EfI-Englischkurs: Stadtprofil Würzburg (1)

Einführung

Heute begleiten wir Efi und Archi zum dritten Mal. Bevor wir mit ihnen aufbrechen, sei das Rätsel aus Folge 2 (Verkehrswege) aufgelöst. Gefragt war nach dem Übernachtungsort der Reisenden. Es war Rothenburg ob der Tauber, einst freie Reichsstadt, heute verwaltungstechnisch "Große Kreisstadt", tatsächlich jedoch eine Kleinstadt mit rund 11.200 Einwohnern. Sie liegt im mittelfränkischen Landkreis Ansbach.

Wie der Seitenkopf verrät, geht es diesmal nach Würzburg. Der Leser möge unseren Reisenden nachsehen, dass sie eine womöglich anstrengende Kultur-Tour unternehmen und es architektonische und geschichtliche Details hagelt. Der Grund mag darin liegen, dass Archi gebürtiger Würzburger ist, die etwa 130.000 Einwohner zählende Stadt in- und auswendig kennt, und Efi jeden ansehnlichen Winkel der unterfränkischen Monopolstadt zeigen will. Doch seien Sie unbesorgt, die beiden nehmen sich anderthalb Tage Zeit für die Stadt. Somit widmen wir diesem Ausflug mehrere Kursfolgen, machen aus eineinhalb ereignisreichen Tage erzählerisch einfach drei. Viel Spaß und erfahrungsreiche Stunden in Würzburg wünscht der Reporter.

Für neue Leser ein Hinweis: Kursiv geschriebene Begriffe finden sich am Seitenende übersetzt. Zusätzliches Bildmaterial zu Würzburg bieten eine Bildergalerie.

Stadtprofil Würzburg (1)

Zeitig am Morgen verließen Efi und Archi Rothenburg. Archi wirkte ständig aufgedrehter, je näher sie seinen heimatlichen Gefilden kamen. Tatsächlich fieberte Archi. Auch deshalb, weil er seiner Heimatstadt lange fern gewesen war und neuerliche bauliche Sündenfälle der Stadtoberen erahnte. Fröstelnd dachte er an ein dem Stadtrat schmackhaft gemachtes Einkaufszentrum. Eine Bürgerinitiative brachte (vorläufig) zu Fall, was die Innenstadt dauerhaft schädigen, ihr die Lebendigkeit rauben würde. Archi kannte hinreichend Beispiele verfehlter Zentrenplanung.Festung Marienberg Efi auch. Ihre Luftmuster webende Geste holte ihn ins Hier und Jetzt zurück. Eine Großwohnsiedlung, die Efi als architektonische Verirrung betrachtete, tauchte voraus auf und verlor sich hinter ihnen. Dann offenbarte die alte Stadt erste schöne Ansichten. Eine Festung geriet in Sicht. Sie thront auf dem Marienberg, wie Efi umgehend erfuhr (siehe Bild rechts).

Die nördlichen Hänge des Talkessels wie die Flanken des Festungsberges beherrschten Weinberge. – Leider winterlich kahl, doch im Sommer und Herbst wunderbar anzuschauen, wie Archi bedauernd wiederholte. Im Sommer sei alles viel schöner, sagte er nochmals. Efi lächelte verständig.

Weithin sichtbar, erhob sich eine Kirche aus einem baumbestandenen Hang. "Wie heißt die?", wollte Efi wissen. "Käppele", sagte Archi, "Offiziell "Mariä Heimsuchung". Doch diesen Namen kennen selbst nur wenige Einheimische. Die Wallfahrtskirche erhebt sich aus dem Nikolausberg, gegenüber der Festung. Erreichbar ist das spätbarocke Kleinod über 256 Stufen des als Kreuzweg ausgestalteten, zwischen 1761 und 1799 geschaffenen Aufgangs. Der Stationsweg ist bundesweit größter seiner Art. – Ein kaum bekanntes Glanzlicht einer Stadt, die reihenweise architektonische Maßstäbe setzte, und vielen Kennern lange als schönste aller deutschen Städte galt.

