EfI-Englischkurs: Tripp nach Moskau

Einführung

Kürzlich hatte Efi Sankt Petersburg besucht, nun stand ihr erster Aufenthalt in Moskau bevor. Sie fragte sich, ob die russische Hauptstadt tatsächlich so hektisch war, wie Archi sie empfand. Er war oft in in der landesweit größten Metropole gewesen, hatte sich jedoch nur bedingt für die Stadt erwärmt. – Vielleicht, weil er zumeist im Winter dort zu tun gehabt hatte. Der nunmehrige Flug gibt uns Zeit, die Wissensfragen aus der Folge zu Palma zu beantworten. Herauszufinden war der Name jenes römischen Konsuls, der Mallorca einnahm und wie er den an der Stelle des heutigen Palma gegründeten Ort nannte. – Der Mann hieß Quintus Caecilius Metellus, die Siedlung nannte er Palmaria Palmensis.

Im Text kursiv geschriebene Begriffe sind sich – wie üblich – am Seitenende übersetzt. Impressionen von Moskau vermitteln eingefügte Bilder und eine Fotostrecke.

Tripp nach Moskau

Die Maschine landete auf Scheremetjewo, einem von mehreren Moskauer Luftverkehrsdrehkreuzen. Den Einreisebereich füllten teils gelangweilt, teils genervt wirkende Menschen. Am Ausgang erwartete Efi und Archi ein Mitarbeiter der Entwicklungsfirma, die sie eingeladen hatte. KremlDie Fahrt in die Innenstadt führte vorbei an gesichtslosen Gewerbegebieten und Einzelhandelseinrichtungen. Für die 40 km zwischen Flughafen und Innenstadt benötigten unsere Reisenden über zwei Stunden. "Hätten auch vier sein können", tröstete Archi, als sie auf die Hotelzufahrt einbogen. Während er die Anmeldeprozedur über sich ergehen ließ, steuerte Efi die Toilette an, um zu testen, ob das mit fünf Sternen werbende Haus tatsächlich eine noble Unterkunft war.

Als Efi aus dem Fenster des wenig später bezogenen Zimmers sah, erblickte sie das bekannteste Moskauer Bauwerk: den Kreml (Bild 1). Er lag, scheinbar greifbar nahe, am jenseitigen Ufer der Moskwa. Sattes Abendlicht spielte über vergoldete Kuppeln, Türme und rote Mauern. Die ursprüngliche Burg stellte Moskaus Keimzelle dar. Die ältesten Teile der heutigen Anlage gehen auf das ausklingende 15. Jahrhundert zurück. Innerhalb der Befestigung ragen Kirchen und Paläste auf. Efi fielen Namen ein: Mariä-Entschlafens-Kathedrale (1479), Verkündigungs-Kathedrale (1489), Erzengel-Kathedrale (1509), Facettenpalast (1491), Patriarchen- und Terempalast (beide 17. Jahrhundert), Senatspalast (18. Jahrhundert). Zu den auffälligsten Bauwerken zählt der 81 m hohe Glockenturm Iwan der Große (1508). "Das Museum in der Rüstkammer ist sehenswert", bemerkte Archi. Efis Lächeln verriet, dass sie das altehrwürdige Warenhaus Gum – dem Namen zuwider ein galerieartiges Einkaufszentrum – für lockender hielt als zaristische Waffen und Prunkstücke. Damit stimmte sie vermutlich mit den meisten der 10,6 Mio. (registrierten) Moskowiter überein. Apropos: Mit einer Bevölkerungsdichte von rund 10.000 Einwohnern pro Quadratkilometer zählt Moskau zu den außerordentlich dicht besiedelten Großstädten.

Da noch zwei Stunden bis zum verabredeten Geschäftsessen blieben, schlenderten Efi und Archi zum Roten Platz, der an den Kreml anschließt. Dort befindet sich das erwähnte Gum. Bevor Efi den Konsumtempel Basilius-Kathedralestürmen konnte, zog sie Archi mit sich in die Sankt Basilius Kathedrale (1561) eine farbenprächtige, aus Backsteinen gemauerte Kirche mit neun Zwiebelkuppeln (siehe Bild 2). Der Sakralbau wirkt zierlicher als er ist; die 80 m Höhe sah ihm Efi jedenfalls nicht an. Bevor sie ins Gum kam, bewegte sie Archi zu einer Runde um das architektonisch verspielt wirkende Staatliche Historische Museum und einen Blick auf das Lenin-Mausoleum.

