EfI-Englischkurs: Delhi – Stadtfacetten

Einführung

Efi erwog, den ersehnten Urlaub in Thailand zu verbringen, Archi schlug Indien vor. Dort, in der Hauptstadt Delhi, landeten beide nach rekordverdächtig kurzer Reisevorbereitung. Bevor der Berichterstatter erste Episoden einer sechswöchigen Reise schildert, seien die Wissensfragen aus der Kursfolge zu Praslin beantwortet: Bei der gesuchten Pflanze handelt es sich um die Coco de Mer; deren Nuss erreicht ein Gewicht von bis zu 22 kg; ihre Form erinnert an ein weibliches Becken. Neben Praslin gedeiht sie auf der kleinen Insel Curieuse.

Im Bericht kursiv wiedergegebene Begriffe finden sich – wie üblich – am Seitenende übersetzt.

Delhi – Stadtfacetten

Um drei Uhr morgens landete die Maschine auf Delhis Indira-Gandhi-Flughafen. Den nach einiger Zeit erreichten Hotelstandort empfand Efi als schauderhaft. Sie rechnete mit weiteren unerfreulichen Überraschungen, als Archi die zum Bezirk Karol Bagh gehörende Gegend als Mischnutzungsgebiet gehobener Art einstufte. Efis Stimmung war keine gute; die Unterkunft schien ihr eine Absteige zu sein, das nach kurzem Schlaf ansatzweise erkundete Humayuns GrabmalLabyrinth von Gassen und Straßen im Umfeld reif für einen flächenhaften Abriss. Archi zog die Reißleine, hielt ein bereits im Anhalten begriffenes Tuk-Tuk an. Er wollte zum Connaught Place – genau genommen zum Mittelpunkt des von mehreren Ringstraßen gebildeten Geschäftszentrums von Neu-Delhi. Letzteres vergaß er zu betonen und so chauffierte der munter plaudernde Dreiradlenker die Reisenden zu einem "Markt", dessen Verkaufsfläche sich auf ein Gebäude beschränkt, das eine der stadtweit bekanntesten Touristenfallen darstellt. Angesichts der Neppeinrichtung hellte sich Efis Laune auf. Sie guckte, lotete Verhandlungsspielräume aus, verließ den Ort allerdings, ohne eingekauft zu haben. Wohin nun? Leider hatten die meisten normalen Geschäfte an diesem Tag geschlossen, wodurch aufheiternde Erwerbsaktivitäten ausfielen. Um Efis von Delhis Verkehrstrubel gereiztes Nervenkostüm zu beruhigen, bat Archi den wartenden Tuk-Tuk-Kapitän, sie zu Humayuns Grabmal zu bringen. Die ab 1562 in achtjähriger Bauzeit errichtete Ruhestätte des zweiten Mogul-Kaisers zählt zu den Welterbestätten (siehe Bild 1, aufgenommen im Januar 2012). In vielerlei Hinsicht bildete das eindrucksvolle Mausoleum die Vorlage für das weltweit berühmteste Grabmal – das Taj Mahal in Agra (Uttar Pradesh). Efi begeisterte das mit einem wunderbaren Zusammenspiel von Architektur und Gartenanlage aufwartende Monument. Deutlich entspannter fuhren beide dem nächsten Ziel entgegen, den Lodi-Gärten. Gemessen an Delhis weithin beengten räumlichen Verhältnissen stellt die überschaubare Anlage einen ausgewachsenen Erholungspark dar.

Der Abend klang bei einem Essen in einem ausschließlich von Einheimischen besuchten Lokal aus. Noch gefiel Efi Delhi keineswegs, doch das sollte sich ändern. Als beide aus Rajasthan zurückkehrten, empfing sie das Hotelpersonal wie eine liebgewonnene Bekannte, der Stadtteil verströmte einen Hauch charmanter Unsortiertheit und die Bevölkerung wirkte erheblich freundlicher.

Am Morgen nach ihrer zweiten Ankunft in Delhi machten sich Efi und Archi zu einer ausgiebigen Stadtbesichtigung auf. Zunächst ging es nach Neu-Delhi, das im Kern eine nach Entwürfen von Edwin Lutyens und Herbert Baker verwirklichte Planstadt darstellt, deren Bau 1929 abgeschlossen wurde; ihre Einweihung erfolgte 1931.Markt in Shahjahanabad Lutyens Stadtentwicklungsplan unterlegte eine von allen Kolonialmächten gehegte Absicht, ihre gegenüber einheimischen Bevölkerungen empfundene sozio-kulturelle Überlegenheit gleichsam in Stein zu meißeln. Kurzum: Mit Neu-Delhis Entwicklung wurde der scheinbar ungeordneten, verwinkelten, weithin kleingliedrig geprägten "indischen Stadt", eine klar strukturierte, von langen, ausnehmend breiten Sichtachsen und monumentalen Bauwerken dominierte Antithese entgegengestellt.

