EfI-Englischkurs: München – Streiflichter

Einführung

München – einer der beiden Wohnorte von Efi und Archi. Der andere ist – wir erinnern uns – Wien. Die Anmerkung führt zur zweiteiligen Wissensfrage aus der Kursfolge zu Wiens Unterwelt. Gesucht waren der Komponist des Dritte-Mann-Themas und das Instrument, auf dem die eingängige Melodie gespielt wurde. Die Antworten: Anton Karas und Zither. Dass auf Schilderungen von Efis und Archis Erlebnissen in Wien und Graz eine Geschichte zu München folgt, liegt keineswegs an einem schlechten Gewissen des Berichterstatters, auch nicht an sich benachteiligt fühlenden Landsleuten. Nein, so ist das nicht, so kleinlich ist Efis deutsche Anhängerschaft keineswegs. Vielmehr griff ich den Wunsch österreichischer Leser auf, über Begebenheiten zu berichten, die unser international gemischtes Doppel in der Isarstadt erlebte. Dafür, dass Archi nicht nur in Österreichs vielen wunderschönen Gegenden eine keineswegs ungeliebte Minderheitenrolle zufällt, sorgte Efi einmal mehr. – Wie? Nun, lesen Sie, wenn Sie denn mögen.

Im Text gesperrt geschriebene Begriffe finden sich – wie gewohnt – am Seitenfuß übersetzt. Vielfältige Ansichten von München vermitteln diverse Bildergalerien.

München – Streiflichter

Es war kurz vor Eröffnung des Oktoberfestes 2011, als Efi und Archi ein befreundetes österreichisches Pärchen begrüßten. Während dieser Zeit summt Bayerns Landeshauptstadt irgendwie. – Ausnahmezustand vor dem großen Rummel, lautet Efis Diagnose. Selbstredend besichtigte die kleine Gruppe die "Wiesn" – so der örtliche Ausdruck für den Festplatz. Die offizielle Bezeichnung ist "Theresienwiese". Schon während der Aufbauphase des Oktoberfestes ist die Wiesn ein beliebter Besuchsort von Einheimischen, Zugereisten (mundartlich "Zuagroasten"; nicht in München Geborene bzw. keine Alteingesessenen) und Stadtbesucher. Bekannt ist das Fest für seine Zelte, die allerdings keine sind. Vielmehr handelt es sich um veritable Gebäude, die jeweils viele Tausend Besucher fassen. Ihre Holzkonstruktion entwarfen Meister der Statik. Unser Viergspann erkannte das, weil das Innere bereits erstellter Gebäude und noch im Bau befindlicher Objekte eindrucksvolle Einblicke ermöglichte (mehr hierzu in der Bildergalerie Oktoberfest – der Aufbau). Welche Logistik der Festaufbau erfordert, verdeutlichten zahllose an- und abrollende Lkw und das eine oder andere aushängende Datenblatt. Beispielsweise bringt es eine Achterbahn auf ein Gewicht von 1.050 Tonnen, Karlstordas 50 m hohe Riesenrad immerhin noch auf mehrere 100 Tonnen.

