EfI-Englischkurs: Jodhpur – Zeitenspiegel

Einführung

Hinter Efi und Archi lagen bereits viele erlebnisreiche Tage, als sie nach Jodhpur aufbrachen. – In die "Blaue Stadt". Anders als das "Pink City" genannte Jaipur, das von oben betrachtet keineswegs rosarot anmutet, prangt das am Rand der Wüste Thar gelegene Jodhpur – von der Höhe des Mehrangarh-Forts angesehen – tatsächlich im namensgebenden Blau. Bevor wir uns Efis und Archis dortigen Erlebnissen zuwenden, sind die Wissensfragen aus dem Bericht zu Delhi zu beantworten: 1. Zur Hauptstadt des Mogul-Reiches wurde Delhi unter Barbur, dem Begründer der muslimischen Mogul-Dynastie. 2. Es war Akbar, der Fatehpur Sikri erbauen ließ und Delhi – wenn auch nur für einige Jahre – die Hauptstadtrolle nahm. 3. Den letzten Mogul, Bahadur Shah, nahmen die Engländer in Humayuns Grabmal gefangen.

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Jodhpur – Zeitenspiegel

Die 1459 gegründete Großstadt Jodhpur liegt im indischen "Wüstenstaat" Rajasthan. Der Stadtname klingt nach Tausend und eine Nacht, bedeutet jedoch nur "die Stadt von Jodha" bzw. Hauptmarkt von Jodhpur"Jodhas Stadt". Eben jener Rao Jodha war Oberhaupt des Rathore-Clans, einer Rajputen-Linie. Ausgehend von Jodhpur eroberte er weite Landstriche, die zum Königreich Mawar – nicht zu verwechseln mit dem Herrschaftsgebiet der in Udaipur ansässigen Mewar – wurden.

Bereits an der Stadtgrenze fiel Efi auf, wie sauber Jodhpur gemessen an anderen besuchten Städten wirkte. Diesen erfreulichen Umstand schrieben unsere Reisenden einer funktionierenden Müllabfuhr zu. Tatsächlich kehrten ganze Heerscharen jede Straße und jeden Platz und karrten Unrat fort. Ob das am Einfluss des Maharajas liegen mochte, der – später zu vertiefen – herausragende Leistungen im Bereich des Denkmalschutzes vollbrachte? Nein, mitnichten. Ein Guru steckte dahinter. Der auf Rundreise gehende Mann hatte sich in den Kopf gesetzt, einzig saubere Städte mit seiner Gegenwart zu beehren und so machten sich 50.000 seiner Anhänger aus dem fernen Bundesstaat Uttar Pradesh auf, um ihm zu genügen. Derlei dürfte einzig in Indien möglich sein.

Archi hoffte, die vorgebuchte Herberge würde Efi zusagen. Optimistisch war er diesbezüglich nicht, da ihre vorherige Bleibe die Messlatte ausnehmend hoch gelegt hatte. Die Anfahrt durch enge und enger werdende Altstadtgassen gestaltete sich nach europäischen Maßstäben abenteuerlich. Efis und Archis während einer fast dreiwöchigen gemeinsamen Tour stets munterer Fahrer, Vishnu, meisterte auch diese Herausforderung bravourös. Von außen sah die angesteuerte Unterkunft wenig anziehend aus. Dann ein Aha-Erlebnis: Im Inneren entfaltete sich der Charme des Gebäudes. Es war ein Haveli, eines der alten, oft prunkvoll gestalteten Kaufmannshäuser, die in Rajasthan – von Kota über Bundi, Udaipur, Jodhpur und Jaisalmer bis Mandawa – vom einstigen Wohlstand einer rührigen Händlerschaft künden.

