Immobilienprofis und Anwaltschaft

Den folgenden Artikel steuerte Christian Wolff zum Immobilien-Kosmos bei. Der Originaltitel lautet "Interdisziplinär Synergien generieren – der Rechtsanwalt und Unternehmensberater: Ein Plädoyer für die Zusammenarbeit von Immobilienprofis und Anwaltschaft". Der gewählte Titel stellt einen klaren Leitfaden für den Beitrag dar. Erreichbar ist der Autor unter wolff@consultment.net.

I. Der Status quo

(1) Ausgangslage

Kooperationen zwischen Freiberuflern unterschiedlicher Kernkompetenzen sind seit langem anerkannt. Dass sich Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte in Sozietäten zusammenschließen, um ihre Mandanten umfassend beraten und vertreten zu können, ist gang und gäbe.

Was eine weitergehende Zusammenarbeit mit Berufsträgern anderer Disziplinen angeht, steht zwischen dem Rechtsanwalt und potenziellen Kooperationspartnern ein mächtiges und althergebrachtes Institut, das auf den Namen "Standesrecht" hört.

(2) Freie Berufsausübung

Der Anwalt, der seine Aufgaben im Sinne der Berufsordnung (BORA in der Fassung vom 1.7.2008) wahrnehmen will, nämlich seinen Beruf frei, selbstbestimmt und unreglementiert ausüben will, wird eingebremst, soweit "Gesetz oder Berufsordnung ihn nicht besonders verpflichten".

Neben der BORA regelt die Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) unter anderem die Stellung des Rechtsanwalts in der Rechtspflege sowie Zulassung und Berufspflichten.

Was kann nun den Anwalt hindern, sich neben den "klassischen" Freiberuflern wie Steuerberater und Wirtschaftsprüfer auch anderer fachlich versierter Fachleute zwecks gemeinsamer Erbringung fundierter Beratungsdienstleistung zu bedienen?

(3) Standesrechtliche Schranken

"Die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft ist zu versagen, wenn der Bewerber eine Tätigkeit ausübt, die mit dem Beruf des Rechtsanwalts, insbesondere seiner Stellung als unabhängiges Organ der Rechtspflege nicht vereinbar ist oder das Vertrauen in seine Unabhängigkeit gefährden kann" [§ 7 Nr. 8 BRAO].

Diese Regelung greift in die Freiheit der Berufswahl (Art.12 Abs.1 GG) ein, die grundsätzlich auch das Recht umfasst, mehrere Berufe zu wählen und nebeneinander auszuüben (BVerfGE 87, 287, 316).

Der Kerntenor von gerichtlichen Entscheidungen zu dem standesrechtlichen Problem ist weitestgehend identisch:

"Gegen die gesetzliche Beschränkung der Berufswahl durch die Zulassungsschranke in §7 Nr.8 BRAO bestehen von Verfassungs wegen keine Bedenken", ... "sie dient ... ebenso wie die entsprechende Vorschrift über den Widerruf der Zulassung in §14 Abs.2 Nr.8 BRAO ... der Funktionsfähigkeit der Rechtspflege (BVerfGE 87, 287, 321 = ZIP 1993, 40 )" BGH, Beschl. v. 15.5.2006 – AnwZ (B) 41/05 (AGH Bayern].

(4) Anwaltliche Unabhängigkeit

Das Ziel der Regelungen besteht darin, die fachliche Kompetenz und Integrität sowie ausreichenden Handlungsspielraum der Rechtsanwälte zu sichern sowie die notwendigen Vertrauensgrundlagen der Rechtsanwaltschaft zu schützen (BVerfGE 87, 287, 321 = ZIP 1993, 40).