EfI-Englischkurs: Kochi – Küstenflair

Einführung

Efi und Archi hatten zwei Tage in Munnar (im indischen Bundesstaat Tamil Nadu) verbracht. Das dortige Bergland ist vor allem für seine ausgedehnten Teeplantagen bekannt. Während Efi verschiedene Läden aufsuchte, um Tee und Gewürze einzukaufen, schilderte Archi dem zufällig anwesenden EfI-Reporter ihre Erlebnisse in Jodhpur. Die Antworten auf die Wisssensfragen, die in der bald darauf erschienenen Kursfolge gestellt wurden, gab er ihm gleich mit auf den Weg. Hier sind sie: 1. Jodhpur kam im Jahr 1818 unter britische Kontrolle. 2. "Fürstenstaaten" waren Territorien, die von formal unabhängigen indischen Herrschern regiert wurden, jedoch unter britischer Oberhoheit standen. – Doch nun auf nach Kochi (Impressionen der Stadt vermittelt eine Bildergalerie).

Im Bericht kursiv geschriebene Begriffe finden sich – wie üblich – am Textende übersetzt.

Kochi – Küstenflair

Kochi – ehemals "Cochin" liegt an der Malabarküste im Bundesstaat Kerala. Den Staat bezeichnen Einheimische gern als "Gottes Heimstatt" oderBoote, Fischernetz, Hafen "Gottes Heimatland". Unter Verweis auf Götter machen findige Menschen seit jeher treffliche Geschäfte und so dient diese Bezeichnung denn auch als Marketinginstrument, um den in- und ausländischen Fremdenverkehr anzukurbeln. Tatsächlich ist Kerala von der Natur in mancherlei Hinsicht verwöhnt, die Bevölkerung vergleichsweise gebildet und wohlhabend. Mit 600.000 Einwohnern (2011) ist Kochi Keralas zweitgrößte Stadt, zugleich Zentrum des größten Metropolraumes. Bemerkenswert ist, dass Kochi – untypisch für Indiens Städte – einen geringfügigen Frauenüberschuss aufweist.

Efi und Archi erreichten die Stadt zur Mittagszeit. Kochis räumliche Gliederung trat bereits auf dem Weg zum Hotel hervor. Die Fahrt führte durch die auf dem Festland gelegene Neustadt, Ernakulam, über eine Mautbrücke in die auf einer Halbinsel gewachsenen alten Stadtbezirke Fort Kochi und Mattancherry. Weitere bedeutende Stadtteile bilden die Inseln Bolghatty, Vallarpadam und Vypeen sowie die im Zuge einer Hafenerweiterung ab 1920 aufgeschüttete Insel Willingdon.

Nach der Anmeldung im günstig gelegenen Hotel begaben sich Efi und Archi in die nördliche Altstadt. Sie wussten, dass Kochi keine monumentalen historischen Bauwerke besitzt wie die vorher in Tamil Nadu besuchten Städte Madurai und Thanjavur (siehe Bildergalerien). Die Altstadt lockt vielmehr mit einem Zusammenspiel kleingliedriger baulicher Strukturen und Ensemble. Das (Alt)Stadtbild ist im Wesentlichen europäisch geprägt. Da die einstige Hauptstadt des Königreiches Cochin – gerühmt als "Königin des Arabischen Meeres" – eine bedeutende Rolle im Gewürzhandel spielte, weckte sie unausweichlich die Begehrlichkeit europäischer Seemächte. Es waren Portugiesen, die Kochi 1503 als erste europäische Kolonie auf dem Subkontinent vereinnahmten und durch eine Festung, Fort Manuel, sicherten. Im 17. Jahrhundert eroberten Niederländer das tropisch heiße Handelszentrum, ihnen folgten Briten. Erwähnenswert erscheint, dass Kochis Aufstieg zum überragenden HandelszentrumFischer an den Chinesischen Netzen Südwestindiens mit einer Flut begann, die 1341 eine bedeutendere Nachbarstadt verheerte und Kochi ein natürliches Hafenbecken bescherte.

Efi und Archi besichtigten einige Kirchen, bevor sie den Festungsüberresten zustrebten. In deren Vorfeld befindet sich Kochis touristische Hauptattraktion – die seit Jahrhunderten genutzten "Chinesischen Fischernetze". Es handelt sich um ortsfeste, (hier) an Land errichtete Konstruktionen, die von jeweils mehreren Männern bedient werden. Entsprechende Fischereianlagen erheben sich an anderer Stelle auch unmittelbar aus Kochis Lagune. (Bild 1, oben rechts: beschauliche Szene mit fernem Hafenhintergrund. Bild 2, links: Fischer beim Anheben des netztragenden Auslegers; aufgenommen vom Verfasser im März 2012). Der Fang wird vorwiegend direkt an den Netzen auktioniert. Erst als die Sonne tief am Horizont stand, kehrten Efi und Archi zurück in ihre Unterkunft.