Archi schmunzelte, als Efi händewedelnd nach dem Weg fragte. Sie nahm eine Fahrschüler schweißen lassende Straßenkreuzung souverän. Sogleich belohnt mit einem Blick auf das Universitätsgebäude am Sanderring. Dann ... die Residenz. Efi guckte augenscheinlich unbeeindruckt hin. "Da vorne links", bat Archi ergeben. Efi lächelte schelmisch. Das hieß so viel wie "Ein toller Schuppen, weiß ich doch". Damit lag sie richtig. Nicht von ungefähr wurde die Residenz 1981 – fast zeitgleich mit dem Dom zu Speyer – als drittes deutsches Bauwerk zum Weltkulturerbe ernannt. Die UNESCO betrachtet den Palast als außergewöhnlichstes aller Barockschlösser, als einzigartig, als Synthese des europäischen Barock (siehe Bild links). (O-Ton des beratenden UNESCO-Gremiums: "The inclusion of the Würzburg Residence on the World Heritage List Residenzconstitutes a measure, which is so clearly desirable that the proposal of the Federal Republic does not require lengthly justification .... The Residence is at once the most homogeneous and the most extraordinary of the Baroque palaces .... It represents a unique artistic realization by virtue of its ambitious program, the originality of creative spirit and the international character of its workshop").

Efi hielt an einer Ampel und beäugte einen Torbogen, eine Konstruktion aus Kalkstein und Schmiedeeisen. "Von Johann Georg Oegg geschaffen", erklärte Archi, "Hofschlosser des Fürstbischofs." Efi sah ihn an. "Von welchem?", fragte sie. Er zuckte die Achseln. Sie bogen ab, fuhren vorbei am Theater.

In der Semmelstraße bugsierte Efi ihr Cabrio in eine Parklücke. Archi stieg aus, um den Zimmerpreis eines Hotels zu erfragen. Es war kein Markenhotel. In Kettenhotels nächtigen Efi und Archi berufsbedingt oft, privat bevorzugten sie Familienbetriebe. Alsbald spitzte er aus der Tür und winkte Efi zu. Sie entstieg dem Auto und sah sich das Zimmer mit ihm an. Ein Instandhaltungsrückstau stach ihr sofort ins Auge, störte sie aber nicht. Die füllige Hotelbetreiberin wirkte nett, das Haus stimmungsvoll ausgestaltet. Sie stellten ihr weniges Gepäck ab und begaben sich auf einen Streifzug. Nur einen Katzensprung von der Herberge entfernt entdeckte Efi eine eindrucksvolle Kirche: Sankt Johannes, von Einheimischen Stift Haug genannt. Sie ist nach dem Dom die stadtweit zweitgrößte Kirche. Sie bietet 3.000 Menschen Raum. 1670 – 1691 von dem italienischen Architekten Antonio Petrini erbaut, repräsentiert sie Frankens ersten großen Kirchenbau des Barock. Die sechzig Meter aufragende Vierungskuppel – zu ihrer Zeit eine wahrlich "mutige" Höhe – ist jener des Petersdoms in Rom nachempfunden. Klar, dass Archi das wusste. Weiter ging es zum Juliusspital, einem ab 1576 erbauten, schlossartigen, damals wie heute als Klinik dienenden Komplex, der bis ins 19. Jahrhundert Deutschlands größtes Krankenhaus war. Sehenswert: die vollständig erhaltene Rokoko-Apotheke. Weiter ging es. Efi bestaunte Neumünster, eine auf das 11. Jahrhundert datierende romanische Basilika mit barocker Fassade. – Eines der großartigsten Werke des deutschen Barock.

