EfI-Englischkurs: Nach Sikandra und Agra

Einführung

Nach ihrem Ausflug nach Linz kehren Efi und Archi heute nach Indien zurück. Begleiten wir die beiden Reisenden von Delhi nach Sikandra und Agra, und dort zu einem der bekanntesten Bauwerke dieser Erde: dem Taj Mahal. Vorausgeschickt sei, dass Efi und Archi die in den Kursfolgen 24 – 26 vorgestellten Städte Jodhpur, Kochi und Udaipur nach Agra besuchten. Die zeitliche Reihenfolge geriet also etwas durcheinander, doch ist das kein Beinbruch. Bevor wir aufbrechen, sei die Rätselfrage aus der letzten Kursfolge aufgelöst: Das angesprochene Ereignis, das in Linz eine rege Entwicklungstätigkeit auslöste, war die Ernennung zur Kulturhauptstadt Europas. Linz teilte sich diese Ehre mit Vilnius, der Hauptstadt Litauens.

Im Bericht kursiv geschrieben Wörter finden sich – wie immer – am Seitenende übersetzt. Das Bildermaterial stammt vom Verfasser. Weitere Fotos zu Agra bieten die Bildergalerien Agra Fort und Taj Mahal.

Sikandra – Akbars Grabmal

Zeitig am Morgen kam Vishnu, der Efi und Archi bereits bei ihrer Ankunft in Delhi vom Flughafen abgeholt hatte, zu ihrem Hotel in Karol Bagh, Sikandra: Akbar-Mausoleumeinem Stadtteil von Delhi. Die Fahrt in Richtung Agra – die Millionenstadt liegt im Bundesstaat Uttar Pradesh – schlug Efi aufs Gemüt: Nach ihrem Empfinden glich die Strecke weithin einem Elendsviertel. Archi dankte Vishnu unausgesprochen für dessen aufheiternde Erzählungen alter Legenden. Einige Kilometer nordwestlich von Agras Stadtgrenze bog der humorvolle Inder von der Fernstraße ab, da Efi und Archi Sikandra besuchen wollten. In diesem Vorort von Agra befindet sich das Grabmal des dritten Mogul-Kaisers, Akbar. Errichtet wurde die 48 Hektar bedeckende Anlage zwischen 1605 und 1613; flächenbezogen handelt sich um Indiens größte Grabanlage. Bereits aus einiger Entfernung nahm Efi den südlichen Torbau wahr. Überragt wird der monumentale Eingangsbereich von vier, von Chhatris bekrönten Minaretten. Chhatris sind kleinere Pavillons, die eine von Säulen getragene Kuppel besitzen; diese baulichen Elemente zieren häufig Dächer oder Mauern. Den Eingang selbst prägt ein an einen Iwan erinnernder Bogen (siehe Bild 1, rechts).

Als Efi das überwiegend aus rotem Sandstein erbaute Hauptgebäude erblickte, bemerkte sie sofort, dass sich dieses Baudenkmal erheblich von dem in Delhi besuchten Sikandra: HauptbauwerkGrabmal Humayuns (siehe Bildergalerie) unterscheidet: Akbars Ruhestätte weist keine hoch aufstrebende Kuppel auf. Als Blickfänger wirkt hier eine die Hauptfassade beherrschende, rechteckig eingefasste Bogen-Hallen-Struktur, die in ähnlicher Form den Südeingang der Anlage definiert. Trotz beeindruckender Größe wirkt das Monument zierlich. Sein Erdgeschoss ist als ein von Bögen aufgelöster, quadratisch zugeschnittener Sockel ausgelegt, der über 100 m Seitenlänge misst. Auf dieser hohen Basis sitzen vier weitere Stockwerke, von denen die unteren drei offen gestaltet sind, also keine begrenzenden Wände besitzen (siehe Bild 2, links). Die Geschossdecken ruhen auf fein gearbeiteten Säulen. Den oberen Abschluss bildet ein Geschoss, das aus Marmorelementen gefügt und an den Eckpunkten von Chhatris besetzt ist. Die »Wände« bestehen im Wesentlichen aus Jalis. Bei diesem in Rajasthan, Uttar Pradesh oder auch Gujarat verbreitetem Gestaltungselement handelt es sich um eine feingliedrig durchbrochene Marmor- oder Sandsteinplatte, die als raumschließendes Gitterwerk dient.

