EfI-Englischkurs: Gesichter Istanbuls

Einführung

Als Archi geschäftlich nach Istanbul reisen musste bzw. durfte, kam Efi mit. Zwar hatte sie die Stadt bereits früher besucht, doch ist Istanbul mehr als eine Reise wert. Während des Hinfluges klärte sich das Rätsel aus dem Reisebericht zu Dubrovnik auf. Die Frage lautete, wie jener General hieß, der 1808 das Ende der Republik Ragusa ausrief, und welcher Nationalität er war. – Marmont hieß der französische Offizier, Auguste-Frédéric-Louis Viesse de Marmont, um genau zu sein.

Übersetzungen im Text gesperrt geschriebener Wörter finden sich – wie stets – am Seitenfuß aufgeführt. Vielfältige Ansichten von Istanbul bietet eine Fotoserie zur historischen Stadt, die im Oktober 2010 online ging. Moderne Stadtgesichter erschließt eine im November 2010 nachgelegte Bildergalerie. Glanzlichter bieten die 2012 veröffentlichten Galerien "Hagia Sophia", "Istanbul Mosques – Interior Design" und "Topkapi Palace".

Gesichter Istanbuls

Istanbul empfing Efi und Archi mit schwüler Hitze. Mit offiziell rund 13 Mio. Einwohnern (ohne Vororte), zählt die Metropole am Bosporus zu den weltweit größten. Geografisch betrachtet bildet die Stadt das Scharnier zwischen Morgenland und Abendland, insofern sie teils auf dem asiatischen, teils auf dem europäischen Kontinent liegt. Die Meerenge zwischen Anatolien und Thrakien verbindet das Schwarze Meer mit dem Marmarameer, einem Teil des Mittelmeeres.

Efi und Archi suchten sich zunächst ein preiswertes Hotel. Ihre Wahl fiel Moscheeauf eine Unterkunft im europäischen Teil der Stadt. Die unter dem Namen "Byzantion" von griechischen Siedlern gegründete Stadt blickt auf eine rund zweitausendsechshundertjährige, oft turbulente Geschichte zurück. Weithin bekannt wurde der Ort unter dem Namen "Konstantinopel" – "Stadt des Konstantin". Istanbul heißt die schillernde Metropole offiziell erst seit 1930.

Griechen, Römer, Byzantiner, Osmanen, Türken und moderne internationale Architekten verliehen Istanbul ein einzigartiges Gepräge. Mehr oder weniger werden sie alle bzw. ihr Wirken im Stadtbild sicht- und spürbar. Selbst Reste antiker Gebäude durchschimmern den Mantel jüngerer Bau- und Entwicklungsphasen. Beispiele bieten die Theodosianische Mauer oder das Konstantinsforum. Nahe am originalen Zustand befinden sich der Valens-Aquädukt und die aus spätantiken Tagen stammende Cisterna Basilica, deren Besichtigung Efi und Archi dem geneigten Leser besonders ans Herz legen.

