EfI-Englischkurs: Drei Tage Rom

Einführung

Efi zog es nach Rom. Weshalb? Nun, vermutlich, weil Archi schon dort gewesen war, und sie nicht. Wie zu erwarten, setzte sie ihr Vorhaben um. Bevor wir uns mit ihr in die "Ewige Stadt" am Tiber begeben, sei die Frage aus der letzten EfI-Folge zu St. Petersburg beantwortet. Gefragt war, wie die Stadt zwischen 1924 und 1991 hieß: Sie trug den Namen "Leningrad", nach dem Decknamen "Lenin", den sich Wladimir Iljitsch Uljanow zugelegt hatte.

Diese Geschichte setzt einen jüngere Folgen "durchwehenden" Trend fort: Es fließen vermehrt Begriffe abseits der reinen Immobilienwirtschaft ein. Auch beleuchten wir diesmal einige historische Hintergründe bzw. Abgründe tiefer als gewöhnlich. Im Text kursiv geschriebene Begriffe finden sich – wie gewohnt – am Seitenende übersetzt. Impressionen von Rom bietet die Bildergalerie.

Drei Tage Rom

Diesmal reiste Efi nicht mit Archi, sondern mit einer Freundin. An einem Samstag landeten die unternehmungslustigen Damen auf dem Flughafen Fiumicino (Leonardo da Vinci), einem der beiden internationalen Airports der italienischen Hauptstadt und, neben Mailands Malpensa, das wichtigste Luftverkehrsdrehkreuz auf der stiefelförmigen Halbinsel. Sie Petersplatznahmen die Bahn ins Zentrum der mit 2,7 Mio. Einwohnern bevölkerungsreichsten italienischen Stadt. Schon auf dem Weg zum Hotel erhielten sie einen bleibenden Eindruck vom alltäglichen, nicht nur zu Stoßverkehrszeiten herrschenden Verkehrschaos. Autofahren in Rom ist Nervensache. Und Roms Öffentliches Personennahverkehrssystem – es beruht auf herkömmlichen Buslinien, Oberleitungsbussen, einem Straßenbahnsystem und U-Bahnen – neigt zur chronischen Überlastung. Roms verkehrliche Misere beruht zum Gutteil auf einem radialen Straßenmuster bzw. unzureichend entwickelten Ringstraßen. Der tiefere Grund für manche diesbezügliche Unzulänglichkeit ruht buchstäblich auf dem historischen Erbe, das weite Teile des Stadtzentrums bedeckt und unterlagert.

Roms Wirtschaft profitiert wesentlich von einem Winzigstaat, den eine Organisation regiert, deren Geschichte unbändige kriminelle Energien prägten: Die Rede ist von der römisch-katholischen Kirche bzw. dem Vatikanstaat (die um das Jahr 800 gefälschte "Konstantinische Schenkung" und die in der ersten Häfte des 9. Jahrhunderts gefälschten "Pseudoisidorischen Dekretalen" suchen ihresgleichen, stellen jedoch lediglich die Spitze brutalst durchgesetzter, nur als menschenverachtend zu bezeichnender Machtansprüche dar). Efi fröstelte als sie angesichts der Peterskirche (im Deutschen zumeist "Petersdom" genannt; siehe Bild rechts) an Archis bittere Worte zurückdachte: Bezahlt mit Blut und Elend ganzer Generationen. Und sie dachte neuerlich an ihn, als das Kolosseum in immer beeindruckendere Höhen zu wachsen schien, je näher sie dem Monumentalbauwerk kam, als sie es betrat und durchschritt. Errichtet wurde das größte in sich geschlossene Gebäude der römischen Antike unter den Flaviern (unten eine Innenaufnahme). Es versinnbildlicht eine kaiserliche Volksvereinnahmungsstrategie, die unter dem Schlagwort "Brot und Spiele" (panem et circenses) bekannt wurde.

