EfI-Englischkurs: Linz – ein Streiflicht

Einführung

Nach längerer Abwesenheit melden sich Efi und Archi heute aus Oberösterreichs Landeshauptstadt zurück. Mit rund 195.000 Einwohnern ist Linz drittgrößte Stadt der Alpenrepublik; die größte ist Wien, die zweitgrößte Graz. Aber halt! Fanden Sie die Antwort auf die Rätselfrage aus Kursfolge 26, »Udaipur – Stadt der Seen«? Richtig! Der Seepalast diente im Bond-Film »Octopussy« als Kulisse. Nachdem Ihre Antwort erwartungsgemäß zu bestätigen war, schließen wir uns Efi und Archi an. Vorausgeschickt sei, dass es diesmal beschaulich zugeht.

Im Bericht kursiv wiedergegebene Begriffe finden sich – wie gewohnt – am Textende übersetzt. Die eingearbeiteten Bilder stammen – wie immer – vom Berichterstatter. Weiteres Fotomaterial zu Linz bietet eine Bildergalerie.

Linz

Efi und Archi kannten Linz lediglich vom Hörensagen. In ihrer Vorstellung prägten die Donaustadt großflächige LentosmuseumIndustriegebiete. Tatsächlich stachen während der Anfahrt die hohen Schornsteine eines riesenhaften Produktionsbetriebes ins Auge.

Efi parkte den Wagen an der Ernst-Koref-Promenade, in unmittelbarer Nähe eines augenfälligen Bauwerks. Die Spiegelungen in dessen Fassade sowie der durch einen raffiniert angelegten Zwischenhof auf den Pöstlingberg fallende Blick zogen Efi magisch an. Der an einem Gerüst schwebende Käfer tat ein Übriges, um das Lentos-Museum genauer zu betrachten und die Ausstellung zu besuchen (siehe Bild rechts). Nach diesem ungeplanten Kulturgenuss zog es Efi und Archi in die nahe gelegenen Altstadt.

Die Sonne schien, zarte Wölkchen zierten den Himmel, als Efi und Archi auf dem Hauptplatz angelangten. Dort erlebten sie eine erste Überraschung: Der zu den landesweit größten umbauten Plätzen zählende Stadtmittelpunkt stellte sich als schmuckes, von historischen Gebäuden gebildetes Ensemble dar. Besonders fielen Efi und Archi die Pestsäule bzw. Dreifaltigkeitssäule, das Kirchmayr-Haus, der Alte Dom und das Alte Rathaus mit seiner barocken Fassade auf.

Nach einer Tasse Kaffee drängte Efi ungeduldig auf eine Erkundung der Linzer Einkaufswelt. Sie bemerkte rasch, dass sich der Einzelhandel im Wesentlichen auf eine Achse konzentriert, nämlich auf die von der Linzer Landstraße: EinkaufsmeileStraßenbahn durchfahrene Landstraße. Wohl auch aufgrund dieser einseitigen Ballung war diese Laufmeile im Jahr 2010 – nach Wiens zentraler Einzelhandelslage um den Stephansplatz und der Mariahilferstraße – die am stärksten frequentierte Einkaufsstraße Österreichs (links eine verwirrende Aufnahme aus der Linzer Landstraße).

Neben den üblichen Kaufhäusern und Filialgeschäften finden sich in einigen Gassen der Innenstadt eigentümergeführte Geschäfte, von denen Efi einige sehr gefielen. Da sie gewohnt ausgiebig stöberte, beschloss Archi, sich der örtlichen Architektur zu widmen. Aber dann stand er sich doch wieder einmal die Beine in den Bauch, bis sich Efi endlich von allerlei Krimskrams loseiste.

Gemeinsam schlenderten Efi und Archi durch Gassen, Gässchen und Straßen. Linz offenbarte ihnen eine unerwartete stilistische Bandbreite. Der Fächer reicht von mittelalterlichen bis zu hypermodernen Bauwerken (unten rechts eine stimmige Gebäudezeile). Unter den Gebäuden finden sich wahre Glanzlichter, so das aus der Renaissance stammende Linzer Landhaus mit seinem sehenswerten AltstadtensembleInnenhof.