Nachdem Efi undTurmanlage vor dem Haupttor der Mehrangarh-Festung Archi ihre leichtes Gepäck aufs Zimmer gebracht hatten, strebten sie dem nahen, von zwei Torfahrten und einem Uhrenturm geprägten Hauptbasar entgegen. Das pulsierende Herz der Stadt breitet sich ausgehend von einem zentralen Platz über ein Gassennetz aus (siehe Bild 1, aufgenommen im Januar 2012); im rechten Hintergrund der Uhrenturm). Efi bemühte sich fühlbar, den Lockungen ausgebreiteter Waren zu widerstehen. Es war Archi, der sie ermunterte, sich auf ein Schwätzchen mit einer der vielen Sari-Verkäuferinnen einzulassen, die ihre bunten Stoffbahnen am Straßenrand feilboten. Weshalb Efi zwei Saris erwarb, fragte sie sich kurz nach dem abgeschlossenen Handel selbst. Wenig später sprach sie ein fröhlicher Mann an, der ihr sein Ladengeschäft zeigen wollte. Oder das seines Schwagers. Oder das seines Cousins. Efi und Archi lehnten dankend ab. Bald schmunzelnd, weil der pfiffige Geselle ihren Weg immer wieder kreuzte. – Rein "zufällig", versteht sich. Als Efi einen Tuchladen betrat, pflanzte er sich auf dessen Stufe und gab sich den Anstrich, sie zu diesem Geschäft geführt zu haben. Nach einer Stunde waren sich Efi und der Händler einig: Sechs Schals wechselten den Eigentümer. Anschließend bummelten Efi und Archi durch den Obst- und Gemüsemarkt. An einem Marktstand sprach sie ein Junge an und warnte sie davor, sich von Jungen ansprechen zu lassen. Die würden sie nur zu Geschäften führen wollen, um dort Provisionen einzustreichen. Der kleine Schelm lud sie umgehend ein, sich im Laden seines Onkels umzusehen. Efi vertröstete ihn auf den nächsten Tag und suchte eine Tee- und Gewürzhandlung auf.

Abends, bei einem Thali auf der Dachterrasse des Haveli, genossen Efi und Archi die Aussicht auf das greifbar nah erscheinende Mehrangarh-Fort (auch "Meherangarh"). Die gewaltige Festung erhebt sich auf einem über 120 m hohen Bergrücken. Das mächtige Bollwerk, das unter aufeinanderfolgenden Herrschern der 700 Jahre alten Mawar-Dynastie entstand, thront raumbeherrschend über Jodhpurs Dachlandschaften. Am nächsten Morgen machten sich Efi und Archi auf, um die Anlage zu besichtigen. Durch steile Gassen begaben sie sich hinauf zum äußeren Haupttor der Festung, deren Verteidigungsmauern stellenweise nahezu 40 m hoch aufragen. Besonders spektakulär: die Turmanlage vor dem inneren Haupttor (siehe Bild 2 sowie die Fotoserie zur Festung). Dessen überbauter Zuweg knickt unvermittelt um 90 Grad ab. – Ein Kniff, der vereitelte, dass Kriegselefanten hinreichend Anlauf nehmen und das Tor aufsprengen konnten. Von Feinden eingenommen wurde Mehrangarh übrigens nie, obwohl die Wasserversorgung handfeste Schwierigkeiten aufwarf. Jedes einzelne Gebäude, jede Fassade, jeder Hof der Palastfestung wurde unverwechselbar gestaltet. Im Verbund ergibt sich ein harmonisches Ganzes. Kunstsinn, Stilempfinden und Liebe Frauentrakt der Mehrangarh-Festungzum Detail verrät auch die Innenarchitektur. Maharaja Shri Gaj Singh II (offiziell gewöhnlicher Staatsbürger) gelang das Kunststück, die einst verwahrloste Anlage zu einer u. a. durch erstklassige Ausstellungen und lebendige Vorführungen bestechenden Attraktion zu machen. Weltklasse! Das erste hierzu benötigte Geld verdiente der findige Mawar durch den Verkauf von Fledermauskot, der sich in den Hallen und Gemächern angesammelt hatte, und einen guten Dünger abgibt (Bild 3 erschließt einen Blick in den Frauentrakt). In der Palastfestung befindet sich u. a. der erste professionell aufgezogene Museumsladen Indiens. Selbstredend verschwand Efi in dieser kleinen Schatzkammer, während Archi fotografieren ging. Sie begeisterte sich für einen Armreif aus Kamelknochen, verkniff sich den Kauf jedoch. Sie wirkte bekümmert, als sie Archi von dem schönen, 350 Rupien (damals 5,50 €) kostenden Reif erzählte. Er bat sie mehrfach, das Schmuckstück zu erwerben; sie unterließ es – und bedauerte den Archi unverständlichen Verzicht über die Reisedauer hinaus.