Unter "Innenstadt" der laut Sage 753 vor Kolosseumwestlicher Zeitrechnung gegründeten Stadt ist übrigens der von der im 3. Jahrhundert hochgezogenen Aurelianischen Mauer umschlossene Bereich zu verstehen. Er umfasst die sieben Hügel (Aventin, Caelius, Esquilin, Kapitol, Palatin, Quirinal und Viminal). In diesem Gebiet finden sich die meisten und größten antiken Bauten. 1980 erklärte die UNESCO Roms Altstadt, den Petersdom und die Vatikanstadt zum Weltkulturerbe. Das geschah mit Fug und Recht, doch verbindet sich mit der auf Schritt und Tritt fühlbaren Gegenwart der Vergangenheit mancher Fluch. Efi sah es wohl: Roms Innenstadt und ihre Bewohner sind Gefangene der Geschichte. Die zahllosen geschichtsträchtigen Gebäude und Ensemble zu erhalten, bedeutet eine Mammutaufgabe, jeder Spatenstich legt vergessene Monumente frei. Frühere Generationen gingen wenig sensibel mit dem baulichen Erbe um. Die Plünderungen durch Westgoten (410) und Vandalen (455) – beide weit "gesitteter" verlaufen als die Erstürmung des christlichen Konstantinopel durch christliche Kreuzfahrer anno 1204 – ruinierten Rom keineswegs. Selbst nach dem "offiziellen" Untergang Westroms (476) wie unter ostgotischer Herrschaft (493 – 526) wurden bedeutende Bauten weiterhin unterhalten. Die zivilisatorische Katastrophe brach mit der gegen die arianisch-christlichen Goten gerichteten Rückeroberungspolitik des von orthodoxen Christen als heilig verehrten oströmischen Kaisers Justinian über Rom herein. Was folgte, war ein rasend schneller Verfall städischer Einwohnerzahlen; sie fielen von geschätzten 1,5 Mio. Menschen während der antiken Blüte auf 20.000 Köpfe um 650. Rom verfiel, alte Bauwerke wurden zu Steinbrüchen. Efi wusste all das, hatte aber keine Lust, tiefsinnig philosophierend durch Rom zu spazieren. Sie dachte zu viel an Archi dabei, der geschäftlich in Istanbul unterwegs war, auf der oströmischen, der byzantinischen Seite des einstigen Großreiches gleichsam. Efi grinste, als eine sms Engelsburgvon ihm einging: "Hier lässt sich einkaufen", schrieb er hintersinnig. Sie sah ihn schmunzeln, wie er geschmunzelt hatte, als sie ihm weit vor ihrer Reise erzählte, dass sie an Ostern fliegen würden und alles fest gebucht war. Nun, sie und ihre Begleiterin standen vor geschlossenen Läden. Und das im Regen. Müde ging Efi zu Bett.

Der folgende Morgen grüßte mit fahlem Licht und Schnürchenregen, der sich nach und nach zu schweren Tropfen verdichtete. Etwas trübsinnig gestimmt trotteten die Frauen los. Stadtmauern, Triumphbögen, Kirchen und Kapellen, Kaiserforen und Caracalla-Thermen erschlugen regelrecht unter tränenden Wolken. Die Engelsburg kam in Sicht, das ursprüngliche Grabmal Kaiser Hadrians, das später als Papstfestung diente, doch zuvorderst als Gefängnis bzw. Verlies herhielt (Bild rechts). Der weinende Himmel hellte sich auf, das Gemüt ebenso. Vor allem, weil die enttäuschte Vorfreude auf einen kaufrauschigen Aufenthalt ein Ventil in Form einiger Marketender fand, die Schmucksteine und Glasperlen aller Art feilboten (Männer verstehen die von Glitter und Glimmer auf Frauen wie Elstern ausgehende Faszination vermutlich nie). Efi sackte jedenfalls kräftig ein. Rund drei Kilo, wie sich später erwies. – Um Ketten zu fädeln, wie sie Archi per sms wissen ließ, der am Goldenen Horn türkische Gastfreundschaft genoss. Drei Stunden lang durchstreiften Efi und ihre Freundin geschichtshauchende Gassen und Straßen noch. Sie besichtigten belebte Piazzas, alte Brücken und prachtvolle Brunnen (unten ein Bild eines Brückenensembles). In den Trevi-Brunnen (Fontana di Trevi, rund 26 m hoch und stadtweit größter Brunnen) warfen sie – einem Brauch entsprechend – Münzen und wünschten sich etwas dabei. Vorsicht dabei! Geldscheibchen unbedingt mit der rechten Hand über die linke Schulter werfen, wenn Sie eines von drei Zielen erreichen wollen: TiberbrückenEine Münze = sichere Rückkehr nach Rom (wenn man denn unbeschadet hinaus gelangte); zwei Münzen = sich in einen Römer / eine Römerin verlieben (ein gefahrvolles Ereignis); drei Münzen = Heirat mit der / dem, in die / den man sich verliebte. (Scheidungsrecht unbedingt prüfen!). Die Piazza di Spagna mit der berühmten Spanischen Treppe sah sich Efi selbstverständlich auch an. Ob an diesem oder am vorherigen Tage oder dem davor, konnte sie Archi nach ihrer Heimkehr nicht sagen. "Coda alla vaccinara" gegessen, fragte er, als sie auf die mit kuscheligen Kissen lockende Couch sank. "Bitte?", fragte sie und nahm ein bauchiges Glas Rotwein entgegen. "Jungrindschwanz in Wein, geschmort mit Pfefferschoten. Knoblauch, Zwiebeln und Tomaten", erklärte er. Sie rümpfte die Nase. "Seit wann kennst du dich mit römischer Küche aus?", fragte sie. Er grinste. "Guckte nach." Efi lächelte: Es war schön daheim. Doch die nächste Reise nach Rom hatte sie bereits im Kopf.

