Bewertungshandbuch "Pflegeeinrichtungen" (3)

1.3 Marktanalyse

Im Rahmen der Marktanalyse ist der Bedarf an Pflegeplätzen und die Konkurrenzsituation zu analysieren.

1.3.1 Quantitative Bedarfsanalyse

Im Rahmen der Bedarfsanalyse ist abzuschätzen wie hoch der rechnerische Bedarf im Einzugsbereich des Pflegeheims ist. Diese Zahl kann über die regionalen Pflegequoten geschätzt werden.

Wie sich aus der Pflegestatistik ergibt wurden 2007 rd. 0,86 % der Bevölkerung in Heimen betreut. Aufgrund der geringen Pflegequote in den Altersgruppen unter 65-Jahren kann diese Bevölkerungsgruppe vernachlässigt werden. Einige Markteilnehmer empfehlen sogar nur die Altersgruppe ab 70 oder sogar 80 Jahren für eine Bedarfsabschätzung heranzuziehen. Die Pflegequote der Altersgruppe 65-Jahre und älter beträgt im Bundesdurchschnitt derzeit rd. 4 % (siehe Bewertungshandbuch, Teil 2, Pflegequote).

Wie bereits im Kapitel zur Pflegestatistik und demographischen Entwicklung erläutert entwickeln sich diese Pflegequoten aufgrund der Wanderungsbewegungen regional stark unterschiedlich. Im Rahmen eines Gutachtens muss deshalb auf die regionale Altersverteilung und die regionale Pflegequote abgestellt werden.

Dem Bedarf, der sich aus der Pflegequote ergibt, ist das Angebot an Pflegebetten gegenüber zu stellen. Das Angebot kann durch Auswertung des Bettenangebotes der Konkurrenten im Einzugsbereich geschätzt werden.

Seit 2007 stellt geoport (www.geoport.de) eine Datenbank mit allen relevanten Angaben für eine Bedarfsanalyse auf Landkreisebene mit Daten des Statistischen Bundesamtes zur Verfügung. Zudem enthält die Auswertung Angaben zu den vorhandenen Pflegeplätzen im Umkreis des Bewertungsobjektes.

Nachfolgend ist ein Muster einer Bedarfsanalyse auf Basis der Geoport-Daten dargestellt.

Quelle: Geoport, eigene Berechnungen

Der Umkreis für eine Bedarfsanalyse ist an den Standort anzupassen. In städtischen Gebieten gelten ca. 1 bis 4 km als potentielles Einzugsgebiet. In ländlichen Regionen gelten 10 km als übliches Einzugsgebiet. Eine weitere Eingrenzung in ländliche Regionen kann über eine Fahrzeitanalyse erfolgen. Umfragen zeigen, dass Angehörige eine Anfahrtszeit von 30 Minuten nicht überschreiten wollen.

Führt man in dieses Berechnungsschema Daten aus einer Bevölkerungsprognose ein, kann auch der zukünftige Bedarf an einem Standort geschätzt werden. Wie im Handbuch, Teil 2, Anzahl der Pflegebedürftigen bereits erläutert, zeigen die demographischen Trends regional deutliche Unterschiede auf.

Häufig zeigt diese prognostische Betrachtung, dass trotz des demographischen Wandels der zukünftige rechnerische Bedarf an Pflegeplätzen deutlich geringer ist als erwartet bzw. das aktuelle rechnerische Angebot bereits ausreicht, um auch den zukünftigen Bedarf abzudecken.