Mittags unternahmen Efi und Archi einen Abstecher zum Umaid-Bhawan-Palast. Auf dem Chittar Hill gelegen, setzt das kolossale Bauwerk einen optischen Kontrapunkt zur Mehrangarh-Festung. Der von Ferne an das Taj Mahal erinnernde Maharaja-Palast besitzt annähernd 350 Zimmer und ein unterirdisches Schwimmbad. Die Grundsteinlegung erfolge 1929, vollendet wurde der sündhaft teure Komplex erst 14 Jahre später, nämlich 1943. Architektonisch entschieden reizvoller stellt sich das zierlich anmutende Jaswant Thada dar. Einige Wände des vollständig aus weißem Marmor errichteten Gebäudes werden bei entsprechendem Sonnenstand durchscheinend. Das von einem Garten umgebene Kleinod dient u. a. als Verbrennungsstätte für Verstorbene Angehörige der früheren Herrscherfamilie (siehe Bild 4 sowie die Bildergalerie).

Abends stromerten Efi und Archi neuerlich durch Jodhpurs Basar. Wieder und wieder wurden sie begrüßt wie liebgewonnene Bekannte, mehrfach auf eine Jaswant ThadaTasse Tee eingeladen. Bei einem Plausch mit einem Gastgeber kamen Efi und Archi auf die abschließenden Wissensfragen: 1. Wann geriet Jodhpur unter britische Kontrolle? 2. Nachdem die Briten das Ruder übernommen hatten, wurde Jodhpur zum "Fürstenstaat" erklärt – was waren Fürstenstaaten?

Übersetzungen

Anlage = (hier) complex ⇔ Architektonisch = architectural ⇔ Aussicht = view; vista ⇔ Ausstellung = exhibition ⇔ Basar = bazaar ⇔ Bauwerk = building; structure (konstruktiv) ⇔ Bergrücken = (mountain) ridge ⇔ Bollwerk = (hier) stronghold; bulwark (einzelnes Werk) ⇔ Bundesstaat = federal state ⇔ Dachlandschaft = roofscape ⇔ Dachterrasse = roof-deck; roof terrace; sun roof; ⇔ Denkmalschutz = protection of historic(al) monuments; preservation of historic monuments (Erhalt) ⇔ Fassade = facade; façade ⇔ Festung = fort; fortress ⇔ Fürstenstaat (in Britisch-Indien) = Princely State; Native State ⇔ Garten = garden ⇔ Gasse = alley (insbesondere Durchgang); lane ⇔ Gassennetz = network of alleys; network of lanes (seltener) ⇔ Gebäude = building ⇔ Gegend = area ⇔ Gemach = chamber ⇔ Geschäft (Laden) = shop (UK); store (US) ⇔ Großstadt = big city (da wirklich groß) ⇔ Grundsteinlegung = groundbreaking; groundbreaking ceremony (die Feier); laying of the foundation stone ⇔ Halle = hall ⇔ Hauptbasar = main bazaar ⇔ Haupttor = main gate ⇔ Herberge = hostel ⇔ Hof = yard, courtyard ⇔ Indien = India ⇔ Innenarchitektur = interior design ⇔ Kaufmannshaus = merchant's house ⇔ Ladengeschäft = shop (UK); store (US) ⇔ Markt = market ⇔ Marktstand = (market) booth; market stall; market stand ⇔ Marmor = marble ⇔ Müllabfuhr = garbage collection service (US; Entsorgungsträger); garbage collection system (US); garbage disposal system; refuse collection; refuse disposal system ⇔ Obst- und Gemüsemarkt = fruit and vegetable market ⇔ Palast = palace ⇔ Platz = plaza; square ⇔ Schatzkammer = treasure chamber; treasure room; treasury ⇔ Schwimmbad = swimming pool ⇔ Stadt = city (Großstadt); town (Klein- und Mittelstadt) ⇔ Stadtgrenze = city boundary; city limits ⇔ Straße = road (bei überörtlichem Bezug); street (bei rein innerörtlichem Bezug) ⇔ Straßenrand = curbside (US); kerbside (UK) (hier gegenüber "roadside" zu bevorzugen, da eine innerörtliche Straße angesprochen ist) ⇔ Stufe (einer Treppe) = step ⇔ Torfahrt = gateway ⇔ Uhrenturm = clock tower ⇔ Unterkunft = accommodation ⇔ Verbrennungsstätte (für Verstorbene) = cremation ground; cremation place (seltener) ⇔ Verteidigungsmauer = defence wall (UK); defense wall (US) ⇔ Wand = wall ⇔ Wasserversorgung = water supply ⇔ Wüstenstaat = desert state ⇔ Zimmer = room