Am nächsten Morgen sahen sich beide den Holländischen Palast an, der lange Zeit als Wohnsitz der einheimischen Königsfamilie diente. Von außen mutet das Bauwerk wenig prunkvoll an, im Inneren entfaltet sich hingegen die Pracht erlesener Wandmalereien. Anschließend fuhren unsere Reisenden hinüber nach Ernakulam. Shashi, ihren ortskundigen Fahrer, verblüffte, dass sich beide für moderne Hochhäuser, Großwohnsiedlungen, Hotelimmobilien, Bürogebäude und Baustellen interessierten. Die vielfältigen, oft großmaßstäbigen baulichen Aktivitäten vermitteln einen Eindruck der örtlichen Entwicklungsdynamik. In ihnen spiegeln sich vielfach Probleme, die mit Kochis Bevölkerungswachstum, raumgreifender Umlandverstädterung und wirtschaftlicher Expansion einhergehen. Die Stadt leidet unter überlasteten, teils heillos überalterten Infrastrukturen: Die Wasserversorgung gestaltet sich schwierig, das Straßennetz ist dem wachsenden Verkehrsaufkommen nicht gewachsen, der öffentliche Personennahverkehr hinkt dem Bedarf hinterher und hinsichtlich der Stromversorgung gilt dasselbe. Viele laufende Bauprojekte lösen ein Problem, werfen zugleich jedoch neue auf oder verschärfen bestehende. Die Besichtigung zahlreicher Neubauten und aktiver Baustellen offenbarte es deutlich. Erst nach Stunden erschöpfte sich Efis und Archis diesbezüglicher Elan (Bild 3, rechts: Modernes Wohnhochhaus am Marine Drive, der Küstenpromenade Kochis; aufgenommen im März 2012). Nun richtete sich ihre beruflich unterlegte Neugier auf maritim orientierte Einrichtungen, in denen sich Kochis traditionell enge Verbindung zum Meer spiegelt. So besitzt die vergleichsweise kleine Stadt einen gigantischen Umschlagshafen, eine der größten Werften landesweit, Indiens (bei Redaktionsschluss) einzigen Yachthafen und große Raffinerien. Modernes Wohnhochhaus in ErnakulamIrgendwann verwies ihr Fahrer zwischentönig auf nagende Hungergefühle. Kurzerhand luden sie ihn zum Essen in seinem bevorzugten Speiselokal ein. Er nahm – bei indischen Fahrern selten der Fall – an. Wie zumeist während ihrer langen Reise waren Efi und Archi die einzigen Ausländer auf weiter Flur. – Freundlich begrüßt, unverkrampft beäugt und mit Nachschlag bedacht.

Das aufgesuchte Lokal lag unweit des traditionellen, von kleinen Geschäften, Marktständen und fliegenden Händlern geprägten Einkaufsviertels. Dorthin zog es Efi und Archi. Einmal mehr fiel auf, dass der Süden gedecktere Farben trägt als das farbenfrohe Rajasthan. Und noch etwas bemerkten Efi und Archi: Ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung bevorzugt westliche Kleidung. Spannend und abwechslungsreich gestaltete sich der Bummel dennoch. So stießen Efi und Archi auf Spezialgeschäfte, die es in Europa kaum noch gibt. – Einen Laden für Regenschirme, beispielsweise. Archis freudiger Gesichtsausdruck veranlasste die offenherzige Belegschaft umgehend zu einer Fotografiereinladung. Als er nach einem regen Gespräch auf der Straße auftauchte, schmunzelte er einer suchend ausschauenden Efi entgegen. Gut, dass sie ein ahnungsvoller Hauch gestreift hatte, wie sich ein Mann fühlt, dessen Begleiterin fortwährend in Läden entschwindet. Efi lachte und nahm, eine Gasse weiter, die Stufen zu einem auf Nüsse spezialisierten Großhandelsgeschäft (Bild 4, links unten: Marktgasse in Ernakulam; aufgenommen im März 2012). Weiter ging es zum nahen Obst- und Gemüsemarkt. Ein greiser Teekocher freute sich, in Archi einen Kunden gewonnen zu haben und füllte den Aufguss schwungvoll in die Becher; ein Händler interessierte sich dafür, welche seiner akribisch sortierten Früchte im fernen Europa wuchsen, Kinder wollten wissen, woher Efi kam, wie sie hieß und ob sie in Kochi bleiben würde. So reihten sich kleine, einmal erheiternde, ein andermal besinnlich stimmende Begebenheiten aneinander.

