rot (siehe Bild links unten).

Am Fuß der Palastfestung, die zu Rajasthans beliebtesten Touristenzielen zählt, standen Besucher aus aller Welt Schlange. Von hier aus ging es auf einem Elefantenrücken hinauf zu der gewaltigen Anlage. Der wiegende Schritt Amer Fort: Panoramades Dickhäuters übertrug sich in ein Schaukeln, das Efi zunächst unruhig stimmte, bald jedoch vergnügte (einen Eindruck von der schier unaufhörlichen »Elefanten-Prozession« vermittelt die rechts unten eingefügte Aufnahme).

Der befestigte Schloss gliedert sich in vier Abschnitte, die jeweils einen großzügig bemessenen Innenhof besitzen. Den Haupteingang bildet das Suraj Pol, das Sonnentor; es führt in den untersten Innenhof, den Jaleb Chowk. Über einen steilen Treppenaufgang, an dessen Kopf der Shila Devi Tempel steht, gelangten Efi und Archi in den Kernbereich der aus mehreren Ebenen bestehenden Anlage. Der in einer Mischung aus hinduistischen und muslimischen Stilelementen errichtete Komplex beinhaltet für Rajasthans Palastfestungen typische Einzelbauwerke und Einrichtungen, darunter einen Frauentrakt bzw. die Frauengemächer. Zu den besonders auffälligen Bauwerken zählt die öffentliche Audienzhalle (Diwan-i-am) mit ihren herrlichen Säulenreihen; sie übertraf einst sogar entsprechende Gegenstücke prunkverliebter Mogulkaiser an Pracht. Als herausragend sind zudem das reich verzierte Ganesha Pol – der Zugang zu den Privatbereichen der Maharajas – Amer Fort: Elefanten-Kolonneund der Spiegelsaal im Sheesh Mahal zu bezeichnen (das im Übersetzungsbereich eingepasste Bild zeigt das Ganesha Pol).

Hinter dem Amer Fort erhebt sich eine rund 400 m höher gelegene, zu seinem Schutz errichtete Festung, das Jaigarh Fort; beide Komplexe sind über unterirdische Gänge miteinander verbunden. Mit dem Nahargarh Fort besteht im Nahbereich eine dritte Festung, die einen Panoramablick auf Jaipur bietet.

Als Efi und Archi nach mehrstündiger Besichtigung an dem mit ihrem Fahrer verabredeten Treffpunkt eintrafen, war der gute Mann nirgends zu sehen. Wie sich nach seinem Auftauchen erwies, hatte er die Zeit genutzt, um ein hinsichtlich seiner Dauer an Erfahrungswerten ausgerichtetes Nickerchen zu halten. – Offenbar besichtigten Efi und Archi allerdings etwas schneller als seine früheren Fahrgäste.

Auf der anschließenden Rückfahrt zum Hotel hielt das Dreigespann an einem Seeufer an, um einen in der Ferne leuchtenden Palast zu betrachten. Das See ist künstlichen Ursprungs; er entstand im Gefolge einer auf Wasserknappheit beruhenden, 1596 ausgebrochenen Hungersnot. Ist der geschaffene Stausee während der Monsunzeit gefüllt, stehen vier der fünf Stockwerke des Palastes unter Wasser. Da wir Efi und Archi höflichkeitshalber nicht rund um die Uhr über die Schulter sehen sollten, nutzt der Reporter den Halt am See, um die übliche Wissensfrage zu stellen: Wie heißt das inmitten des Sees gelegene Bauwerk?

