EfI-Englischkurs: Agra – das Rote Fort

Einführung

In der letzten Kursfolge verließen wir Efi und Archi, als sich das Paar vom Taj Mahal zum Roten Fort aufmachte. Selbstredend kann Ihnen der Reporter während des dortigen Besuchs gewonnene Eindrücke schwerlich vorenthalten. Bevor wir Efi und Archi auf einem weiteren Ausflug begleiten, ist die in der vorangegangenen Folge gestellte Wissensfrage zu beantworten. Gesucht war der tatsächliche Name von Mumtaz Mahal, deren Andenken Shah Jahan das Taj Mahal widmete: Die zur Hauptfrau aufgestiegene dritte Gattin des Mogulkaisers hieß Agra, Rotes Fort: WehrmauernArjumand Banu Begum.

Übersetzungen im Bericht gesperrt abgebildeter Begriffe finden sich – wie stets – am Textende aufgelistet. Die Fotos stammen vom Verfasser. Eine Bildergalerie zum Roten Fort bietet zusätzliches Fotomaterial zur heute besuchten Welterbestätte.

Agra – das Rote Fort

Als Efi und Archi Agras Fort erreichten, stand die Sonne bereits so tief, dass ihre Strahlen die Wehrmauern der Anlage rötlich erglühen ließen (siehe Bild rechts). Wenngleich das Wort »Fort« eine Festung bezeichnet, diente der rund vier Hektar Land einnehmende Komplex vornehmlich als Palast, der im Grunde eine eigenständige Stadt darstellte.

Am Standort befanden sich bereits lange vor Agras Eroberung durch Babur, den aus Zentralasien stammenden Begründer der Mogul-Dynastie, Befestigungsanlagen; erste Erwähnungen einer Burg »Badigarh« datieren auf das ausgehende 11. Jahrhundert. Das äußere Erscheinungsbild des Roten Forts geht in seinen Grundzügen auf Akbar, den dritten Mogulkaiser, zurück, der hier verfallen vorgefundene Anlagen zwischen 1565 und 1573 vollständig umgestalten ließ. Damals übertrug der umtriebige Herrscher die Hauptstadtfunktion von Delhi auf Agra, wenig später Rotes Fort: Amar Singh Gatevon hier auf Fatehpur Sikri, kurz darauf von dort auf Lahore im heutigen Pakistan. Seine Nachfolger bis hin zu Aurangzeb bauten das Fort zu einer der stärksten Festungsanlagen des Reiches aus.

Die bis zu einer Höhe von 21,4 m aufragenden, rund zweieinhalb Kilometer langen Umfassungsmauern des Komplexes bestehen im Kern aus Ziegelmauerwerk; sie wurden mit dem für die Mogularchitektur typischen roten Sandstein verkleidet. Der öffentliche Zugang erfolgt über das mit einer vorgelagerten Barbakane versehene Amar Singh Gate (siehe Bild 2, links). Das zweite Haupttor, das Delhi Gate, führt zu einem von der Armee genutzten Bereich der Anlage, der für die Öffentlichkeit gesperrt ist.

Hinter den mit hohen Zinnen versehenen Bollwerken erschloss sich Efi ein Abglanz der früheren Pracht dieser kaiserlichen Residenz, die heute einer Horde kesser Affen als dauerhafter Wohnort dient. Wie zahlreiche andere Monumente der Mogul-Ära kennzeichnet auch das Rote Fort ein Zusammenspiel von freien Räumen und Gebäuden. Besonders ausgeprägte Sichtachsen bestehen zum Diwan-i-am, der öffentlichen Audienzhalle, die Shah Jahan, der Bauherr des Taj Mahal, zwischen 1631 und 1640 in errichten ließ (unten rechts eine Teilansicht, darunter ein Blick in Richtung des militärischen Bereichs). Die 75 mal 25 m messende, mit einem Flachdach versehene Versammlungshalle besteht im Wesentlichen aus mit Marmor verkleidetem Sandstein. Die Front der dreiachsigen Audienzhalle bilden neun, zu einer Arkade verbundene Zackenbögen – auch als »Fächer-« oder »Vielpassbögen« bezeichnet. Im Diwan-i-am befindet sich die Thronnische, in der sich einst der Pfauenthron befand. An diesen Bereich schließen die zur Flussseite hin orientierten kaiserlichen Gemächer an. Das Bauwerk strahlt eine Anmut und Leichtigkeit aus, der sich Efi kaum zu entziehen vermochte. Sie wiederum strahlte etwas aus, das anwesende Kinder faszinierte: sie umdrängten sie regelrecht. Archi musste unwillkürlich schmunzeln, als sie ihn ratlos ansah.

Um seine hochfliegenden Pläne umzusetzen, ließ Shah Jahan zahlreiche, aus der Zeit vor Akbar stammende Bestandsgebäude abreißen. Rotes Fort: Diwan-I-AmSeine letzten Lebensjahre verbrachte der von einem Sohn entmachtete Kaiser übrigens unter Hausarrest in dieser Palastfestung. – Mit Blick auf das Taj Mahal, seine berühmteste bauliche Hinterlassenschaft. Im Ausland weniger bekannt ist, dass der bauwütige Herrscher Shajahanabad, das heutige Alt-Delhi, gründete. Und dort ließ er – ohne jede Rücksicht auf die Staatskasse – ein zweites Rotes Fort erbauen. Ein drittes, mehr und mehr verfallendes Gegenstück steht übrigens im pakistanischen Lahore.

