EfI-Englischkurs: Udaipur – Stadt der Seen

Einführung

Efi und Archi brachen auf nach Udaipur. Benannt ist die 450.000 Einwohner zählende Stadt nach ihrem Gründer, dem Mewar-Fürsten Udai Singh II. Der Maharana bewies ein gutes Auge, als er den Standort wählte; dessen Gunst spiegelt sich in Udaipurs Bezeichnung als "Stadt der Seen". Die großen Gewässer, voran der Pichola-See, verleihen ihr eine besondere Stellung innerhalb des indischen "Wüstenstaates" Rajasthan. Das wussten Efi und Archi bereits, als sie sich auf den Weg machten. Bevor wir uns den Reisenden anschließen, seien in der Kursfolge zu Kochi gestellte Wissensfragen beantwortet: 1. Der gesuchte Seefahrer war Vaso da Gama. 2. Erstmals beerdigt wurde der Portugiese in der St. Franchis Church.

Im Text gesperrt wiedergegebene Begriffe finden sich – wie stets – am Bereichtsende übersetzt.

Udaipur – Stadt der Seen

Udaipur liegt im Südwesten des Bundesstaates Rajasthan, rund 600 m über Meereshöhe bzw. Normalnull. Zur Hauptstadt des Königreiches Mewar wurde Udaipur 1568, nachdem Akbar, der Boote, Fischernetz, Hafendamalige Mogulkaiser, die mächtige Festung Chittaurgarh (siehe Bildergalerie) erobert hatte. Kaum in der Stadt angekommen, zog es Efi und Archi – Leser vorangegangener Indien-Folgen dürften es erahnen – zum örtlichen Hauptmarkt. Dessen Hauptachse ertreckt sich, ausgehend von einem platzartigen Bereich, weit in die Altstadt hinein.

Udaipurs Markt zählt zu den buntesten und quirligsten in Rajasthan. Dieser Mikrokosmos lässt Indiens nach wie vor alltagsprägendes, geschätzte 3.000 Untergruppen umfassendes Kastensystem sicht- und fühlbar werden: Die Armen unter den Händlern sammeln sich in einem Zugangsbereich, die angeseheneren, die wohlhabenderen Kaufleute finden sich in zentralen Abschnitten des Einkaufsviertels (rechts eine im Februar 2012 eingefangene Marktszene). Efi und Archi gönnten sich ein Häppchen an einem Stand, der sich inmitten des von ärmeren Händlern belegten Bereiches befand. Die amüsierten bis erstaunten Blicke der Einheimischen verrieten einmal mehr, dass ausländische Touristen die gewöhnlich schmackhafte (und gesundheitlich unbedenkliche) Gerichte anbietenden Straßenküchen mehrheitlich meiden. 'Ihr wisst nicht, was ihr euch entgehen lasst', dachte Efi und bestellte eine zweite Portion in Zeitungspapier überreichter Gemüsetaschen. Sie und Archi lernten einiges dazu, während sie durch die Straßen und Gassen des Einkaufsviertels schlenderten. Beispielsweise, das etwas, das sie für Seifenbrocken hielten, Zucker war. Nach zweistündigem Gucken und Gesprächen, die vielfach auf gestisch-mimischer Verständigung beruhten, begann Efi nach einer Sitzgelegenheit auszuschauen. Archi bugsierte sie kurzerhand zu einer Teeküche, deren Innenraum nach europäischen Maßstäben vier Sitzplätze bot. Die anwesenden sechs Gäste rückten schmunzelnd zusammen, als sie Efis enttäuschten Gesichtsausdruck bemerkten.

