EfI-Englischkurs: Fatehpur Sikri

Einführung

Heute begleiten wir Efi und Archi zu einer weiteren, lediglich rund 40 km entfernt von Agra gelegenen Welterbestätte. Archi merkte Efi an, dass sie noch unter etwas litt, das gemeinhin als »Kulturschock« bezeichnet wird. Insofern erwies sich das erste Tagesziel als gute Wahl, denn dort geht es seit Jahrhunderten vergleichsweise Buland Darzawaruhig zu. Dazu später mehr. Zunächst gilt es, die abschließende Frage des letzten Berichts über das Rote Fort in Agra zu beantworten: Der berühmte Diamant heißt Koh-i-noor.

Übersetzungen im Text kursiv wiedergegebener Begriffe sind – wie immer – am Seitenende zu finden. Die eingearbeiteten Bilder nahm der Erzähler auf. Eine Fotostrecke zu Fatehpur Sikri rundet diesen Bericht ab.

Fatehpur Sikri – Akbars Geisterstadt

Nach einem schmackhaften Frühstück, das aus warmen Speisen bestanden hatte, brachen Efi und Archi auf; Vishnu, ihr zuverlässiger Fahrer, erwartete sie bereits.

Fatehpur Sikri ist eine beschauliche Kleinstadt mit etwa 30.000 Einwohnern. Die Stadt ist – wie viele andere indische Städte – jung; gegründet wurde sie 1569 von Akbar, dem in religiösen Angelegenheiten ungewöhnlich toleranten Mogulkaiser, dessen Grabmal Efi und Archi vor ihrer Fahrt zum Taj Mahal in Sikandra besucht hatten. Im Jahr 1571 erhob der Herrscher diesen seinerzeit bedeutungslosen, unweit des Dorfes Sikri gelegenen Ort zur Reichshauptstadt.

Schon von Ferne zog der aus rotem Sandstein errichtete Buland Darwaza Efis und Archis Blicke an (siehe Bild 1, rechts). Die Front dieses gewaltigen Bauwerks weist eine zentrale Bogenstruktur auf, die an eine halbierte Spitzkuppel erinnert. Zu dem 54 m aufragenden Monumentaltor führt eine steile Treppe hinauf, die kletterfreudigen Ziegen als Spielwiese dient. Der Buland Darwaza Grabmal des Chishtizählt bis heute zu den höchsten Torbauten weltweit. Der Bau dieses auch als »Siegesbogen« bezeichneten Blickfangs begann um 1576 zum Gedenken an einen erfolgreichen Feldzug Akbars. Im Hauptbogen befinden sich drei torartige Öffnungen, die als Eingänge zu einer bereits vor dem Bau des Buland Darwaza vollendeten Moschee dienen. Efi empfand den Übergang zwischen diesem massigen Giganten und dem menschlichen Maßstab der Moschee als faszinierend. Deren aus dem Arabischen stammende Bezeichnung »Jama Masjid« bedeutet an sich »Versammlungsmoschee«, wird in deutschen Texten jedoch zumeist mit »Freitagsmoschee« übersetzt; der Name bezieht sich gewöhnlich auf die Hauptmoschee einer Stadt oder Dorfgemeinde. Nach dem turbulenten Auftakt ihrer Indienreise behagte Efi die in der nahezu menschenleeren Anlage herrschende Stille. Innerhalb ihrer Mauern fanden zahlreiche Adlige und Würdenträger ihre letzte Ruhestätte. Besonders auffällig ist die in weißem Marmor ausgeführte, im Hof der Moschee gelegene Grabstätte von Salim Chishti (siehe Bild 2, links). Im Inneren dieses eingeschossigen Bauwerks finden sich sehenswerte Mosaike aus Perlmutt.

Von der Moschee schlenderten Efi und Archi, von Kindern umschwärmt, zur nahen Palastanlage, die als eigenständige Stadt geplant war. Ihr bauliches Konzept lässt – wie jenes der Moschee – persische Einflüsse erkennen. Diese Besonderheit erklärt sich aus Akbars Absicht, an die timuridische Abkunft seines Großvaters, Babur, anzuknüpfen. Die Anordnung der Gebäude erinnert hingegen an jene arabischer Feldlager, die Verzierungen Fatehpur Sikri: Diwan-i-khaswiederum entsprechen hinduistischen Traditionen; im Detail pausen sich damals in den Herkunftsregionen der Steinmetze beliebte Stile durch.