Abends, bis lange nach Sonnenuntergang, saßen Efi und Archi zusammen und ließen Erlebnisse, Eindrücke und Empfindungen Revue passieren. Und so beschließen wir auch diese Kursfolge mit einer diesmal zweiteiligen Wissensfrage: 1. Welcher europäische Seefahrer und Entdecker verstarb 1524 in Kochi bzw. dem damaligen Cochin? 2. In welchem Bauwerk wurde er bestattet (bevor seine Überreste ins Heimatland überführt wurden)?

Übersetzungen

Altstadt = historic city center (US) / centre (UK); old (part of) town ⇔ Baustelle = building site; construction site ⇔ Bauwerk = building; structure (konstruktiv) ⇔ Bevölkerungswachstum = population growth ⇔ Bundesstaat = federal state ⇔ Bürogebäude = office building ⇔ Einkaufsviertel = shopping district ⇔ Einrichtungen = (hier) facilities ⇔ Einwohner = citizen (rechtlich); inhabitant; population (gesamtheitlich) ⇔ Fassade = facade; façade ⇔ Festung = fort; fortress ⇔ Fischereianlage = fishing faciliy Marktgasse in ErnakulamFürstenstaat (in Britisch-Indien) = Princely State; Native State ⇔ Gasse = alley (insbesondere Durchgang); lane ⇔ Gebäude = building ⇔ Geschäft (Laden) = shop (UK); store (US) ⇔ Gottes Heimatland = God's Own Country ⇔ Gottes Heimstatt = God's Own Place ⇔ Großhandelsgeschäft = wholesale shop (UK); wholesale store (US) ⇔ Großwohnsiedlung = large housing estate; large residential estate ⇔ Hafen = harbor (US); harbour (UK); port ⇔ Hafenbecken = harbor (US) / harbour (UK) basin ⇔ Hafenerweiterung = harbor (US) / harbour (UK) extension ⇔ Halbinsel = peninsula ⇔ Handelszentrum = center of trade (US); centre of trade (UK); trade / trading center (US) / centre (UK) ⇔ Hauptstadt = capital; capital city ⇔ Hochhaus = high-rise building ⇔ Holländischer Palast = Dutch Palace ⇔ Hotelimmobilie = hotel property ⇔ Indien = India ⇔ Jahrhundert = century ⇔ Kirche (die gebräuchlich Bezeichnung ist unkorrekt, da "Kirche" für eine Glaubensgemeinschaft steht; an sich ist von "Kirchenbauwerk" bzw. "Kirchengebäude" zu sprechen) = church; church building ⇔ Kolonie = colony ⇔ Königin des Arabischen Meeres = Queen of (the) Arabian Sea ⇔ Königreich = kingdom ⇔ Laden (Geschäft) = shop (UK); store (US) ⇔ Lagune = lagoon ⇔ Markt = market ⇔ Marktstand = (market) booth; market stall; market stand ⇔ Metropolraum = metropolitan area ⇔ Mautbrücke = toll bridge ⇔ Obst- und Gemüsemarkt = fruit and vegetable market ⇔ Öffentlicher Personennahverkehr = public local transport (system) ⇔ Palast = palace ⇔ Raffinerie = refinery ⇔ Räumliche Gliederung = spatial structure ⇔ Spezialgeschäft = specialist shop (UK); specialty store (US) ⇔ Stadt = town (bezogen auf die Kleinstadt Munnar); city (bezogen auf die Großstadt Kochi) ⇔ Stadtbezirk = borough (UK); city district ⇔ Stadtbild = cityscape; townscape ⇔ Straße = (hier) street ⇔ Stromversorgung = (electric) power supply ⇔ Stufe = step ⇔ Teeplantage = tea plantation ⇔ Umlandverstädterung (Vorortausbildung) = suburbanisation (UK), suburbanization (US) ⇔ Umschlagshafen = transshipment harbor (US) / harbour (UK) ⇔ Unterkunft = accommodation ⇔ Werft = shipyard ⇔ Wandmalerei = mural painting ⇔ Wasserversorgung = water supply ⇔ Wohnsitz = residence ⇔ Yachthafen = marina