2.5 Business Club
Alltägliche Erfahrungen unmittelbar kundenorientierter Bürofirmen lehren, dass ein beträchtlicher Anteil verfügbarer Arbeitsplätze selbst während üblicher Kernarbeitszeiten nur zeitweilig belegt ist. Quer über alle Funktionen bzw. Mitarbeitergruppen hinweg liegt der gewichtete Büronutzungsfaktor bei vielen Unternehmen deutlich unter 50 % der regulären Arbeitszeit. Zwar fallen die Raumkosten von Firmen mit hochqualifiziertem Mitarbeiterstab gemessen am Gehaltskostenblock gering aus, doch besteht kein vernünftiger Grund, Geld auszugeben, das sich einsparen bzw. anderweitig sinnvoll einsetzen lässt. Vor diesem Hintergrund entstand das Konzept des "Business-Clubs", das sich hinsichtlich Aufbau und Gestaltung von Flughafenlounges und traditionellen britischen Clubs inspirieren ließ. Das Konzept verabschiedet sich vom Gedanken an persönliche Arbeitsplätze, ja vom "klassischen" Bild des Arbeitsplatzes an sich. Es setzt auf eine Verquickung von Wohlfühlambiente mit unterschiedlichen, jeweils zweckoptimierten "Arbeitsinseln", die von Mitarbeitern bedarfsabhängig genutzt werden.
Der Business Club entpuppt sich hinsichtlich seiner "philosophischen" Grundlagen als revolutionär, insofern er sich als produktivitätssteigernden Anlaufstelle für Mitarbeiter versteht, deren vorrangiges Anliegen darin liegt, persönlich erfolgreich zu sein. Im Kern wirft das Konzept das längst als illusionär enttarnte Credo über Bord, dass sich teamorientierte Unternehmensphilosophien in produktive Vorsprünge übersetzen. Tatsächlich gibt es m. W. kein belastbares Beispiel für herausragende Teamleistungen. Die großen Werke, die großen Erfindungen der Geschichte beruhten auf Einzelleistungen bzw. dem Einsatz von Arbeitsgruppen, die auf diese Leistungen aufsetzten.
Der Business Club versinnbildlicht ein gedanklich radikales, bei hoher Selbstmotivation der Angestellten gleichwohl praktikables Konzept. Es verbindet die Möglichkeiten moderner Telekommunikation mit ortsgebundenen und unternehmensbindenden (!) Momenten. Es bietet einen Rahmen für soziale Prozesse, ohne diese vorauszusetzen. Der Business Club repräsentiert ein elitäres und klar auf ein entsprechendes Bewusstsein der Mitarbeiter abhebendes Konzept.
5 Schlussbetrachtung
Die um sich greifende "Schlagwortkultur" zeichnet grelle Bilder: "Das Großraumbüro ist tot!", "Das Zellenbüro ist tot", "Das Büro ist tot!". - Blanker Unsinn. Nicht ernst zu nehmen.
Aufgefächerte Argumentationslinien begründen den Schluss, dass alle bestehenden Büroformen erhalten bleiben. - Weil jede ihre Berechtigung hat, weil jede diesen oder jenen Bedürfnisausschnitt eher befriedigt als (eine) andere.