Infolge mehrerer zerstörerischer Erdbeben, einiger Feuersbrünste und wirtschaftlichen Niedergangs war Konstantinopel, das ehemals kraftvolle Zentrum des oströmischen Reiches, weithin verfallen, als Sultan Mehmed II. die Stadt anno 1453 nehmen ließ. Erstmals erstürmt wurde Konstantinopel, das christliche Bollwerk im Osten, übrigens von Christen. Man schrieb das Jahr 1204 unserer Zeitrechnung, als Kreuzfahrer und Venezianer unter ihrem Dogen Enrico Dandolo die Stadt belagerten, einnahmen und sie mordend und vergewaltigend plünderten. Unter osmanischer Herrschaft folgte eine zweite Blüte. Gemessen an "christlichen" Maßstäben gingen die neuen muslimischen Herrscher kultiviert mit dem baulichen Erbe um. So wurden zahlreiche Kirchen nicht abgerissen, sondern in Moscheen umgewandelt (oben rechts eine Aufnahme eines bekannten Vertreters). Zu den im Kern erhaltenen Kirchen zählen Pammakaristos- und Chora-Kirche. Das prominenteste Beispiel bietet die im 6. Jahrhundert erbaute Hagia Sophia, die – innen umgestaltet und um flankierende Minarette ergänzt – zur Osmanischen Hauptmoschee wurde. Selbstredend sahen sich Efi und Archi das heute als Museum dienende Bauwerk an. Dieses und Istanbuls älteste erhaltene Groß- und Sultans-Moscheen. DanachAlt und Neu zog es Efi in ein Lokal; sie hatte bei aller Kulturliebe genug davon, eine Moschee nach der anderen zu besichtigen (das Bild links bietet einen Blick in die eindrucksvolle Yeni Cami bzw. die "Neue Moschee"). Bei stadtweit rund 2.800 großen und kleinen Gotteshäusern sah man ohnehin kein Land. – Von der Terrasse des angesteuerten Restaurants aus auch nur wenig, da es am spiegelnden Meer lag. Die Reisenden ließen sich munden, was die ausgezeichnete Landesküche zu bieten hat. Anschließend konnte sich Archi kaum noch bewegen, doch bewegte ihn Efis erst unterschwellig, dann obertönig vermittelter Wunsch nach einem Basarbesuch. Also brachen sie neuerlich auf. Sie durchwanderten Gassen, entdeckten Läden, architektonische Sehenswürdigkeiten und bald das Objekt von Efis Begierde. Der zahlreiche Geschäfte unter einem Dach vereinende Basar stellt ein typisches Element orientalischer Städte dar (unten ein Keramikstand). Ebenso typisch ist ein von engen Gassen geprägter Grundriss, der manchen Stadtteil Istanbuls kennzeichnet und augenfällig mit dem rechtwinkligen Straßenmuster anderer Teilräume kontrastiert. Nach einem ausgiebigen Bummel, bei dem Efi einmal mehr ihre händlerischen Talente bewies, widmeten sich die Reisenden neuerlich den zahllosen kleinen und großen baulichen Glanzlichtern Istanbuls. Sehenswert sind insbesondere in den Stadtteilen Fatih und Üsküdar zu findende Straßen, die mehrstöckige osmanische Holzgebäude säumen. Paläste, Sakralbauwerke, Zier- und Zweckgebäude zogen sie in ihren Bann. Bis lange nach Sonnenuntergang. Den ereignisreichen Tag beschlossen Efi und Archi mit einem Plausch bei Wein und Kerzenlicht.

Der folgende Morgen – Efi sah noch etwas schlafmützig aus der Wäsche – sah sie neuerlich unterwegs. Ihnen fiel auf, dass sich zahlreiche seit dem 18. Jahrhundert errichtete Gebäude mehr oder minder offensichtlich an westliche Stilrichtungen anlehnten. Ein auffälliges Beispiel liefert die im Barockstil erbaute Nuruosmaniye-Moschee. BasarDaneben entdeckten Efi und Archi Gebäude, die unverkennbar Einflüsse von Neogotik und italienischer Renaissance erkennen lassen. Historisierende Elemente sind vor allem unter Bauwerken des 19. Jahrhunderts verbreitet.

Wie die meisten kulturgeschichtlich interessierten Besucher Istanbuls, zog es Efi und Archi zum Topkapi-Palast, dem einstigen Sultanssitz. Der Palast besitzt die Dimensionen einer kleinen Stadt; er liegt auf einer von Goldenem Horn, Bosporus und Marmarameer eingefassten Halbinsel. Vergrault von langen Touristenschlangen, zogen es Efi und Archi vor, den Ibrahim-Pascha-Palast zu besichtigen, der das Museum für türkische und islamische Kunst beherbergt. Zu den Bollwerken, die Zeugnis von der militärischen Bedrohung Istanbuls bzw. Konstantinopels ablegen, zählen die "Burg der sieben Türme (Yedikule) und der Galataturm, die mächtigste Befestigung einer ehemaligen genuesischen Siedlung.

Nach mehrstündigem Besichtigungsmarathon gönnten sich Efi und Archi ein Häppchen in einem Lokal an einem Platz, der faszinierende Blicke auf das Stilgemisch alter und neuer Gebäude eröffnete. Beide verstanden gut, weshalb Istanbuls gesamte Altstadt – "Sultanahmet" genannt – 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde.

Am Spätnachmittag stand Archis geschäftliche Verabredung an. Sie drehte sich um ein Hotelentwicklungsprojekt. Efi begleitete ihn zum Termin. Die Fahrt erschloss neue Seiten Istanbuls. Wie rasch die Stadt wuchs und wächst, konnten Efi und Archi an zahlreichen und raumgreifenden Gecekondus ablesen. Der Begriff bedeutet "über Nacht hingestellt". In ihm spiegelt sich osmanisches Recht, das über Nacht auf öffentlichem Grund erbauten Häusern Bestandsschutz einräumte. Heute werden unter Gecekondus – obwohl ursprünglich auf einzelne Gebäude bezogen – informelle Siedlungen verstanden; derartige, an sich illegale Siedlungen beherbergen ein geschätztes Viertel der städtischen Bevölkerung.