Efi und Archi steuerten das Regierungsviertel an, in dem zarte Dunstschleier strahlendem Morgenlicht zu weichen begannen. Weiter ging es zum India Gate, einem schlichten Denkmal, dessen Form an einen Triumphbogen erinnert. Hier setzte sich ein während der Reise unablässig erlebtes Schauspiel fort: zahllose Inder baten Efi und Archi, sie ablichten zu dürfen und fotografiert zu werden – vorzugsweise Seite an Seite mit dem weiblichen Part des Duos. Irgendwann gelang es Archi, seine vereinnahmte Begleiterin loszueisen und nach Shajahanabad zu entführen, ins alte Delhi, in die Stadt Shah Jahans und nachfolgender Herrscher der Mogul-Dynastie. Ihn zog es zum Gewürzmarkt (siehe Bild 2). Der straßenbegleitende Markt lockt mit wehenden Düften und berauschenden Farben, doch spiegelt sich (auch) in seinem Gefüge eine eindrücklich erfahrbare gesellschaftliche Spaltung wider.

Nach einem längeren, von allerlei Schwätzchen begleiteten Bummel suchten Efi und Archi die in Sichtweite des Roten Forts aufstrebende Jama Masjid auf, die drittgrößte Moschee der Erde (Bild 3). Das selbstherrlich-unverschämte Auftreten des Jama Masjid"Personals" brachte Efi auf die sprichwörtliche Palme; es lieferte ein Beispiel für ein uraltes, weltumspannend beobachtbares Phänomen: Religion wird zum Geschäft, zur Daseinsgrundlage hemmungslos schmarotzender Kreise. Allemal erfreulicher ging es im Basar an der Chandni Chowk zu. Der nach Warengruppen gegliederte Markt – abseits der Hauptachsen ein Gewirr schmaler, verwinkelter Gassen und Gässchen – zählt zu den größten auf dem Subkontinent. Archi fand sich mühelos in ihm zurecht. – Wenig verwunderlich, da orientalische Basare – dem ersten Augenschein zuwider – nachvollziehbar angelegt sind. Die Himmelsrichtungen sollte man sich freilich merken, begibt man sich als Ortsfremder hinein.

Abends gingen Efi und Archi nahe ihres inzwischen auch von Efi geschätzten Hotels essen. Als der unschwer als Sikh zu erkennende Inhaber des aufgesuchten Restaurants – auch er auffallend von Efi angetan – ihnen seine zweite, erst kürzlich eröffnete Futterkrippe zeigte, vollendete sich Efis fortgeschrittener Wahrnehmungswandel windgeschwind: vor ihren Augen lag eine lange, bunte, wunderbar quirlige Einkaufsstraße, die sich bei einem drei Wochen später anschließenden neuerlichen Aufenthalt in Delhi als riesiges Einzelhandelsviertel erwies.

Efi wirkte ein bisschen wehmütig, als sie Abschied von Indiens Hauptstadt nahm. Archi bemerkte es wohl. Lächelnd bat er sie, sich eine abschließende Frage zu dieser Kursfolge auszudenken. Nun, hier ist das dreiteilige Ergebnis ihres gedanklichen Streifzuges durch die Geschichte einer faszinierenden Stadt: 1. Welcher Herrscher machte Delhi zur Hauptstadt des Mogul-Reiches? 2. Unter welchem Mogul-Kaiser verlor Delhi die Hauptstadtfunktion zeitweilig an Fatehpur Sikri? 3. In welchem Bauwerk – es wird im Bericht erwähnt – wurde der letzte Mogul-Herrscher von den Briten gestellt und gefangen?

Übersetzungen

Abriss (Gebäude) = demolition ⇔ Absteige = dosshouse; flophouse (US); sleazy hotel ⇔ Architektur = architecture ⇔ Basar = bazaar ⇔ Bauwerk = building; structure (konstruktiv) ⇔ Bauzeit = construction period ⇔ Bevölkerung = population ⇔ Denkmal = memorial; monument ⇔ Einkaufsstraße = shopping street ⇔ Einzelhandelsviertel = retail district ⇔ Erholungspark = recreation park ⇔ Gartenanlage = gardens ⇔ Gasse = alley (insbesondere Durchgang); lane ⇔ Gebäude = building ⇔ Gegend = area ⇔ Geschäft (Laden) = shop (UK); store (US) ⇔ Geschäftszentrum = business center; commercial centre (UK); commercial center (US); central business district (ein zentrales, stark bürogepägtes Geschäftsviertel) ⇔ Gewürzmarkt = spice market ⇔ Hauptstadt = capital; capital city ⇔ Hotelstandort = hotel location ⇔ Humayuns Grabmal = Humayun's Tomb ⇔ Indien = India ⇔ Insel = island ⇔ Labyrinth = maze ⇔ Lokal = restaurant (da Speiselokal) ⇔ Mischnutzungsgebiet = mixed use area; mixed-use area ⇔ Moschee = mosque ⇔ Planstadt = master-planned city (da bis ins Detail vorgeplant) ⇔ Ort = place ⇔ Regierungsviertel = government district ⇔ Reise = journey; trip (bei Kurzreisen angemessen) ⇔ Ringstraße = circular road; ring road; ringroad ⇔ Sichtachse = visual axis (Plural = "axes") ⇔ Stadt = city (Großstadt); town (Klein- und Mittelstadt) ⇔ Stadtbesichtigung = city sightseeing ⇔ Stadtentwicklungsplan = city development plan (im konkreten Fall); urban development plan (allgemein) ⇔ Stadtteil = city district; part of (a / the) city / town; urban district (allgemein) ⇔ Straße = street (da innerörtlicher Bezug) ⇔ Touristenfalle = tourist trap ⇔ Triumphbogen = triumphal arch ⇔ Umfeld = surroundings ⇔ Unterkunft = accommodation ⇔ Verkaufsfläche = sales area ⇔ Welterbestätte = World Heritage Site