Efi wäre gerne länger in Sikandra geblieben, doch drängte die Zeit, da sie und Archi neben dem Taj Mahal auch Agras Palastfestung besichtigen wollten. Auf dem Weg zum Taj holte Efi Indiens Gegenwart in Gestalt verfallen wirkender Stadtteile neuerlich ein.

Agra – das Taj Mahal

Nachdem Vishnu einen bewachten Stellplatz in einem Hinterhof ergattert hatte, gingen die drei Taj Mahal: FrontansichtReisenden in Richtung des Taj. Vishnu kam aus Sorge um seine Gäste mit, bemerkte jedoch rasch, dass Archi mit dem Weg vertraut war. Je näher die drei dem traumstiftenden Baudenkmal kamen, desto mehr verdichtete sich der Menschenstrom. Das Taj wurde zu dem Ziel der neuen Mittelklasse, die es sich leisten kann, im Land zu reisen. Als Archi das zwischen 1632 und 1648 erbaute Taj erstmals besuchte, traf er dort nur wenige Menschen an, nun standen Tausende Schlange vor den Sperranlagen, die aus Angst vor Anschlägen eingerichtet worden waren. Als Ausländer gelangt man dennoch zügig in die Welterbestätte. – Vernünftigerweise für einen vielfachen Eintrittspreis, den Einheimische zu entrichten haben (2014 750 statt 20 Rupie).

Zunächst wunderte sich Efi, die das Taj Mahal lediglich von Fotos her kannte: Die Einfassungsmauern der Eingangsfront und das Torbauwerk erstrahlen nicht weiß, sondern rötlich-braun. Als Efi den auf 18 Hektar Grund über dem Fluss Yamuna errichteten Komplex betrat, atmete sie tief durch: Inmitten geometrisch angelegter Gärten erhob sich das zum Sinnbild unsterblicher Liebe verklärte Taj (siehe Bild 3, oben rechts). Dieses bauliche Juwel – der Mogulkaiser Shah Jahan ließ es für seine verstorbene dritte Frau, Mumtaz Mahal, errichten – gilt nicht von ungefähr als Vollendung der Mogularchitektur. Das Zentralbauwerk thront auf einem 100.000 qm großen, marmorverkleideten Sockel; die krönende Kuppel Taj Mahal: Moscheeragt nahezu 60 m hoch auf. Die Vertikalachsen der an den Ecken des Marmorunterbaus hochgezogenen Türme sind leicht nach außen geneigt, um sicherzustellen, dass die Türme im Fall eines zerstörerischen Erdbebens nach außen kippen, nicht auf die Kuppel krachen.

Das weiße Grabmal wird von zwei eindrucksvollen Sandsteingebäuden flankiert, die über großzügig dimensionierte Plätze an das zentrale Bauwerk angebunden sind; bei dem westlichen Bauwerk handelt sich um eine Moschee, das östliche diente als Gästeunterkunft (siehe Bild 4, links). Den Sichtbezug zwischen dem Eingangstor bzw. dem »Großen Tor« und dem weißen Hauptbauwerk unterstreicht ein lang gestrecktes Reflexionsbecken (vergleiche Aufnahme 5, rechts unten). Je nach Sonnenstand stellen sich hier unterschiedlichste Lichtspiele und Spiegelungen ein; bei Vollmond scheint das Taj gar zu schweben. Doch so schön das Taj anzusehen ist: Shah Jahan riskierte seinerzeit den Staatsbankrott, als er den Bau befahl und vorantrieb. Wie für so viele andere bewunderte Bauwerke blutete das Volk auch für dieses Kleinod. Nicht zuletzt Shah Jahans verschwenderischer Bautätigkeit wegen setzte Aurangzeb seinen Vater letztlich ab.