Als Standort der kaiserlichen Planstadt wurde ein ca. drei Quadratkilometer großes Areal auf einem Höhenrücken gewählt. Die Stadt wird dreiseitig von insgesamt sechs Kilometer langen Mauern eingefasst, die vierte Seite öffnet sich in Richtung eines künstlich angelegten, mittlerweile weitgehend trockengefallenen Sees. Die mit Türmen besetzten, von mehreren Toren durchbrochenen Mauern wirken wie Befestigungen, dienten jedoch eher optischen bzw. raumdefinierenden als militärischen Zwecken.

Fatehpur Sikri wirkt relativ klein, übertraf 1585 jedoch London an Ausdehnung und Einwohnerzahl. Die Stadt umfasst eine große Anzahl von Palästen, öffentlichen Gebäuden sowie Wohnstätten des Hofstaates, der Armeeangehörigen, Bediensteten und – zumeist vergessen – der einfachen Bevölkerung. Besonders entzückte Efi die private Audienzhalle des Kaisers, der Diwan-i-khas (Bild 3, rechts oben). Ausnehmend gut gefiel Efi zudem der Panch Mahal, ein fünf Stockwerke hoch aufragender Prunkbau, dessen drei obere Geschosse jeweils hinter das untere zurückspringen (vergleiche Bild 4, links). Die oberste Etage besteht lediglich aus einem krönenden, für die Mogularchitektur typischen Pavillon. Jeder der 176 tragenden Pfeiler des Panch Mahal ist einzigartig gestaltet. Ungewöhnlich für einen Fatehpur Sikri: Panch MahalPalast erscheint die vergleichsweise geringe Deckenhöhe bzw. lichte Höhe.

Irgendwann setzten sich Efi und Archi auf eine steinerne Bank, um die baulichen Ensemble in aller Ruhe auf sich wirken zu lassen. Mit etwas Fantasie ließen sich die Hallen und Plätze in die Vergangenheit zurückversetzen. Vor Efis innerem Augen sah sie mit Teppichen ausgelegte Räume, im Wind spielende Vorhänge, blühende Gärten und die einstigen Bewohner der seit langer Zeit verlassenen Stadt (ein Teilpanorama bietet Bild 5, unten rechts).

Schließlich standen Efi und Archi auf, um noch ungesehene Bereiche Fatehpur Sikris zu erkunden. Nebenbei erzählte Archi aus der Geschichte  der Mogul-Dynastie. Ihm kam unter anderem eine Anekdote in den Sinn: Akbar setzte unter viele Staatsdokumente die Wörter »Allahu Akbar«. Das bedeutet »Gott ist groß«, kann aber auch als »Akbar ist Gott« interpretiert werden. Nun, kleinlich dachte der dritte Mogulkaiser nie. Er bewies gewöhnlich Weitblick und ein gutes Auge für den Sinn oder Unsinn dieses oder jenes Ansatzes. In Bezug auf Fatehpur Sikris Lage griff der hohe Herr allerdings gründlich daneben: Strategische Notwendigkeiten verlangten nämlich nach einem Regierungssitz im Norden. Das sah Akbar sehr bald ein und handelte entsprechend: 1586, kaum mehr als ein Jahrzehnt nach dem Baubeginn in seiner neuen Hauptstadt, erhob er das im Punjab gelegene Lahore zum Reichsmittelpunkt.

Nach erlebnisreichen Stunden brachen Efi und Archi in Richtung Jaipur auf. Rajathans Hauptstadt empfing Efi mit ihren gewohnten Trubel; mit der Beschaulichkeit war es vorerst vorbei. Was die beiden Reisenden in Jaipur erlebten, wird ein anderer Bericht erzählen. Für uns, für Sie und mich, ist es Zeit, uns der üblichen Abschlussfrage zuzuwenden. Hier ist sie, heute in Form einer Doppelfrage: 1. Wie heißen fünf historische Sternwarten, von denen sich die größte in Jaipur befindet. 2. Wo liegen bzw. lagen (eine besteht nicht mehr) die anderen vier?