Von der Wiesn ging es dem Hauptbahnhof entgegen, dessen unansehnliche Fassade so gar nicht mit dem Anspruch einer "Weltstadt mit Herz" – ein Münchener Marketingslogan – in Einklang steht. Es lockte die Fußgängerzone der Innenstadt. – Schließlich war Efis Freundin kauflustig angereist und auch Efi neigte einem Bummel zu. Nachdem das Karlstor am umgangssprachlich "Stachus" genannten Karlsplatz hinter ihnen lag (siehe Bild 1), stürmten beide Damen Warenhäuser und Fachgeschäfte. Die Männer seilten sich in Richtung einer brauereibetriebenen Bierstube ab, deren in München zahlreich anzutreffende Vertreter kurz als Bräu bezeichnet werden und räumlich darauf ausgelegt sind, Hunger und Durst einer ganzen Dorfpopulation zu stillen. Vermutlich erklärt sich die Erfindung des Maßkruges einzig aus laufwirtschaftlichen Erwägungen. Wie auch immer: Besser, in eine lärmende Bierschwemme einkehren, als mit Plattfüßen zu erwachen, dachte er. Wenige Schritte weiter verblüffte ihn sein Begleiter, als der unvermittelt im Eingang eines vielstöckigen Gebäudes verschwand. "Gleich wieder da", signalisierte der Entschlossenheit spiegelnde Wiener. Zehn Minuten später kehrte er von Tüten beschwert und um Hunderte Euro leichter zurück. Wiesn-Ausstattung, mutmaßte Archi, von der hirschledernen Hose bis zu Haferlschuhen. So war es. "Einkaufen geht man am Ende eines Stadtrundgangs", belehrte er seinen Begleiter kopfschüttelnd. Der zuckte die Achseln. Zwei Helle später kehrten die Damen ohne jede Erwerbung zurück. Verkehrte Welt, dachte Efi schmunzelnd, als die Gruppe aufbrach. Ihre erste Anlaufstelle war die Frauenkirche, die eine Marienkirche ist und eigentlich "Dom zu Unserer Lieben Frau" heißt. Das Bauwerk mit seinen beiden mächtigen, fast 100 Meter aufragenden Türmen wurde ab 1468 innerhalb von nur zwei Jahrzehnten im Stil der süddeutschen Backsteingotik errichtet (siehe Bild 2). Nebenbei bemerkt: Bisweilen abgehende Dachlawinen machen das Umfeld der Kirche zur Gefahrenzone. – Eine von Warntafeln betonte Tatsache, die Archi zu der stillschweigenden Frage bewog, was sich Anhänger erfundener Himmlischer wohl dabei dachten, von ihren Hirngespinnsten mit Schnee, Eis und Dachziegeln beworfen zu werden. Nach einer Besichtigung des Kircheninneren gingen unsere Stadtbummler zum Neuen Rathaus am Marienplatz. ErbautFrauenkirche wurde der platzbeherrschende Gebäudekomplex zwischen 1867 und 1909 im neugotischen Stil. Wie so oft scharten sich erwartungsvoll aufwärts starrende Touristen vor der angegrauten Fassade. "Das Glockenspiel", erklärte Efi ihren verwundert aufschauenden Gästen, "Ein kreisender Kranz 32 lebensgroßer Figuren". Ihr mit Einkaufstüten ringender Begleiter genoss die ersehnte Pause. Sie währte nur kurz.

Efi zog es zum Odeonsplatz bzw. zur Theatinerkirche, die eigentlich "Stiftskirche St. Kajetan" heißt. Die imposante, 1675 eingeweihte Kirche war das erste im Stil des italienischen Spätbarock erbaute Sakralbauwerk nördlich der Alpen. Zum Glück für den reuig aus der Wäsche guckenden Festmonturkäufer befindet schräg gegenüber, dem Hofgarten vorgelagert, ein gastronomischer Betrieb. Er ist eine Vergnügungsstätte besonderer Art. Wenn es die Witterung zulässt – das ist in München immer der Fall, wenn es nicht aus Kübeln regnet, Bauklötze hagelt oder Schneebälle schneit – stehen dort Stuhlreihen, die alle nach Süd-West-Süd ausgerichtet sind. Und auf diesen sitzen Gästescharen, die Passantengucken spielen. – Ein echter Spaß. Vor allem, wenn man die Gucker begafft.

Vorbei an Residenz, Nationaltheater (siehe Bild 3) und Opernhaus schlenderte die Gruppe zum Viktualienmarkt, dem berühmten Lebensmittelmarkt der Stadt ("Viktualien" ist ein alter Begriff für "Lebensmittel"). Der unweit des Rathauses gelegene Platz bildet einen beliebten, von Futterkrippen und Biergärten durchsetzten Treffpunkt. Selbst Einheimische kennen vielfach nur den einen oder anderen der sechs Gedenkbrunnen, deren Skulpturen bekannte Persönlichkeiten, darunter Karl Valentin und Liesl Karlstadt, abbilden. Der Tütenträger des Gespanns beäugte das herrschende Gedränge leidvoll. Seine Miene hellte sich auf, als Efi augenscheinlich einsichtig abdrehte. Doch hatte sie etwas im Sinn, dass ihn weit weniger erheiterte, als das bunte Markttreiben: einen Aufstieg im Turm des nahen, mit acht Uhren geschmückten Sankt Peter. Die stadtweit älteste Pfarrkirche zählt zu Münchens Wahrzeichen. Die Aussichtsplattform der volkstümlich "Alter Peter" genannten Kirche bietet einen wunderbaren Blick über die Dachlandschaft der Stadt. Von dort machte Archi ein weiteres lohnendes Ziel aus, das – sehr zur Freude des weiblichen Halbgespanns – reichlich Einkaufsmöglichkeiten bietet: die Sendlinger Straße. Ihn trieb es freilich wegen eines Bauwerks dorthin, das als architektonisches Kleinods gerühmt wird. Er meinte, die Besucher sollten es sehen, obwohl er es als überfrachtet, düster und bedrückend empfand. Der kulturbeflissene Leser dürfte das erspähte Zielobjekt längst ausgemacht haben. Ja, die Rede ist von der Asamkirche, die offiziell St.-Johann-Nepomuk-Kirche heißt. Zwischen 1733 bis 1746 nach Plänen und unter Aufsicht der Gebrüder Asam errichtet, gilt sie als ein Glanzlicht des süddeutschen Spätbarocks (obwohl sie im Innern wirklich und wahrhaftig dunkel ist). Es kam, was kommen musste: Die Mädels verabschiedeten sich in ein Geschäft. – Barock hin oder her. Der Tütenschlepper flüchtete sich regelrecht hinter das schwere Kirchenportal, setzte sich auf eine Bank und atmete wie ein erleichterter Büßer durch. "Ein Königreich für ein Bier", seufzte er irgendwann. Archi wandte sich dem Ausgang zu, hielt es auf und wies den Weg.