Neben dem Diwan-i-am zählt die im militärischen Sperrgebiet gelegene Moti Masjid, die zwischen 1646 und 1653 errichtete »Perlenmoschee«, zu den Glanzlichtern der Anlage. Dasselbe gilt in Bezug auf die private Audienzhalle der Mogulkaiser (Diwan-i-khas; ganz unten links eine Innenaufnahme) und den Jahangiri Mahal. Dieses blickfangende Sandsteinbauwerk ließ nicht etwa Jahangir, Akbars rebellischer Sprössling und Nachfolger erbauen, sondern der alte Herr höchstselbst. Der schmucke Palast beherbergte vor allem Akbars rajputische Damen, zu deren Vergnügungen es zählte, das Rotes Fort: Blick aus dem Diwan-i-amihnen mehrheitlich nur vom Hörensagen bekannte Basarleben nachzuspielen. Ein weiteres Kleinod entdeckte Efi in Gestalt eines kleinen Pavillons, dessen Form wohl in Anspielung auf den nahen Fluss Yamuna einer Barke nachempfunden wurde.

Als die Sonne unterging, verließen Efi und Archi das Rote Fort, dessen Öffnungszeiten sich nicht nach der Uhrzeit richten, sondern von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang reichen. Nach einem angeregten Schwatz mit drei wissbegierigen Studenten gesellten sie sich zu Vishnu, ihrem Fahrer. Er bot an, sie zu einem unter Touristen beliebten Speiselokal zu bringen, doch das Paar bevorzugte eine rein von Einheimischen besuchte Gaststätte. Bei einem Thali unterhielten sich Efi und Archi über den spannungsreichen Tag, der hinter ihnen lag. Was anschließend geschah, entzieht sich dem Berichterstatter.

Wie gewöhnlich schließt diese Episode mit einer Wissensfrage: Wie heißt der bekannteste unter den vielen Diamanten, die einst den Pfauenthron zierten?

Übersetzungen

Abreißen (abbrechen) = (to) demolish ⇔ Anlage = complex (hier angemessen, da es sich um eine von mehreren Bauwerken und Gärten gebildete Anlage handelt) ⇔ Arkade = arcade ⇔ Barbakane (die) / Barbakan (der) = barbican ⇔ Bauwerk = building; structure (konstruktiv) ⇔ Rotes Fort: Diwan-i-khasBefestigungsanlage(n) = fortification(s) ⇔ Bestandsgebäude (Singular) = existing building ⇔ Bollwerk = rampart ⇔ Burg = castle (anders als der neuzeitliche Festungsbegriff bezieht sich »Burg« regelhaft auf Wehranlagen, die nicht auf die Kampfführung mit Artilleriewaffen ausgelegt waren) ⇔ Fächerbogen = fan arch: multifoil arch ⇔ Fassade = facade; façade ⇔ Festung = fortress; stronghold ⇔ Flachdach = flat roof ⇔ Gebäude = building ⇔ Glanzlicht = highlight ⇔ Hauptstadt = capital (city) ⇔ Haupttor = main gate ⇔ Hausarrest = house arrest ⇔ Hinterlassenschaft = (hier) legacy ⇔ Jahrhundert = century ⇔ Kaiserliche Gemächer = imperial chambers; emperor's chambers ⇔ Mauer = wall ⇔ Marmor = marble ⇔ Mogularchitektur = Mughal architecture ⇔ Öffentliche Audienzhalle = hall of public audience (als Eigenname = Hall of Public Audience) ⇔ Öffentlichkeit = public ⇔ Palast = palace ⇔ Pavillon = pavilion ⇔ Perlenmoschee = Pearl Mosque (Eigenname) ⇔ Pfauenthron = Peacock Throne (Eigenname) ⇔ Pracht = splendor (US); spendour (UK); magnificence ⇔ Sandstein = sandstone ⇔ Säule = column ⇔ Sichtachse = sightline; sight line; visual axis ⇔ Sonnenaufgang = sunrise; sun rise; sunup (US); sun-up (US) ⇔ Sonnenuntergang = sunset; sundwon (US) ⇔ Speiselokal = restaurant ⇔ Sperrgebiet = restricted area; no-go area (UK); no-go zone (US) ⇔ Stadt = city (hier angesichts der einstigen Bedeutung des Ortes angemessen); town ⇔ Standort = location ⇔ Umfassungsmauer = enclosure wall; perimeter wall; rampart (hier ebenfalls richtig, da es sich um Festungsmauern handelt) ⇔ Verfallen (adjektivisch) = decayed; derelict; dilapidated ⇔ Versammlungshalle = assembly hall ⇔ Vielpassbogen = fan arch: multifoil arch ⇔ Wehrmauer = defensive wall ⇔ Welterbestätte = World Heritage Site ⇔ Wohnort = (hier) dwelling place; residence; domicile ⇔ Zackenbogen = fan arch: multifoil arch ⇔ Ziegelmauerwerk = brick masonry ⇔ Zinnen = battlements; crenellations