Bewertungshandbuch "Pflegeeinrichtungen" (2)

1 Rahmenbedingungen

1.1 Demographische Einflüsse

Die Bevölkerungsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland ist - wie in den meisten europäischen Ländern - gekennzeichnet durch eine kontinuierlich steigende Anzahl älterer Menschen bei weiter steigender Lebenserwartung. Bis 2060 steigt der Anteil von Menschen die älter als 65 Jahren sind von derzeit rd. 20 % der Bevölkerung deutlich auf ca. 30 % an.

Bevölkerungspyramiden

Quelle: 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Statistisches Bundesamt

Gleichzeitig sinkt aufgrund der niedrigen Geburtenraten die Gesamtbevölkerung von derzeit rd. 82 Millionen auf ca. 65 bis 70 Millionen Einwohner in 2060.

Dabei ist festzustellen, dass Deutschland nicht gleichmäßig altert und schrumpft, sondern regional deutliche Unterschiede bestehen. So ist bedingt durch Wanderungsbewegungen in den wirtschaftsstarken Ballungsräumen mittelfristig von Bevölkerungszuwächsen und erst langfristig von einer sinkenden Bevölkerungszahl auszugehen, während in ländlichen und strukturschwachen Regionen bereits jetzt ein Bevölkerungsrückgang eingesetzt hat.

Gleichzeitig haben diese Wanderungsbewegungen zur Folge, dass in den strukturschwachen Regionen durch Abwanderungen der jüngeren Generation bereits jetzt der Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung deutlich steigt, während der Anteil der Senioren in den Wirtschaftszentren noch stabil bleibt.

Der steigende Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung ist aber für eine Investitionsentscheidung eine trügerische Größe, da in vielen Regionen gleichzeitig die Gesamtbevölkerung rückläufig ist. Durch diesen gegenläufigen Trend kann trotz deutlichen Zuwachses im Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung die absolute Anzahl der Senioren deutlich geringer zunehmen. Nachfolgende Tabelle soll diesen Sachverhalt verdeutlichen.

Beispiel Bevölkerungsentwicklung und Anteil Senioren

Eigene Darstellung

Ein deutlich steigender Anteil von Senioren führt deshalb nicht zwangsläufig zu einem im selben Verhältnis steigenden Mehrbedarf an Pflegeplätzen, der sich nach der absoluten Zahl der Senioren in einer Region bestimmt. Diese zum Teil erheblichen regionalen demographischen Unterschiede sind in der Standortwahl eines Pflegeheims zu berücksichtigen und Bevölkerungsprognosen bei der Bedarfsanalyse mit einzubeziehen.