Als die Nacht einfiel, holte sie ihr Fahrer vom Hotel ab. Effektvoll angestrahlt, ragten hier und da gestufte Hochhäuser auf, die Efi an New Yorks "Wedding Cakes" erinnerten. Es gibt sieben dieser im Stil des Sozialistischen Klassizismus bzw. der Stalingotik errichteten Wolkenkratzer in der Metropole (Bild 4). "Der Volksmund nennt sie die Sieben Schwestern oder auch Stalinfinger", sagte Archi. Efi schmunzelte und verblüffte ihn, indem sie alle sieben namentlich herunterratterte: Das Hotel Ukraina, den zentralen Turm der Lomonossow-Universität und das Haus am Roten Tor zuletzt.

Das Abendessen fand in einer ehemaligen Banja bzw. Sauna statt. Ihr Gastgeber tafelte mit gewohnter russischer Großzügigkeit auf. Efi bemerkte rasch, dass manches Klischee keines war: es wurde munter gebechert. Hochprozentiges, in Mengen, die in ihrer durchaus trinkfreudigen Heimat selbst bei Wein als bedenklich galten. Zur Sprache kamen allerlei Themen, angefangen von der Goldenen Horde bis zum 1935 beschlossenen "Generalplan zur Stadterneuerung". Das ehrgeizige Vorhaben bescherte Moskau moderne Brücken, den Moskau-Wolga-Kanal und eine leistungsfähige U-Bahn mit teils palastähnlich ausgestalteten Stationen. Gigantomanische Ansätze und ein rüder Umgang mit dem baulichen Erbe veränderten das Stadtbild vollkommen. Historische Gebäude wichen zeitgeistigen Prunkbauten, die Altstadt wurde von überbreiten Radialstraßen bzw. Magistralen durchschnitten. Zimperlich gingen die Sowjets schon vorher nicht zur Sache: 1931 sprengten sie die im Jahr 2000 wiederaufgebaute HochhausensembleChrist-Erlöser-Kathedrale und zahlreiche weitere Kirchen. Damit verflachte das Stadtbild buchstäblich. Erst mit dem Bau der oben erwähnten Wolkenkratzer erhielt Moskau weithin sichtbare Orientierungspunkte zurück.

Zeitig am nächsten Morgen brachen Efi und Archi auf, um seitens der Stadtregierung vorgeschlagene Hotelstandorte zu prüfen. Erwartungsgemäß gerieten sie von einem Verkehrsstau in den nächsten. Das Schneckentempo gestattete es Efi, die Auslagen der Geschäfte entlang der Twerskaja – eine hochpreisige Einkaufsstraße – zu beäugen. Jenseits des Gartenrings ging es leidlich, auf dem MKAD, dem 109 km langen äußeren Autobahnring Moskaus, zügig voran. Die ersten angesteuerten Standorte erwiesen sich als ungeeignet für Hotelprojektentwicklungen. Der russische Begleiter teilte Efis und Archis Urteil keineswegs. In Moskau ginge alles, behauptete er überzeugt. Offenbar hatte die quirlige Frohnatur Erinnerungen an die Folgen der Finanzkrise bereits verdrängt.

Efis und Archis Notizblöcke und Kameraspeicher füllten sich nicht nur hotelbezogen. Efi erstaunten vor allem die vielen gewaltig dimensionierten, von Hochhäusern beherrschten Großwohnsiedlungen. Anders als in westeuropäischen Ländern stellen hiesige Wohnungen nach wie vor eine beliebte und für viele Einheimische die einzig erschwingliche Wohnform dar. Sie kommen in verschiedenen architektonischen Spielarten – darunter exklusive Stalinfingerbzw. hochpreisige Varianten – im gesamten Stadtgebiet vor (siehe Bild 3). Ebenfalls interessant erschienen Efi einige besichtigte Einkaufszentren. Dass manches davon gegen einschlägige Prinzipien der Zentrenplanung verstieß, erkannte ihr geschultes Auge sofort. Nachdem unsere Reisenden fünf vorgeschlagene Hotelstandorte gründlich unter die Lupe genommen hatten, gönnten sie sich ein Häppchen und einen Abstecher zur Lomonossow-Universität, deren Ensemble sage und schreibe 5.000 Räume und Flure mit einer Gesamtlänge von über 30 km beinhaltet. 1755 gegründet, war sie Russlands erste Hochschule. Nach weiteren Standortprüfungen trafen sich Efi und Archi mit dem Generalbevollmächtigten einer internationalen Hotelkette, um erste Ergebnisse der durchgeführten Standortbewertungen zu besprechen.