Abends saß die Runde beisammen, sprach einmal ernst, einmal witzelnd über den Tag und genehmigte sich dabei das eine oder andere Schöppchen. Was später geschah, entzieht sich der Kenntnis des Reporters. Was er weiß, ist, dass die übliche Wissensfrage aussteht. Hier ist sie: In welcher Stadt wurde der 1912 in München bestattete Prinzregent Luitpold Karl Joseph Wilhelm von Bayern geboren? Ausnahmsweise ein Lösungshinweis hierzu: Der EfI-Englischkurs widmete der am Main gelegenen Stadt bislang zwei Folgen.

Nationaltheater

Übersetzungen

Achterbahn = roller coaster; rollercoaster ⇔ Aussichtsplattform = viewing platform; observation deck; observation platform ⇔ Backsteingotik = brick Gothic ⇔ Bauwerk = building; structure (konstruktiv) ⇔ Bayern = Bavaria ⇔ Bierstube = ale house; beer bar (US); beer parlor (US); beer parlour (UK) ⇔ Dachlandschaft = roofscape ⇔ Dachlawine = roof avalanche ⇔ Dachziegel = roof tile; roofing tile ⇔ Dom = cathedral ⇔ Eingang = entrance ⇔ Einheimischer (im Sinne von "Ortsansässiger") = local ⇔ Fachgeschäft = specialist shop (UK); specialty store (US) ⇔ Fassade = facade; façade ⇔ Festplatz = fairground; festival grounds ⇔ Fußgängerzone = pedestrian area; pedestrian precinct; pedestrian zone ⇔ Gebäude = building; structure (konstruktiv) ⇔ Gedenkbrunnen = memorial fountain ⇔ Gefahrenzone = danger area; harzard zone; hazardous zone ⇔ Glockenspiel = carillon (chromatisch / diatonisch); chimes ⇔ Hauptbahnhof = main railroad station (US); main railway station (UK); main train station; central station ⇔ Hofgarten = Court Garden(s) ⇔ Holzkonstruktion (gegenständlich) = wooden structure ⇔ Im Bau = under construction ⇔ Innere (das) = interior ⇔ Innenstadt = city center (US); city centre (UK); central business district (von Bürogebäuden dominiert); inner city; downtown (US) ⇔ Jahrzehnt = decade ⇔ Kirche = church ⇔ Kleinod = gem; jewel ⇔ Landeshauptstadt = state capital ⇔ Lebensmittelmarkt = food market ⇔ Logistik = logistics ⇔ Marienkirche = St. Mary's Church ⇔ München = Munich (der Eigenname sollte verwendet werden) ⇔ Österreichisch = AustrianPfarrkirche = parish church; parochial church ⇔ Rathaus = city hall; town hall ⇔ Riesenrad = Ferris wheel; big wheel (UK); giant wheel ⇔ Sakralbauwerk = religious building ⇔ Skulptur = sculpture ⇔ Spätbarock = late Baroque ⇔ Stadt = city (Großstadt); town ⇔ Statik = structural design ⇔ Turm = tower ⇔ Umfeld = surroundings ⇔ Uhr = clock (Armbanduhr usw. = watch) ⇔ Unterwelt = underground (hier treffend, da der Begriff im Sinne von "Untergrund" verwendet wird); gangland (soziologisch); netherworld (religiös); underworld (mythologisch) ⇔ Vielstöckig = multi-storey (UK); multi-story (US) ⇔ Viktualienmarkt (historisch) = food market ⇔ Wahrzeichen = landmark; landmark building ⇔ Warenhaus = department store; emporium (US) ⇔ Wien = Vienna (der Eigenname sollte genutzt werden) ⇔ Wohnort = place of residence ⇔ Zelt = tent