Ansätze der Handelsplanung

4 Der fünfte Weg

Im Intro wurde darauf hingewiesen, dass "reine" Ansätze vorgestellt werden. Im Alltag kommen sie allesamt vor und zum Tragen, selten indes in lupenreiner Form. Meist werden Ansätze miteinander kombiniert, wobei einer dominiert. In den meisten Stadtentwicklungsplänen genießt die zentrale Verdichtung Vorrang. In Großstädten stehen zudem Festigung und Ausbau der Stadtteilzentren weit oben auf der Agenda, quer über alle Ortsgrößenklassen hinweg die Stabilisierung gewachsener Zentren allgemein.

Bereits eingangs wurden Zweifel wach, ob diese städtebaulichen Ziele grundsätzlich vernünftig sind. Die Schlüsselfrage lautet: Kann es gelingen, sämtliche Zentren zu erhalten oder zumindest eine Mehrheit davon? Und, sind Ansätze, die darauf abheben, jedes funktional verfallende Zentrum zu stützen, verbrauchergerecht? Ist der Verfall nicht womöglich Ausdruck mangelnder Verbrauchergerechtigkeit, die sich gleichsam in eine "Abstimmung mit den Füßen" übersetzt? Ist der Verfall vielleicht auch eine Folge gezielter Stellplatzvernichtung und überzogener Stellplatzbewirtschaftung?

Sicherlich provozieren solche Fragen. Aber: Leitbilder sind nur dann gut, wenn ihre Umsetzung zu stimmigen Ergebnissen führt. Und das geschieht häufig nicht. Beispielsweise setzt das Ziel, die wohnortnahe Versorgung einer Bevölkerungsmehrheit zu sichern, zeitgemäße Betriebsgrößen samt ausreichenden Stellplatzkapazitäten voraus. Oft wäre ein vergleichsweise hohes Individualverkehrsaufkommen in Wohngebieten in Kauf zu nehmen, um fußläufig erreichbare Versorgungseinrichtungen dauerhafte existenzfähig zu erhalten. Wenn nun ein zweites Leitbild darin besteht, den Verkehr in Wohngebieten zu minimieren, ergibt sich ein Widerspruch.

Den einen, alle Probleme auflösenden Ansatz gibt es nicht. In vitalen Großzentren bzw. -städten verdient eine Kombination aus zentraler Verdichtung und innerörtlicher Netzverdichtung m. E. die günstigste Bewertung. Die zweite hier genannte Komponente bezieht sich wesentlich darauf, häufig an der Peripherie gelegene Betriebsformen wie Bau- und Heimwerkermärkte, Einrichtungshäuser, Möbelmärkte, SB-Warenhäuser, Einkaufs- und Fachmarktzentren wieder in den Stadtraum einzubinden. Flächenreserven bieten viele Städte zur Genüge.

Nochmals betont sei, dass eine angemessene Dimensionierung jeweiliger Einheiten samt geschickter Einbindung in die jeweilige Handelslage zu fordern ist. Die Schaffung bzw. Sicherung flächendeckend optimaler Versorgungsnetze setzt m. E. über alle Betriebsformen hinweg eine radikale Abkehr von Mega-Projekten voraus. Kein Baumarkt benötigt 10.000 qm Verkaufsfläche, um wirtschaftlich betrieben zu werden, kein SB-Warenhaus. Und, drei gut in den Stadtraum eingefügte Einkaufszentren a 15.000 qm Verkaufsfläche verbürgen eher Verbrauchernähe als ein 45.000 qm großes Objekt.

In räumlich aussichtsreich positionierten Gliedern der innerörtlichen Zentrenhierarchie (Nahbereichs- und Stadtteilzentren) gilt es, zeitgemäß formatierte Betriebsflächen und großzügig bemessene Stellplatzkapazitäten zu schaffen.

In größeren Mittelstädten dürfte mehrheitlich ein gleichgerichteter Ansatz sinnvoll sein. Für Kleinstädte empfiehlt sich hinsichtlich der quantitativen Flächenentwicklung häufig ein Staus-Quo-Ansatz in Verbindung mit qualitativen Optimierungsmaßnahmen im Ortskern. Zu diesen zählen die Zusammenlegung von Ladenlokalen unzureichender Größe zu betriebswirtschaftlich tragfähigen Einheiten und eine Harmonisierung des Branchenbesatzes. Erfolgreich umsetzen lassen sich solche Ansätze freilich nur dann, ziehen alle Beteiligten an einem Strang. Notwendig ist ein Höchstmaß gelebter Kooperationsbereitschaft bzw. eine Haltung, die gemeinsame Ziele über gewohnte Egoismen stellt.