Am folgenden Tag waren Moskaus Straßen leergefegt. Die Moskowiter feierten den Frauentag, wodurch es Efi und Archi gelang, ein zweifaches Tagesprogramm abzuarbeiten. Was das fleißige Gespann am letzten Tag seines Aufenthaltes in Moskau unternahm, berichtet der Reporter – vielleicht – in einer zweiten Kursfolge zu Moskau. Die heutige klingt mit der üblichen Wissensfrage aus: Wie heißt Moskaus größter Erholungspark? Welche Fläche bedeckt er?

Übersetzungen

Aufenthalt = stay ⇔ Backstein = brick ⇔ Bau (Vorgang) = construction ⇔ Bauwerk = structure (konstruktiv); building ⇔ Befestigung = fortification ⇔ Bevölkerung = population ⇔ Bevölkerungsdichte = population density ⇔ Brücke = bridge ⇔ Burg = castle ⇔ Christ-Erlöser-Kathedrale = Cathedral of Christ the Saviour ⇔ Einkaufsstraße = shopping street ⇔ Einkaufszentrum = mall (US, geschlossenes Zentrum), shopping center (US) / centre (UK) ⇔ Einreisebereich = immigration area ⇔ Einwohner = citizen (rechtlich); inhabitant ⇔ Einzelhandelseinrichtung = retail facility ⇔ Entwicklungsfirma = development company ⇔ Erholungspark = recreation park; recreational park ⇔ Fahrer = driver ⇔ Fassade = facade ⇔ Fenster = window ⇔ Flug = flight ⇔ Flughafen = airport ⇔ Flur (Gang) = corridor ⇔ Gebäude = building ⇔ Generalbevollmächtigter = chief representative; plenipotentiary ⇔ ⇔ Generalplan = master plan ⇔ Gewerbegebiet = commercial area (bei vorwiegend bürolicher Nutzung usw.); industrial area (bei vorherrschender Produktions- und Lagernutzung) ⇔ Glockenturm = bell tower ⇔ Großwohnsiedlung = large housing estate <-> Hauptstadt = capital; capital city ⇔ Hochhaus = high-rise; high-rise building ⇔ Hotelkette = hotel chain ⇔ Hotelprojektentwicklungen = hotel development (project) ⇔ Hotelstandort = hotel location ⇔ Innenstadt = downtown (US), city centre (UK) ⇔ Jahrhundert = centrury ⇔ Kathedrale = cathedral ⇔ Kirche = church ⇔ Konsumtempel = temple of consumerism ⇔ Kreml = Kremlin ⇔ Kuppel = dome ⇔ Luftverkehrsdrehkreuz = air hub; air traffic hub (seltener) ⇔ Mauer(n) = wall(s) ⇔ Palast = palace ⇔ Platz = square; plaza ⇔ Rüstkammer = armory (US); armoury (UK) ⇔ Sakralbau = religious building ⇔ Sankt Basilius Kathedrale = Saint Basil's Cathedral ⇔ Siedlung = settlement ⇔ Stadt = city (hier zutreffend, da Moskau Großstadt ist); town ⇔ Stadtbild = cityscape ⇔ Stadterneuerung = urban renewal ⇔ Stadtgebiet = municipal area (insbesondere administrativ); urban area ⇔ Stadtregierung = city government; municipal government; town government (bei kleinen Städten) ⇔ Standort = location ⇔ Standortbewertung = location assessment ⇔ Straße = road (überörtlicher Bezug); street (innerörtlicher Bezug) ⇔ Toilette = restroom (US), lavatory (UK, da ein Toilettenraum, kein einzelnes WC angesprochen ist) ⇔ Turm = tower ⇔ U-Bahn = subway (US); tube (insbesondere in London); underground (UK) ⇔ Universität = university ⇔ Unterkunft = accommodation ⇔ Verkehrsstau = traffic congestion; traffic jam ⇔ Warenhaus = department store ⇔ Wohnung = apartment (US); flat (UK) ⇔ Wolkenkratzer = skyscraper ⇔ Zimmer = room; key (hotelsprachlich) ⇔ Zwiebelkuppel = onion dome