Bewertungshandbuch "Pflegeeinrichtungen" (3)

1.3.2 Qualitative Konkurrenzanalyse

Die Konkurrenzanalyse umfasst die Lokalisierung von Wettbewerbern, die Erfassung der Pflegesätze und eine Besichtigung der Wettbewerbsobjekte. Bei der Beurteilung der Konkurrenten sind die bekannten maßgeblichen Kriterien zugrunde zulegen.

Im Ergebnis muss die Konkurrenzanalyse Aussagen darüber treffen, in welchen wesentlichen Parametern (Lage, Konzeption, Qualität und Preise) sich das Bewertungsobjekt positiv oder negativ von diesen Wettbewerbern abhebt und inwiefern sich daraus langfristige Vor- oder Nachteile für das Bewertungsobjekt ergeben.

Das Bewertungsobjekt / -projekt sollte möglichst klare Alleinstellungsmerkmale aufweisen, um dauerhaft Konkurrenzfähig zu sein. Dies kann im Rahmen von Spezialisierungen erfolgen, wie zum Beispiel der ausschließlichen Betreuung von dementen Personen oder der Betreuung von Personen mit Migrationshintergrund. Insbesondere dann, wenn sich aus der rechnerischen Bedarfsanalyse herausstellt, dass grundsätzlich von einem deutlichen Bettenüberhang auszugehen ist, was auf einen starken Konkurrenzkampf schließen lässt, sind diese qualitativen Unterschiede essentiell.

Neben diesen Alleinstellungsmerkmalen wird zudem auf ein wirtschaftliches und flexibles Gebäudekonzept sowie konkurrenzfähige Preise geachtet um in einem Verdrängungswettbewerb eine starke Position zu erhalten.

Die Identifizierung der Mitbewerber kann einerseits über den Pflegeheimnavigator der AOK (http://www.aok-pflegeheimnavigator.de/), der BKK-Pflegedatenbank PAULA (http://www.bkk-pflege.de/Paula) oder über die im Rahmen der Bedarfsanalyse verwendete Datenbank von geoport, die eine Auflistung der vorhandenen Pflegeheime im Umfeld der Bewertungsadresse beinhaltet, erfolgen.

Zur Berücksichtigung geplanter Einrichtungen empfiehlt es sich, Kontakt mit den Baubehörden und den Sozialhilfeträgern aufzunehmen.

1.3.3 Konzeptionsanalyse

Im Rahmen der Konzeptionsanalyse sind die funktionellen Aspekte des Bewertungsobjektes zu beurteilen. Aufgrund der zu erwartenden Kosteneinsparungen im Gesundheitssystem kommen hier insbesondere wirtschaftliche Aspekte, wie z. B. kurze Wege, geringer Instandhaltungs- und Wartungsaufwand auf Basis wohlüberlegter Gebäudestrukturen und Baumaterialien, für eine nachhaltige Bewirtschaftung wesentlich zum Tragen.

Bei der Beurteilung sind die Heimmindestbauverordnung, die DIN 18025 Teil 1 und 2 (barrierefreies Bauen) und die Empfehlungen des Kuratoriums der Deutschen Altenhilfe hilfreiche Maßstäbe.

Die Einhaltung der Heimmindestbauverordnung bedeutet nicht, dass das Heim die Marktstandards erfüllt. Diese sind oft höher angesiedelt. Die Heimmindestbauverordnung soll lediglich einen Mindeststandard sicherstellen. Heime, die die Heimmindestbauverordnung zum Inkrafttreten 1990 nicht erfüllten, genossen einen zehnjährigen Bestandsschutz, der somit 2000 auslief. Nur noch in wenigen Einzelfällen wurden Ausnahmegenehmigungen erteilt.