Efi fiel auf, dass aus nahezu jedem Blickwinkel eine Kirchturmspitze zu sehen war. Natürlich hatte ihr Archi schon unterwegs erzählt, dass Würzburg die höchste Kirchendichte unter Deutschlands Großstädten aufweist. Am Marktplatz empfing sie die beleuchtete Marienkapelle, nicht zu verwechseln mit der deutlich kleineren Marienkirche auf der Festung. Efi bremste Archi, der ihr alles und jedes im Eilzugtempo zeigen wollte. 'Schöppchenlust', signalisierte sie. Ihr war auch deshalb nach einem guten Tropfen, weil sie wusste, dass gleich drei der größten deutschen Weingüter in der Stadt ansässig waren. Archi dachte kurz nach, dann deutete er in eine Gasse und war – wie so oft – schon unterwegs. Efi eilte ihm hinterdrein, hinein ins Weinhaus Stachel, dem älteste "Bacchus-Tempel" stadtweit. Bereits 1525 konspirierten hier Götz von Berlichingen, Florian Geyer und aufständische Einheimische, die ihr Bürgermeister und einer der heute weltbekannten Bildschnitzer anführte. Efi und Archi plauderten bei einem Bocksbeutel, einer eigenwillig-bauchigen Flasche, die Markenzeichen des Frankenweins ist. Sie scherzten und lachten und sprachen bisweilen ernst. Später, viel später, schlenderten sie zurück ins Hotel.

Nun, zum Abschluss dieser Folge, stellt sich neuerlich eine Wissensfrage: Wie hieß der Bildhauer und Würzburger Bürgermeister, der sich im Bauernkrieg gegen die Obrigkeit erhob?

Übersetzungen

Ampel = traffic lights ⇔ Ansichten (visuell) = views ⇔ Apotheke = pharmacy ⇔ Architektonisch = architectural ⇔ Architektonische Verirrung = architectural aberration ⇔ Basilika = basilica ⇔ Bauernkrieg = peasants' war ⇔ Bauwerk = building; structure ⇔ Barockschloss = Baroque palace ⇔ Blickwinkel = perspective; point of view ⇔ Bürgerinitiative = citizens' action committee; citizens' initiative ⇔ Bürgermeister = city mayor; town mayor ⇔ Dom = cathedral (nicht etwa "dome". Das bedeutet "Kuppel") ⇔ Einheimische = locals; local population ⇔ Einkaufszentrum = shopping center (US); shopping centre (UK); mall (US; geschlossenes Einkaufszentrum) ⇔ Einwohner = inhabitant (Plural = inhabitants) ⇔ Fassade = facade ⇔ Festung = fortress ⇔ Franken (Regierungsbezirk)= Franconia ⇔ Freie Reichsstadt = free imperial city; free imperial town (seltener) ⇔ Fürstbischof = prince-bishop ⇔ Glanzlicht = highlight ⇔ Großwohnsiedlung = large housing estate ⇔ Heimatstadt = home town ⇔ Herberge = hostel ⇔ Historisch = historic ⇔ Hotelbetreiber = hotel operator ⇔ Innenstadt = city centre (UK); inner city; downtown (US) ⇔ Instandhaltungsrückstau = deferred maintenance ⇔ Jahrhundert = century ⇔ Kalkstein = limestone ⇔ Kettenhotel = chain hotel ⇔ Kirche = church ⇔ Kirchendichte = church density ⇔ Kirchturmspitze = church spire ⇔ Kleinstadt = small town ⇔ Klinik = clinic ⇔ Konstruktion (gegenständlich) = structure ⇔ Krankenhaus = hospital ⇔ Kreuzweg = stations of the cross; way of the cross ⇔ Marienkapelle = Lady chapel ⇔ Marienkirche = Saint Mary's church; St. Mary's church ⇔ Markenhotel = brand hotel; branded hotel ⇔ Monopolstadt = monopoly city ⇔ Parklücke = parking spot ⇔ Residenz = residence (im hier gegebenen Zusammenhang besser "Residence palace") ⇔ Schmiedeeisen = wrought iron ⇔ Sichtbar = visible ⇔ Spätbarock (adjektivisch) = late baroque ⇔ Stadtrat (Gremium) = city council; town council ⇔ Straßenkreuzung = junction; crossroad (US); crossroads (UK); intersection (US) ⇔ Stufe = step ⇔ Theater = theater (US); theatre (UK) ⇔ Torbogen = archway ⇔ Tür = door ⇔ Rokoko = rococo ⇔ Romanisch = Romanesque ⇔ Universitätsgebäude = university building ⇔ Wallfahrtskirche = pilgrimage church ⇔ Weinberg = vineyard ⇔ Weltkulturerbe = World Cultural Heritage ⇔ Zentrenplanung = center planning (US); centre planning UK) ⇔ Zimmerpreis (Hotelübernachtung) = room rate