Der Termin verlief ungezwungen, die türkischen Partner luden Efi und Archi zum Essen ein. Einer der Herren schmunzelte, als Efi fragte, ob es möglich wäre, ein "touristenfreies" Lokal aufzusuchen. Er nickte nur und die kleine Runde brach auf. Bald saß man in einem Lokal am Bosporus beisammen. Bis weit nach Mitternacht.

Einmal mehr überlassen wir unser reisendes Gespann sich selbst und wenden uns – bevor wir es vergessen – der üblichen Wissensfrage zu. Sie lautet: Welche Seeschlacht leitete das Ende der türkischen Vorherrschaft im Mittelmeerraum ein, wann fand sie statt?

Übersetzungen

Abendland = Occident; the West ⇔ Altstadt = old town; old part of town ⇔ Aquädukt = aqueduct ⇔ Architekt = architect ⇔ Basar = bazaar ⇔ Barockstil = Baroque style; Baroque architectural style (präzise, da eine Gebäudeanmutung im Fokus steht) ⇔ Bauwerk = structure (konstruktiv); building ⇔ Befestigung = fortification ⇔ Bollwerk = bulwark; bastion; rampart ⇔ Bosporus = Bosphorus; Bosporus ⇔ Einwohner = citizen (rechtlich); inhabitant; population (Sammelbegriff bzw. "Bevölkerung") ⇔ Erdbeben = earthquake ⇔ Feuersbrunst (Groß- / Flächenbrand) = conflagration ⇔ Gasse = alley; lane ⇔ Gebäude = bulding; structure (im Sinne von Bauwerk bzw. Konstruktion) ⇔ Geschäft = shop (UK); store (US) ⇔ Geschichte = history; past ⇔ Glanzlicht(er) = highlight(s) ⇔ Gotteshaus = house of worship (neutrale Bezeichnung); glaubensspezifisch = church, mosque, synagogue, temple usw. ⇔ Grundriss (hier in stadtplanerischem Sinn) = layout ⇔ Halbinsel = pensinsula ⇔ Hauptmoschee = main mosque; principal mosque ⇔ Herrschaft = rule (allgemein), reign (monarchisch) ⇔ historisierend = historicizing ⇔ Hotelentwicklungsprojekt = hotel develoment project ⇔ Jahrhundert = century ⇔ Kirche = church ⇔ Konstantinsforum = Forum of Constantine ⇔ Kreuzfahrer = crusader ⇔ Laden = shop (UK); store (US) ⇔ Landesküche = national cuisine ⇔ Meerenge = strait; straits ⇔ Metropole = metropolis ⇔ Minarett = minaret ⇔ Mittelmeer = Mediterranean Sea ⇔ Mitternacht = midnight ⇔ Morgenland = Orient; the East ⇔ Moschee = Mosque ⇔ Neogotik = Gothic Revival; Neo-Gothic period (Stilepoche) ⇔ Osmanen = (the) Ottomans ⇔ Palast = palace ⇔ Platz = square ⇔ Rechtwinkliges Straßenmuster = grid street pattern; rectangual street pattern ⇔ Reisebericht = travelog (US); travelogue; travel journal (insbesondere in Tagebuchform); travel report; trip report (insbesondere bezogen auf Kurzreisen) ⇔ Rest (Relikt, Überbleibsel) = remnant ⇔ Renaissance (Stilepoche) = Renaissance; Renaissance era; Renaissance period ⇔ Sackgasse = blind alley; cul-de-sac; dead-end street, impasse ⇔ Sakralbauwerk = religious building ⇔ Sehenswürdigkeit = sight; place of interest; curiosity ⇔ Siedler = settler ⇔ Siedlung = settlement ⇔ Sonnenuntergang = sunset ⇔ Spätnachmittag = late afternoon ⇔ Stadt = city (hier zutreffend, da Istanbul eine Großstadt ist); town ⇔ Stadtbild = cityscape ⇔ Stadtteil = city district; urban district (allgemein); urban quarter (allgemein) ⇔ Stilgemisch = blend of styles ⇔ Theodosianische Mauern(n) = Theodosian Wall(s) ⇔ Thrakien = Thrace ⇔ über Nacht hingestellt = placed overnight; built overnight ⇔ Unterkunft = accommodation ⇔ Weltkulturerbe = World Cultural Heritage ⇔ Zeitrechnung = (hier) calendar