Bei den hinter dem Hauptportal zu findenden Sarkophagen Shah Jahans und Mumtaz Mahals handelt es sich um Scheingräber. Das Paar ruht in einer unter diesen Marmorsärgen gelegenen Gruft. Anders als bei Archis erstem Besuch war dieses Gewölbe nicht mehr zugänglich. – Leider, denn Efi hätte sicherlich gestaunt, da die Mogularchitekten auch akustische Momente in ihre Planung einbezogen: Taj Mahal: TotaleTöne schwingen in dieser Krypta mehr als 20 Sekunden lang auf; es entsteht eines der längsten Echos weltweit.

Nach ausgiebiger Besichtigung der Gebäude und Gärten mahnte die wandernde Sonne Efi und Archi, sich zu beeilen. Sie machten sich auf zum Roten Fort, einer zweiten Welterbestätte Agras. Von der Flussseite des Taj ist diese architektonisch spannungsreiche Palastfestung übrigens am Horizont zu sehen.

Für uns ist es nun Zeit, Efi und Archi sich selbst zu überlassen. Gönnen wir dem Paar einen besinnlichen Tagesausklang. Bevor auch wir für heute auseinandergehen, stelle ich noch rasch die übliche Wissensfrage: Wie hieß Mumtaz Mahal tatsächlich?

Übersetzungen

Anlage = complex (hier angemessen, da es sich um eine von mehreren Bauwerken und Gärten gebildete Anlage handelt) ⇔ Ausflug = trip; excursion ⇔ Baudenkmal = monument ⇔ Bautätigkeit = construction activity ⇔ Bauwerk = building; structure (konstruktiv) ⇔ Bogen = arch ⇔ Bundesstaat = federal state ⇔ Dach = roof ⇔ Ecke = corner ⇔ Taj Mahal: Perspektive halbrechtsEinfassungsmauer = enclosure wall; enclosing wall; perimeter wall ⇔ Eingang = entrance ⇔  Eingangsbereich = entrance area ⇔ Elendsviertel = slum; shanty town; shantytown ⇔ Entfernung = distance ⇔ Entwicklungstätigkeit = development activity ⇔ Erdgeschoss = first floor (US); groundfloor (UK) ⇔ Fassade = facade; façade ⇔ Fernstraße = trunk road ⇔ Gasse = alley (vor allem Durchgang); lane ⇔ Gästeunterkunft = guest accommodation ⇔ Gebäude = building ⇔ Geschossdecke = floor slab ⇔ Gestaltungselement = design element ⇔ Gitterwerk = latticework; lattice work ⇔ Grabmal = tomb; mausoleum  (hier zutreffend, da es sich um ein Großbauwerk handelt) ⇔ Gruft = crypt ⇔ Hauptgebäude = main bulding; (hier auch) central building ⇔ Hauptstadt = capital (city) ⇔ Hinterhof = backyard; back yard (seltener) ⇔ Jali = jali; jaali ⇔ Krypta = crypt ⇔ Kulturhauptstadt Europas = European Capital of Culture ⇔ Kuppel = dome; cupola ⇔ Marmorverkleidet = marble-clad ⇔ Mauer = wall ⇔ Marmorelement = marble element ⇔ Minarett = minaret ⇔ Mogularchitektur = Mughal architecture ⇔ Moschee = mosque ⇔ Palastfestung = palace fortress ⇔ Pavillon = pavilion ⇔ Reflexionsbecken = reflecting pool; reflection pool ⇔ Ruhestätte = (final) resting place; grave ⇔ Sandstein = sandstone ⇔ Sandsteinplatte = sandstone slab ⇔ Säule = column ⇔ Scheingrab = cenotaph ⇔ Sockel = (hier) plinth ⇔ Sperranlage = barrier ⇔ Stadt = city (da Großstadt) ⇔ Stadtgrenze = city boundary; city limit ⇔ Stadtviertel = city disctrict; city quarter ⇔ Stellplatz = parking space ⇔ Stockwerk = floor; level (Ebene); storey (UK); story (US) ⇔ Torbau = gateway building ⇔ Torbauwerk = gate structure; gateway building ⇔ Vorort = suburb ⇔ Welterbestätte = World Heritage Site