Nach einer Übernachtung in einem äußerlich unauffälligen, zum Hotel umfunktionierten Stadtpalast machten sich Efi und Archi auf, um Udaipurs historische Bauwerke zu Repräsentationsfassade im ersten Innenhof des Stadtpalastes von Udaipur (Rajasthan, Indien)besichtigen. Als erste Anlaufstelle wählten sie den Jagdish-Tempel, ein in der Altstadt aufragendes Jain-Heiligtum. Der 1651 vollendete Tempel ruht auf einer großflächigen Terrasse. Das von meisterhaften Steinmetzarbeiten gezierte Zentralbauwerk erinnert an einen Bienenkorb. Wie so oft vorher, sahen sich Efi und Archi umgehend angesprochen. Er sei kein auf Bezahlung scharfer Führer, versicherte der muntere Geselle und hing fortan klettenhaft an unserem Gespann. Dass er Künstler wäre, erzählte er, und bestens mit André Heller bekannt. Letztlich überredete er Efi, seine keinen Steinwurf entfernte Werkstatt zu beehren. Wie sich im bald erwies, schien halb Udaipur auf trautem Fuß mit Efis berühmtem Landsmann zu stehen. – Selbst jugendliche Tuchhändler im größten aller Paläste Udaipurs, den Efi und Archi anschließend besuchten. Den sogenannten Stadtpalast bauten die Nachfolger des Stadtgründers über Jahrhunderte hinweg zum größten herrschaftlichen Wohnsitz Rajasthans aus. Bereits der von hohen, stachelbewehrten Toren gebildete Hauptzugang vermittelt einen Eindruck von den gewaltigen Ausmaßen des aus zahlreichen miteinander verbundenen Einzelbauwerken und Höfen bestehenden Komplexes (links eine Ansicht der Repräsentationsfassade im ersten Innenhof des Palastes; reichlich Bildmaterial entfächert die Fotostrecke "Udaipur Palace"). Dass sich in der über viele Menschenalter hin ausgebauten Anlage verschiedene architektonische Stilrichtungen mischen, dürfte schwerlich verwundern. Ob die stilistisch vielfältigen Fassaden und unterschiedlichen, teils europäisch und chinesisch beeinflussten Innenarchitekturen – wie von Efi und Archi – als stimmiges Ganzes empfunden werden, liegt naturgemäß im Auge des jeweiligen Betrachters. Prägend sind baulich-gestalterische Vorstellungen der Rajputen, die sich – auch wenn die englische Wikipedia (Stand 05 / 2012) entsprechende Einflüsse erwähnt – gänzlich von den u. a. in Fathepur Sikri oder den Palastfestungen Agras und Delhis in Stein gefassten Ansätzen der Mogulen unterscheiden Details der Repraesentationsfassade im ersten Innenhof des Stadtpalastes(rechts ein detailreicher Fassadenausschnitt. Anschauungsmaterial zur Mogul-Architektur bieten u. a. Bildergalerien zu Fatepur Sikri und dem Taj Mahal. Eine Querschnittsbetrachtung gestattet die Fotostrecke "Mughal Architecture").

Nachdem eine geführte Touristengruppe ihre gedankenlose Blockade eines Portals aufgegeben hatte, betraten Efi und Archi das Innere des teils in ein Museum umgewandelten Palastes. Die Waffenkammer empfing sie mit einer Sammlung präsentierter Beutefahnen und allerlei Werkzeugen, die Rajputen-Krieger einsetzten, um ihre nicht minder hochgerüsteten Feinde aus der Welt zu schaffen. Archi verblüffte die Vielzahl unterschiedlicher Waffen, die jeder einzelne Kämpfer mit sich geführt hatte. Derweil beschäftigte sich Efi demonstrativ mit einer Übersichtskarte. 'Will weitergehen', signalisierte sie damit. Also begaben sich beide tiefer in den Palastkomplex hinein. Efi erschütterte, wie unprofessionell manches wertvolle Kunstwerk behandelt wurde, Archi schüttelte den Kopf angesichts teils unzureichend verglaster, teils auf den Untergrund genagelte Gemälde. In scharfem Kontrast zu derartigen Nachlässigkeiten standen ausgezeichnet umgesetzte Restaurierungen.

Die zahlreichen Einzelpaläste der Anlage lassen eine bemerkenswerte Bandbreite an baulich-gestalterischen Details erkennen. Sie zieren verschiedenste Balkone, Erker, Pfeiler, Säulen und filigran aus Stein gemeißelte Fensterfüllungen, Jalis genannt. Zu den Glanzlichtern des Palastkomplexes zählt der von Efi Detailreiche Fassadenpartie über dem Pfauenhoferwartungsvoll angesteuerte Pfauenhof, der seine Bezeichnung kunstvollen Darstellungen des gleichnamigen Vogels verdankt (links eine datailreiche Fassadenpartie über dem Pfauenhof, unten rechts eine Pfauendarstellung). Leider ließen auch die Schutzverglasungen dieser prachtvollen Arbeiten handwerkliches Können vermissen.

