Architekten – eine aussterbende Art?

Der nachfolgende Beitrag war als "kosmischer Splitter" gedacht, als Text, der ein ausgewähltes Immobilienthema kurz und bündig abhandelt. Da sich während des Schreibens mehr und mehr Gedanken aufdrängten, wuchs er über ein "einseitiges" Format hinaus. Erfahrenen Autoren ist diese bisweilen aufkommende Eigendynamik vertraut, die nüchterne Ansätze in Rauch aufgehen lässt. Der Artikel verschmilzt Erfahrungen und Wahrnehmungen des Verfassers zu einem Bild, das vielen jungen Menschen, die mit einem Architekturstudium liebäugeln, womöglich ein wenig desillusioniert.

1 Begriffsklärung "Architekt"

Das Wort "Architekt" geht auf altgriechische Wurzeln zurück. Es verbindet die Begriffe "arché" (Anfang, Grundlage, Ursprung) und "techné" (Handwerk). "Architéktos" bedeutete soviel wie "erster" bzw. "oberster Handwerker", "Baukünstler" oder schlicht "Baumeister".

2 Historische Rückblende

Der Architektenberuf war nie scharf abgrenzbar. In früheren Zeiten verantworteten mit einem Vorhaben beauftragte "Architekten" sowohl dessen gestalterischen Entwurf und die statische Planung (die weniger auf Berechnungen, sondern vielmehr auf Erfahrungswerten beruhte) als auch die Baustellenorganisation und die Steuerung des Baugeschehens. Kurz: Sie waren Generalisten, die technisch-konstruktive Tätigkeiten und die Entwicklung und / oder Umsetzung ästhetischer Konzepte bzw. Formensprachen und Symboliken miteinander verbanden.

Zu einem universitär unterfütterten Berufszweig entwickelte sich die Architektur erst mit der Industriellen Revolution und einem beschleunigten Bevölkerungswachstum infolge agrarischer Umwälzungen. Dieser Zusammenhang entsprang zuvorderst einander überrollenden bautechnischen Fortschritten und sozialen Umwälzungen, die sich mit in einer "Vermassung" der Gesellschaft und – eine stille Implikation – dem Aufkommen massenhaft duplizierbarer konzeptioneller Ansätze verband. Diese "Vermassung" wiederum übersetzte sich – in unschönem Einklang mit soziologischen Gesetzen – in den Ruf nach abgrenzenden Bauformen einer wachsenden Klasse (nicht Schicht) von Industriellen und großbürgerlichen Kreisen. Beide Entwicklungen unterstützten eine Trennung von baulicher Planung und baulicher Ausführung. Zugleich – und nahezu unausweichlich – verlangten vermehrt erforderliche und fortwährend anspruchsvoller werdende infrastrukturelle Projekte nach hochgradig spezialisiertem technischen Wissen. – Die wohl stärkste Triebfeder für eine zunehmende Trennung der heutigen Disziplinen "Architektur" und "Bauingenieurwesen. Der "klassische" Architekt kam in einem sich mehr und mehr technisierenden Umfeld dabei ein Stück weit unter die Räder, insofern ihm "der" Bauingenieur angestammte Gebiete streitig machte. Letzterer musste in einem vom Diktat der Ökonomie geprägten System zwangsläufig gewinnen.

3 Modernes Berufsbild

Die traditionelle Unschärfe hinsichtlich der beruflichen Abgrenzung blieb erhalten. Im Gegensatz zu Bauingenieuren stehen Architekten stärker in einer baukünstlerischen Tradition, die sich zumindest ansatzweise in einem in Architektenkreisen verbreiteten Selbstverständnis, aber auch stilistischen Moden widerspiegelt. Das "künstlerische" Selbstverständnis vieler (angehender) Architekten hält einem Abgleich mit der beruflichen Wirklichkeit freilich nicht bzw. allenfalls bezogen auf einen überschaubaren Kreis internationaler Stararchitekten und regionaler Größen stand. Bildlich gesprochen beschränkt ein zur Wespentaille geschnürtes wirtschaftliches Korsett die ästhetischen (Selbstverwirklichungs)Spielräume in aller Regel auf ein Mindestmaß.

Im beruflichen Alltag befassen sich heutige Architekten mit einem bunten Strauß unterschiedlicher Fragestellungen. Diese reichen von gestalterisch bzw. optisch orientierten Planungen über technische und funktionale Thematiken bis hin zu wirtschaftlichen Fragen. Anders als die bereits erwähnten Bauingenieure beschränken sich Architektentätigkeiten weitestgehend auf den Hochbau.