Übersetzungen

Anlage = complex (hier angemessen, da es sich um eine von zahlreichen Bauwerken und Gärten gebildete Anlage handelt) ⇔ Audienzhalle = hall of audience ⇔ Ausdehnung (hier) size (Größe); area (Fläche) ⇔ Bank (Sitzbank) = bench ⇔ Bau (Vorgang) = construction ⇔ Baubeginn = commencement of construction; start of construction ⇔ Bauwerk = building; structure (konstruktiv) ⇔ Befestigung(en) = fortification(s) ⇔ Blickfang = eyecatcher; eye catcher ⇔ Bogenstruktur = arch structure ⇔ Bevölkerung = population ⇔ Deckenhöhe = ceiling height; clear height (Fatehpur Sikri: Teilpanoramalichte Höhe) ⇔ Dorf = village ⇔ Eingang = entrance ⇔ Eingeschossig = single-storey (UK); single-story (US) ⇔ Einwohner = inhabitant; citizen (rechtlich) ⇔ Einwohnerzahl = population; number of inhabitants ⇔ Fassade = facade; façade ⇔ Feldlager = encampment ⇔ Freitagsmoschee = Friday Mosque (Großschreibung, da im Sinne eines Eigennamens zu verstehen) ⇔ Gebäude = building ⇔ Geisterstadt = ghost town ⇔ Geschoss (Etage) = storey (UK); story (US); floor ⇔ Grabmal = mausoleum (hier angemessen, da es sich um ein Großgrab handelt); tomb ⇔ Grabstätte = tomb ⇔ Halle = hall ⇔ Hauptmoschee = main mosque ⇔ Hauptstadt = capital (city) ⇔ Hof = (hier) courtyard ⇔ Höhenrücken = ridge ⇔ Läufer (kleiner, länglicher Teppich) = rug ⇔ Lichte Höhe = clear height; clearance; headroom ⇔ Jahrhundert = century ⇔ Jahrzehnt = decade ⇔ Inneres = (hier) interior ⇔ Kleinstadt = small town ⇔ Letzte Ruhestätte = final resting place ⇔ Mauer = wall ⇔ Marmor = marble ⇔ Mogularchitektur = Mughal architecture ⇔ Monumentaltor = giant gate; monumental gate ⇔ Mosaik = mosaic ⇔ Moschee = mosque ⇔ Öffnung = openning ⇔ Palast = palace ⇔ Pavillon = pavilion ⇔ Persisch = Persian ⇔ Perlmutt = nacre; mother of pearl ⇔ Pfeiler = pillar ⇔ Planstadt = master planned city (hier aufgrund der Reißbrettplanung die beste Übersetzung); planned city ⇔ Platz = square; place ⇔ Prunkbau(werk) = magnificent building; pompous building (abfällig) ⇔ Quadratkilometer = square kilometer (US); square kilometre (UK) ⇔ Reichshauptstadt = capital of the Empire; imperial capital (da ein Kaiserreich) ⇔ Sandstein = sandstone ⇔ See = lake ⇔ Siegesbogen = victory arch ⇔ Spitzkuppel = pointed dome ⇔ Stadt = city (hier angesichts der einstigen Ortsbedeutung angemessen); town ⇔ Standort = location ⇔ Steinmetz = stonemason; stonecarver ⇔ Stockwerk = storey (UK); story (US); floor ⇔ Teppich = carpet ⇔ Tor = gate; gateway ⇔ Torbau(werk) = gate structure; gateway building ⇔ Treppe = stairs ⇔ Turm = tower ⇔ Versammlungsmoschee = Mosque of Assembly (Großschreibung, da Eigenname) ⇔ Vorhang = curtain ⇔ Verzierungen(en) embellishment(s); decoration(s) ⇔ Welterbestätte = World Heritage Site ⇔ Wohnstätte = dwelling; habitation; residence