Nachdem Efi und Archi ihre Besichtigung beendet hatten, bummelten sie neurlich zum örtlichen Hauptmarkt. Der Teigtaschenkoch empfing Efi mit einem erinnerlichen Lächeln und bereitete extra für sie frische Leckerbissen zu. Sie wünschte das Gemüse im Teigmantel scharf, also würzte er es ordentlich und garnierte das fertige Produkt obendrein mit Chilischoten. Archi verputzte sie, ohne mit der Wimper zu zucken, Efi blieb die Spucke weg. Hechelnd wies sie einen Mann ab, die ihr eine Dattel reichte, weil sie glaubte, er wollte sie zum Kauf bewegen. Erst als eine Marktfrau ihr Luftschnappen nachahmte und eine einwerfende Bewegung wiederholte, begriff sie, dass die Furcht helfen sollte, die entfaltete Chilischärfe zu mildern. Efi griff dankend zu. Anschließend suchten beide die tags zuvor angesteuerte Teeküche auf. Sie bestellten zwei Becher des Heißgetränks und zahlten vier. Damit verwirrten sie den kellnernden Buben offenbar, denn der sprach ratlos mit seinem Chef. Dessen fragenden Blick beantwortet Archi mit einem Fingerzeig. 'Für den Jungen', sagte er damit den ehrlichen Leuten. Anderthalb Stunden später spazierten Efi und Archi zu einer Anlegestelle am Pichola-See und schipperten zum Seepalast, dessen Gebäude und Gärten eine ganze Insel einnehmen. Im satten Abendlicht fuhren sie zurück in Richtung Stadtpalast, dessen riesenhafte Ausmaße sich auf der Wasserseite besonders eindrücklich offenbaren; von hier aus betrachtet gibt sich zudem der wehrhafte Charakter der Palastanlage zu erkennen.

Abends saßen Efi und Archi noch lange zusammen und ließen den Tag Revue passieren. Derweil Pfauendarstellunggrübelte der Berichterstatter, welche Wissensfrage er dem Leser mit auf den Weg geben sollte. Hier ist das Ergebnis seines gedanklichen Streifzugs durch Udaipurs Geschichte und Gegenwart: In welchem Agentenfilm diente (auch) der erwähnte Seepalast als Kulisse?

Übersetzungen

Abschnitt = section ⇔ Altstadt = historic city center (US) / centre (UK); old (part of) town ⇔ Anlegestelle = landing stage; pier ⇔ Ausmaße = (hier) dimensions ⇔ Balkon = balcony ⇔ Bienenkorb = beehive ⇔ Bauwerk = building; structure (konstruktiv) ⇔ Bundesstaat = federal state ⇔ Einkaufsviertel = shopping district ⇔ Einwohner = citizen (rechtlich); inhabitant; population (gesamtheitlich) ⇔ Einzelbauwerk = individual bulding; individual structure ⇔ Erker = bay; oriel ⇔ Fassade = facade; façade ⇔ Festung = fort; fortress ⇔ Führer (fremdenverkehrlich) = guide ⇔ Gasse = alley (insbesondere Durchgang); lane ⇔ Gebäude = building ⇔ Gewässer = waters; water body (an sich "Wasserkörper", hier treffend, da stehende Gewässer angesprochen sind) ⇔ Gründer = founder ⇔ Hauptachse = main axis ⇔ Handwerkliches Können = craftsmanship ⇔ Hauptmarkt = main market; central market (lage- und funktionsbedingt hier ebenfalls angemessen) ⇔ Hauptstadt = capital; capital city ⇔ Heiligtum = sanctuary ⇔ Hof = court; courtyard ⇔ Indien = India ⇔ Innenarchitektur = interior design ⇔ Innenhof = inner courtyard ⇔ Innere = interior ⇔ Insel = island ⇔ Jahrhundert = century ⇔ Königreich = kingdom ⇔ Markt = market ⇔ Meereshöhe = sea level ⇔ Mogul-Architektur = Mughal architecture ⇔ Normalnull (Meershöhe) = mean sea level ⇔ Palast = palace ⇔ Palastfestung = palace fortress ⇔ Pfauenhof = (hier) Peacock Courtyard ⇔ Pfeiler = pillar ⇔ Säule = column ⇔ Schutzverglasung = protective glazing ⇔ See (der) = lake ⇔ Seepalast = Lake Palace (Großschreibung, da hier Eigenname) ⇔ Sitzplatz = seat ⇔ Stadt = town; city (bezogen auf die Großstadt Udaipur) ⇔ Stadtpalast = city palace; City Palace (bezogen auf den Hauptpalast, da Eigenname) ⇔ Stand = stall; stand; booth (sofern überdacht und mehrseitig eingefasst) ⇔ Standort = location ⇔ Straße = (hier) street ⇔ Tempel = temple ⇔ Terrasse = terrace ⇔ Tor = gate ⇔ Waffenkammer = armory (US); armoury (UK) ⇔ Werkstatt = studio (insbesondere bei Künstlern); workshop ⇔ Wohnsitz = residence ⇔ Wüstenstaat = desert state