Übersetzungen

Abschnitt = section ⇔ Abstecher = detour; side trip ⇔ Altstadt = historic city center (US); historic city centre (UK); old downtown (US); town; old part of town; ⇔ Altstadtviertel = old city district; old town district ⇔ Anlage (im Sinne eines Grundrisses) = (hier) layout ⇔ Anlage (im Sinne eines baulichen Zusammenhangs) = complex ⇔ Ausflug = trip ⇔ Amer Fort: Ganesha PolBasar = bazaar ⇔ Bau (Vorgang) = construction ⇔ Bauwerk = building; structure (konstruktiv) ⇔ Befestigt (wehrhaft) = fortified ⇔ Belüftung = ventilation ⇔ Bergzunge = (hier) promontory ⇔ Dachterrasse = roof terrace; rooftop terrace ⇔ Durchgangsstraße = thoroughfare ⇔ Brise = breeze ⇔ Ebene = level (da Höhenstufen angesprochen sind) ⇔ Eingemeindet = incorporated ⇔ Einwohner = inhabitant; citizen (rechtlich) ⇔ Einzelbauwerk = individual building ⇔ Fassade = facade; façade ⇔ Fenster = window ⇔ Festung = fortress; stronghold ⇔ Frauentrakt / Frauengemächer = women's quarters; zenana ⇔ Freilichtmuseum = open-air museum; outoor museum ⇔ Gebäude = building ⇔ Gebirgig = mountainous ⇔ Gefängnis = prison ⇔ Gelände = grounds; compound; site ⇔ Großstadt = city (UK); big city; large city; major city ⇔ Gründung (einer Stadt usw.) = founding ⇔ Halbwüste = semi-desert ⇔ Hauptachse = main axis (Plural = axes) ⇔ Haupteingang = main entrance ⇔ Hauptstadt = capital (city) ⇔ Hauptstraße = main street; main road (hier möglich, da sich der Hawa Mahal an einer Durchgangsstraße mit überörtlicher Bedeutung erhebt) ⇔ Hungersnot = famine ⇔ Innenarchitektur = interior design ⇔ Innenhof = inner courtyard; internal courtyard ⇔ Kernbereich = core area (bildhaft auch »heart«) ⇔ Metropole = metropolis ⇔ Mischung = blend (da es sich um eine Verschmelzung beider Stilrichtungen handelt); mix (ebenfalls richtig, jedoch weniger aussagekräftig) ⇔ Monsunzeit = monsoon period; monsoon season ⇔ Nadelöhr = (hier) bottle neck ⇔ Nahbereich = vicinity ⇔ Öffentliche Audienzhalle = hall of public audience (verbreitet auch Großschreibung); public audience hall ⇔ Palast der Winde = Palace of Winds (Großschreibung, da Eigenname); Palace of the Breeze (eine zweite geläufige Bezeichnung des Hawa Mahal) ⇔ Palastfestung = palace fortress ⇔ Pavillon = pavilion ⇔ Planstadt = master planned city (angesichts der Reißbrettplanung die beste Übersetzung); planned city ⇔ Reise = journey; voyage; tour; trip (Kurzreise) ⇔ Reisender = traveler (US); traveller (UK) ⇔ Repräsentationsgebäude = representative building ⇔ Sandstein = sandstone ⇔ Säulenreihe = row of columns; colonnade (aufgrund der gangartigen Anmutung hier ebenfalls möglich) ⇔ Schachbrettgrundriss = grid plan; gridiron pattern; gridiron layout ⇔ Schaufassade = decorative facade; decorative front ⇔ Schlossfestung = palace fortress ⇔ Seeufer = lakeside ⇔ Sehenswürdigkeit = sight; place of interest; landmark (hier ebenfalls treffend, da ein Bauwerk mit Landmarkencharakter angesprochen ist) ⇔ Sichtweite = eyeshot; range of vision; sight; visible range; visual range ⇔ Skulptur = sculpture ⇔ Sonnentor = Sun Gate (Eigenname) ⇔ Speiselokal = restaurant ⇔ Spiegelsaal = hall of mirrors ⇔ Spielplatz = playground; playpark; play area ⇔ Stadt = city (hier angesichts der einstigen Ortsbedeutung angemessen); town ⇔ Stadtlandschaft = cityscape; townscape (bei kleineren Städten) ⇔ Stadtplanung = city planning; town planning (bei Klein- und Mittelstädten); urban planning (allgemein) ⇔ Stadtviertel = city district; town district, urban district (allgemein); urban quarter (allgemein) ⇔ Stausee = reservoir ⇔ Sternwarte = observatory; astronomical observatory ⇔ Stockwerk = storey (UK); story (US); floor; level ⇔ Straßennetz = (hier) street network; road network (bei überörtlichem Bezug) ⇔ Straßenstand = kerbside stand; roadside stand; streetside stand ⇔ Thron = throne ⇔ Touristenziel = tourist destination ⇔ Treppenaufgang = stairway ⇔ Unterirdischer Gang = subterranean passageway ⇔ Unterkunft = accommodation ⇔ Verkehr = (hier) traffic ⇔ Verlagerung = relocation ⇔ Verziert = decoradte; embellished (geschmückt) ⇔ Wasserknappheit = water shortage; water scarcity ⇔Welterbestätte = World Heritage Site ⇔ Wirtschaftszentrum = economic center (US); economic centre (UK); commercial center (US); commercial centre (UK); economic hub (im Sinne einer wirtschaftlichen Schnittstelle bzw. eines Schwerpunktstandortes)