Wie üblich schließt auch diese Kursfolge mit einer Rätselfrage: Durch welche sagenhafte (und tückische) Tat löste Romulus das Problem des römischen Männerüberschusses?

Übersetzungen

Altstadt = old town; old part of (a / the) town / city (sofern zur Großstadt geworden) ⇔ Blüte (Blütezeit) = heyday ⇔ Brot und Spiele = bread and circuses; bread and games ⇔ Brücke = bridge ⇔ Brunnen = fountain (Zier- / Springbrunnen); well = Nutzbrunnen ⇔ Buslinie = bus line ⇔ Caracalla-Thermen = Baths of Caracalla ⇔ Einwohner = citizen (rechtlich); inhabitant ⇔ Engelsburg = Castel Sant'Angelo; Mausoleum of Hadrian ⇔ Ewige Stadt = Eternal City ⇔ Gasse = alley; lane ⇔ Gebäude = bulding; structure (im Sinne von Bauwerk bzw. Konstruktion) ⇔ Gefängnis = jail; prison ⇔ Gegenwart (zeitlich) = present ⇔ Geschichte (Historie) = history ⇔ Glasperle = glass bead ⇔ Grabmal = tomb; mausoleum ⇔ Halbinsel = peninsula ⇔ Hauptstadt = capital; capital city ⇔ Heirat / Hochzeit = marriage ⇔ Historisches Erbe = historic heritage ⇔ Innenstadt = city center (US); city centre (UK); downtown (US); inner city ⇔ Jungrindschwanz = veal tail ⇔ Kaiser = emporer ⇔ Kaiserforen = Imperial Fora ⇔ Kapelle = chapel ⇔ Kirche = church ⇔ Kolosseum = Colosseum; Coliseum ⇔ Luftverkehrsdrehkreuz = air hubMammutaufgabe = mammoth task ⇔ Monumentalbauwerk = monumental building ⇔ Münze = coin ⇔ Oberleitungsbus = trolleybus; trolley bus; trolley coach (US); electric bus (US); trackless trolley (US); trackless tram) ⇔ Öffentliches Personennahverkehrssystem = local public transport system ⇔ Ostern = Easter ⇔ Papstfestung = Papal fortress ⇔ Peterskirche / Petersdom = Papal Basilica of Saint Peter (offizielle Bezeichnung im Englischen) ⇔ Platz = square ⇔ Plünderung = looting; pillage; plundering ⇔ Radiales Straßenmuster = radial street pattern ⇔ Ringstraße = ring road ⇔ Schmuckstein = gem; gemstone; semi-precious stone; jewel (bezogen auf Edelsteine) ⇔ Spanische Treppe = Spanish Steps ⇔ Stadtmauer = city wall; town wall ⇔ Stadtzentrum = city center (US); city centre (UK); downtown (US); inner city ⇔ Stiefelförmig = boot-shaped ⇔ Stoßverkehrszeiten (Hauptverkehrszeiten) = peak traffic times ⇔ Straßenbahnsysten = tram system (UK); streetcar system (US); trolley car system (US) ⇔ Triumphbogen = triumphal arch ⇔ U-Bahn = subway (US); tube (London, UK); underground (UK) ⇔ Vatikanstadt / Vatikanstaat = Vatican City; State of the Vatican City (offizielle Bezeichnung) ⇔ Vergangenheit = the past ⇔ Verkehrschaos = traffic chaos; traffic havoc; traffic snarl (US); travel chaos ⇔ Verlies (Kerker) = dungeon ⇔ Weltkulturerbe = World Cultural Heritage ⇔ Winzigstaat = microstate ⇔ Wirtschaft = economy