Das auffälligste Bauwerk im Stadtzentrum wurde im Stil der Neugotik bzw. der französischen Hochgotik errichtet. Es handelt sich um den Neuen Dom, der an sich Mariä-Empfängnis-Dom heißt, aber auch Mariendom genannt wird. Die Grundsteinlegung erfolgte 1862, geweiht wurde das eindrucksvolle Bauwerk erst 62 Jahre später, letztlich fertiggestellt sogar erst 1935, also 73 Jahre nach Baubeginn. Der Linzer Dom bietet mehr Menschen Raum als der Stephansdom in Wien, nämlich 17.000 auf der Hauptebene und weiteren 3.000 in der geräumigen Krypta. Die Kirchenbänke fassen allerdings nur 700 Besucher. Mit annähernd 135 m Höhe ist der Hauptturm zwei Meter niedriger als der Südturm des Wiener Stephansdoms – angeblich, weil der Kaiser darauf Wert legte, das höchste Bauwerk Österreich-Ungarns vor seiner Haustür zu wissen; auch diesen hohen Herrn scheint die von manchen pubertierenden Jungmännern aufgeworfene »Wer-hat-den-Längsten-Frage« beschäfftigt zu haben. Doch zurück zum Dom: Entlang seines Hauptschiffs ist er stattliche 130 m lang, sein Querschiff misst 60 m Länge. Außerordentlich vielfältige Glasmosaikfenster verleihen dem Dom eine ungewöhnliche atmosphärische Ausstrahlung. Wer Abgeschiedenheit sucht, kann übrigens die über 365 Stufen erreichbare Turmstube für einige Tage mieten (rechts unten die Aufnahme einer Fassadenpartie).

Nach zweistündigem Stadtrundgang suchten Efi und Archi eine Wirtschaft an der Landstraße auf, in deren ansprechendem Garten sie sich ein Bier genehmigten. Dabei sahen sie aufgenommene Bilder an und plauderten über ihre Beobachtungen. Eines stand bereits fest: Sie würden wiederkommen. Wir – Sie und ich – Domfassadeüberlassen die beiden Reisenden für heute sich selbst.

Bevor auch wir uns voneinander verabschieden, gebe ich Ihnen eine Rätselfrage mit auf den Weg. Hier ist sie: Welche für 2009 beschlossene Rolle der Stadt löste im Vorfeld eine rege Bau- und Modernisierungstätigkeit in Linz aus?

Übersetzungen

Altstadt = historic city center (US) / centre (UK); old (part of) town ⇔ Ausstellung = exhibition ⇔ Barock = Baroque, baroque ⇔ Baubeginn = commencement of construction; start of construction ⇔ Bauwerk = building; structure (konstruktiv) ⇔ Dreifaltigkeitssäule = Holy Trinity Column (Eigenname) ⇔ Einwohner = citizen (rechtlich); inhabitant; population (gesamtheitlich) ⇔ Einzelhandelslage = retail location ⇔ Fassade = facade; façade ⇔ Filialgeschäft = chain store ⇔ Gasse = alley (vor allem Durchgang); lane ⇔ Gebäude = building ⇔ Gebäudezeile = row of buildings ⇔ Geschäft = shop (UK); store (US) ⇔ Glasmosaikfenster = glass mosaic window ⇔ Grundsteinlegung = groundbreaking (ceremony); laying of the foundation stone ⇔ Hauptschiff = main aisle; nave ⇔ Hauptplatz (in Österreich vielfach die Bezeichnung für den zentralen Marktplatz) = central plaza; central market place ⇔ Industriegebiet = industrial area ⇔ Innenhof = inner courtyard ⇔ Kaufhaus = big store; large store (Hinweis: »Kaufhaus« wird verbreitet, jedoch fälschlich mit »Warenhaus« gleichgesetzt) ⇔ Kirchenbank = church pew; pew ⇔ Krypta = crypt ⇔ Landeshauptstadt = state capital ⇔ Mariä-Empfängnis-Dom = Cathedral of the Immaculate Conception (geläufige Bezeichnung, wobei »immoaculate« für »unbefleckt« steht) ⇔ Mariendom = Saint Mary's cathedral ⇔ mittelalterlich = medieval ⇔ Nähe = proximity; vicinity (insbesondere im Sinne von "Nachbarschaft«) ⇔ Neugotik = Gothic revival / Revival; Jigsaw Gothic; Neo-Gothic; Victorian Gothic (im UK); Collegiate Gothic (bei Schulen und Universitäten) ⇔ Pestsäule = plague column ⇔ Produktionsbetrieb = manufacturing plant; production plant ⇔ Querschiff = transept ⇔ Rathaus = city hall; town hall ⇔ Schornstein (einer Fabrik usw.) = chimney stack; stack ⇔ Stadt = city (da Großstadt) ⇔ Stadtmittelpunkt = city center (US); city centre (UK); downtown (US) ⇔ Stadtrundgang = city walk ⇔ Stadtzentrum = city center (US); city centre (UK); downtown (US) ⇔ Straße = street (da rein innerörtlicher Bezug) ⇔ Straßenbahn = streetcar (US); tram (UK)