Berufseinstieg von Geographen - Tipps

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    Dieser Beitrag stammt von Dipl.-Geographin Silke Mersmann, die auch mit den Business Improvement Districts im IK vertreten ist. Ihr "zweiter Streich" beruht auf ihren persönlichen Erfahrungen sowie einer von ihr initiierten Befragung von Geographen, die sich für ein Interview per Email oder Telefon Zeit nahmen. Silke schrieb den Artikel spontan, in einem "Rutsch". Ich gebe ihn redaktionell leicht überarbeitet wieder.


    Den Grundstein für einen erfolgreichen Berufseinstieg legt man während des Studiums. Dies einerseits durch eine frühzeitige Festlegung auf einen thematischen Schwerpunkt - vor allem im Hauptstudium, zum anderen durch die Wahl thematisch passender Praktika, von denen man so viele wie möglich - jedenfalls mehr als die vorgeschriebene Anzahl - absolvieren sollte, und zwar bevorzugt in der freien Wirtschaft. Sie helfen dabei, sich beruflich zu orientieren, Erfahrungen zu sammeln, Kontakte zu knüpfen, die für einen späteren Berufseinstieg entscheidend sein können. Dies gilt auch für Neben- oder Ferienjobs!

    Die Wahl der Nebenfächer sollte einigermaßen mit dem gewählten thematischen Schwerpunkt stimmig sein, auch wenn sie beim späteren Bewerbungsprozess eine untergeordnete Rolle spielen.

    Falls man seinen bevorzugten Interessenschwerpunkt an einer Universität nicht weiterverfolgen kann, sollte man über einen Uni-Wechsel nachdenken. Dies geschieht am besten nach dem Vordiplom oder dem Bachelor.

    Auch kann es sinnvoll sein, seine Diplomarbeit zu einem angewandten, praxisnahen Thema zu schreiben, und dies am besten in einem Unternehmen. Ausnahme sind diejenigen die eine akademische Karriere anstreben. Selbst falls der direkte Einstieg in das Unternehmen im Nachhinein nicht klappt, so kann man die Kurzfassung als Arbeitsprobe der Bewerbung beifügen. Damit zeigt man den Unternehmen, bei denen man sich bewirbt, dass man zum einen fachlich sauber arbeiten und zum anderen gute Berichte verfassen kann. Berichte, in welcher Form auch immer, werden im späteren Berufsleben in unterschiedlicher Anzahl immer wieder erstellt werden müssen - dies hat mir meine bisherige Berufserfahrung gezeigt.

    Ein entscheidender Faktor ist auch das Thema Netzwerke, das sich auch unter dem Stichwort "Vitamin B" subsumieren lässt. Einige denken jetzt vielleicht: "Nicht schon wieder!", aber den Faktor "Vit. B" sollte man nicht unterschätzen. Ein Großteil freier Stellen in der deutschen Wirtschaft wird so besetzt - nur etwa ein Drittel aller Stellenangebote taucht überhaupt in Stellenbörsen auf!

    So können Kontakte, die man während des Studiums durch Praktika, externe Dozenten, Projektarbeiten oder Teilnahme an Verbandsveranstaltungen, wie z. B. dem DVAG geknüpft hat, den Einstieg ins Berufsleben wesentlich erleichtern und eine spätere Karriere fördern. Dabei sollte man aber seine Kommilitonen nicht vergessen und den Kontakt zu Ihnen nach dem Studium nicht abreißen lassen - auch sie bilden ein Netzwerk, dass einem später einmal hilfreich sein kann!

    Aus oben genannten Gründen sind Initiativbewerbungen Stellenanzeigen vorzuziehen. Sich allein auf veröffentlichte Stellenangebote zu verlassen, ist nicht ratsam.

    Falls das Studium nun erfolgreich abgeschlossen ist und über den freien Arbeitsmarkt oder vorhandene Netzwerke kein Berufseinstieg in Sicht ist, kann man ruhig über eine fachliche Fortbildung in einem verwandten Bereich oder ein Aufbaustudium nachdenken. Durch diese Spezialisierung schafft man sich ein markanteres Profil. Zudem sind die meisten Aufbaustudiengänge bedarfs- und praxisorientiert angelegt, so dass sie - wie in vielen mir bekannten Fällen - zu einem erfolgreichen Berufseinstieg führen. Allerdings sollte man sich vorher genau erkundigen, wie die Übernahmequoten bei den Absolventen sind, so dass man nicht am Markt vorbeistudiert, was verschwendetes Geld wäre, denn die wenigsten Aufbaustudiengänge sind kostenlos oder werden staatlich gefördert.

    Jetzt habe ich so viel über Markt- und Karriereorientierung geschrieben, dass eines vielleicht in Vergessenheit gerät, was auf keinen Falls geschehen sollte - das "Ich" oder die Person selber. Niemals sollte man seine eigenen Interessen, Stärken, seine Persönlichkeit verleugnen oder übereifrig versucht seine (vermeintlichen) Schwächen ausmerzen. Dies führt nur dazu, dass man die Begeisterung, die Motivation für den späteren Beruf des "Geographen", den es ja in dem Sinne nicht gibt, verliert und man ins Mittelmaß abrutscht. Besser ist es die Stärken zu stärken und sich ein unverwechselbares Profil zu schaffen. Dabei sollte man gleichwohl Bereitschaft zu Kompromissen zeigen und flexibel bleiben.

    Falls sich jemand jetzt fragt: "Wo sind meine Stärken? Welche Art von Tätigkeit liegt mir? Wo will ich eigentlich hin?", dem gebe ich die Empfehlung, an Orientierungsseminaren teilzunehmen, die von den Arbeitsagenturen oder Universitäten angeboten werden. Als Stichworte seien "Profiling" und "Work Life Planning" genannt. Aber auch Gespräche mit Professoren oder Arbeitgebern zum Ende des Praktikums können schon weiterhelfen.

    Extrem wichtig sind selbstredend das Aussehen der Bewerbungsmappe und das Auftreten und Verhalten bei einem Vorstellungsgespräch. Denn selbst wenn man es bis hierher geschafft hat, heißt dies noch lange nicht, dass man auch genommen wird. Dieses Thema werde ich hier nicht weiter verfolgen, weil dies allüberall ausführlich behandelt wird und gleichermaßen für Absolventen aller Studiengänge gilt. Doch sei angemerkt, dass es sinnvoll ist, die Mappe von Bekannten oder Profis überprüfen zu lassen und an Trainings für Vorstellungsgespräche teilzunehmen, falls man sich in dieser Situation unwohl fühlt oder sehr unsicher ist. Diese Trainings sind meist nicht teuer und das Geld ist wirklich gut angelegt.

    Natürlich gehört zu allem auch eine gewisse Portion Glück!

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Aktualisierung: 13.11.2005© Elmar Pfeiffer, 80335 München (Impressum)Elmar.Pfeiffer@gmx.de